Museumsnetzwerk

Job: Wiss. Mitarb. "Medieninstallation", Haus der Geschichte, Bonn

Die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland sucht zum nächst möglichen Zeitpunkt am Dienstort Bonn im Rahmen des Programms NEUSTART KULTUR geförderten Projekts „museum4punkt0“ zunächst befristet bis zum 31.12.2021 wissenschaftliche Mitarbeiter/innen zur Entwicklung und Umsetzung einer exemplarischen innovativen, datenbasierten und interaktiven Medieninstallation für zeithistorische Ausstellungen. Bewerbungsfrist 14.12.2020. https://www.hdg.de/stiftung/arbeiten

Newsletter aus dem Museumsnetzwerk (1)

Das neue Jahr hat begonnen. Es ist Zeit für die erste Ausgabe unseres Newsletters.

Wir möchten mit den Dingen, die wir Euch in dieser und den folgenden Ausgaben vorstellen, einen kleinen Ausschnitt aus der Museumslandschaft aufzeichnen, Fragen aufwerfen und Anregungen für unsere weitere Arbeit bieten. Klar ist, dass wir nicht annähernd alle Perspektiven und Angebote, Neuerscheinungen und Forschungsdiskurse einbringen können, sondern nur partiell und bruchstückhaft einen kleinen Teil eines Feldes beleuchten werden, das so divers ist, wie seine Akteur*innen.

Der Newsletter soll ein Outlet für die Netzwerkarbeit sein und gleichzeitig Eure Diskurse, Beiträge, Neuigkeiten und Anregungen darstellen.
Wenn wir etwas vergessen, das Euch wichtig erscheint, lasst es uns immer wissen, und wir werden es in die nächste Ausgabe oder einem Nachtrag unterbringen.

Wir haben uns zuletzt am 12.12 im Stadtmuseum Mainz auf der Zitadelle getroffen und gemeinsam mit Frau Dr. Anders und der Museumsleiterin Frau Dr. Ute Engelen über die Chancen und Schwierigkeiten gesprochen, die in einem kleinen Museum auftreten, das auf Basis von Ehrenämtern und viel Engagement geleitet und organisiert wird. Dabei haben wir über personelle sowie finanzielle Aspekte, sowie Sammlungs- und Ausstellungspraxis in einem solchen Framework gesprochen und die studentische Beteiligung an musealen Projekten im Stadtmuseum Mainz beleuchtet. Frau Engelen hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass das Stadtmuseum Mainz immer nach ehrenamtlichen Kräften sucht, die sich in einer der Arbeitsgruppen einbringen möchten. Selbiges kann eine gute Praxiserfahrung für die spätere Arbeit im musealen Raum sein. Kontakt über:

Weiterhin haben wir uns über die Konzeption unseres Netzwerks unterhalten und uns als Netzwerk definiert, das Studierende mit Interessen im Bereich Museum zusammenbringen soll und uns dabei erlaubt, verschiedene Realitäten und Diskurse der Museumswelt zu entdecken. Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir uns im Sommersemester erneut treffen wollen. Vielen Dank an dieser Stelle an Miriam Maslowski, die uns alle herzlich einlädt.

Unser nächstes Treffen soll in Ingelheim, im Museum bei der Kaiserpfalz stattfinden. Ein Termin hierfür wäre der 19. Juni 2020, von 13 bis 19 Uhr. Da am Abend die „Nacht der Kunst“ stattfindet, kann, wer Zeit und Lust hat, im Anschluss auch einen Wein trinken gehen.

Passt Euch der Termin? Lasst es mich bitte wissen! Ihr könnt mir auch mitteilen, welche Themen Euch für unser nächstes Treffen wichtig wären und welche Schwerpunkte wir setzen wollen, sodass wir ggf. jemanden als Referent*in einladen können.

Wir sind gespannt auf Eure Ideen.

Genauso wie unser letztes Treffen am 12.12 klingt auch noch der Workshop in Rüsselsheim, der im letzten Jahr am 28.06 stattfand, noch immer nach. Jetzt ist endlich auch der Tagungsbericht auf h-soz-kult erschienen, den ihr euch anschauen könnt, falls ihr dem Workshop nicht beiwohnen konntet, oder ihn, auch mit Blick auf unsere zukünftigen Aktivitäten, noch einmal Revue passieren lassen wollt:

Gerade weil dieser Workshop so fruchtbar und lehrreich für uns alle war und das Stadt- und Industriemuseum in Rüsselsheim zu den fortschrittlichsten Museen der Region gehört, besonders was Dinge wie Partizipation und Inklusion angeht, die auch zentrale Punkte unserer zukünftigen Arbeit sein sollen, möchten wir Euch die Veranstaltungen des Stadt- und Industriemuseums im Jahr 2020 nicht vorenthalten und füge dieser E-Mail den Jahresplan des Museums mit Terminliste inklusive der geplanten Sonderausstellungen an.

Für weitere Informationen findet ihr die Website des Museums unter:

Gerne weisen wir auch darauf hin, dass uns Frau Dr. Bärbel Maul, die Leiterin des Museums, letzten Sommer erzählt hat, dass es regelmäßig die Möglichkeit gibt, sich auch in Rüsselsheim, z.B. für Führungen und Praktika, einzubringen. Wenn ihr etwas Derartiges sucht, haben ihr dort die Möglichkeit, euch zu melden.

In Bezug auf die Veranstaltungen, die in diesem Jahr in Rüsselsheim stattfinden, möchten wir Euch ganz besonders die Reihe „Zwischen Klassenkampf und Schlaghose – Die Wilden 1970er Jahre in Rüsselsheim“ (im Programm ab S. 23f. und separat im Anhang) ans Herz legen, die von Frau Dr. Freia Anders organisiert wurde und in der es um die Protestgeschichte der 1970er Jahre geht.

Aufmerksam möchten wir Euch in diesem Zuge auch machen auf eine Übung im Exkursionsmodul des Sommersemesters, die von Frau Dr. Anders geleitet wird und sich an Studierende richtet, die Interesse an der Museumsarbeit haben. Die Übung wird sich mit der Genese von Sammlungskonzepten beschäftigen und das Sammeln als Kernaufgabe der zeitgenössischen Museumsarbeit beleuchten, sowie auf Debatten und Probleme bei der Arbeit mit musealen Sammlungen eingehen. Zudem werden sich die Studierenden, im Rahmen der Übung, die ethnologische Sammlung der JGU, zusammen mit der Kuratorin der Ethnografischen Studiensammlung, Dr. Anna-Maria Brandstetter, einer Expertin für die koloniale und postkoloniale Geschichte ethnografischer Sammlungen, ansehen. Unser Treffen in Ingelheim im Sommer soll gleichzeitig ein integraler Bestandteil der Übung sein:

In diesem Kontext auch spannend ist zum Thema ethnologische Museen eine interessante Konferenz in Stuttgart. Das Linden-Museum lädt ein, an der Tagung „Das neue Museum. Ideen für das ethnologische Museum der Zukunft.“ teilzunehmen und über Aspekte von Dekolonisierung und Partizipation, Museumsarchitektur und Aushandlungen der Dynamik Museum-Stadt-Gesellschaft nachzudenken. Der Rahmen ist die Konzeption des Neubaus des Linden-Museums, eines staatlichen Museums für Völkerkunde in Stuttgart. Genauere Infos und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es unter:

Unter dem Schlagwort der Dekolonialisierung und der Problematik kolonialer Raubkunst, über die wir auch kurz beim letzten Treffen gesprochen haben, haben wir einen Artikel aus dem letzten Jahr für Euch, der bei der Deutschen Welle erschienen ist und unser Themengebiet ganz direkt betrifft.

Auch wenn in Bezug auf das „Ob“ wohl ein recht breiter Konsens unter denjenigen Verantwortlichen, die nicht dem erzreaktionären Spektrum zuzuordnen sind, herrscht, bietet die Frage nach dem „Wie“ der Rückgabe von geraubten Kunstwerken und musealen Objekten konfliktpotential. Eine Gruppe von Aktivist*innen, Künstler*innen und Wissenschaftler*innen hat in diesem Zusammenhang auf die rasche Offenlegung der Museumsinventare appelliert.

Die Einrichtung einer „Kontaktstelle für Sammlungsgut aus Kolonialen Kontexten“, wie sie von der Kultusministerkonferenz beschlossen wurde, birgt möglicherweise die Gefahr einer Bevormundung der Herkunftsländer. Nichtsdestotrotz müssen beim Finden einer Lösung die Arbeitsrealitäten der Museen in Deutschland mit in Betracht gezogen werden.

Gerne können wir uns beim nächsten Treffen oder per E-Mail hierrüber austauschen. Wir sind gespannt auf Eure Beiträge.

In diesem Zusammenhang möchten wir Euch ein Buch empfehlen, das letzten Oktober erschienen ist und geschrieben wurde von der Kunsthistorikerin und Leiterin des Referats Museen beim Bremer Senator für Kultur, Dr. Anna Greve, das sich „Koloniales Erbe in Museen“, nennt.

Zitat aus der Beschreibung:

„Mit dem Koalitionsvertrag von 2018 wurde das koloniale Erbe als Teil der deutschen Geschichte anerkannt. In einem Europa, in dem Nachfahren einstiger Kolonialmächte zusammen mit Menschen aus ehemals kolonisierten Ländern leben, gibt es sehr verschiedene Blicke in die Vergangenheit – geeint jedoch im Wunsch nach gesellschaftlichen Grundwerten in der Gegenwart. Daraus ergeben sich zentrale Fragen für die postkoloniale Museologie: Wie geht man mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten um? Welche Erinnerungspolitik soll vertreten und wie kann struktureller Rassismus abgebaut werden?“

Durch die Anwendung von Ansätzen aus der Kritischen Weißseinsforschung und antirassistischer Theorie und den Umfang und die Einbeziehung von Perspektiven von People of Colour gelingt es ihr, ein Museum zu entwerfen, das Raum für wichtige postkoloniale aber auch postmigrantische Diskurse schafft. Man bemerkt zwar, dass Greve in ihrer politischen Terminologie zeitweise in der Hufeisentheorie festhängt, aber das tut dem Wert des Buches für die kontemporäre Museumszene keinen Abbruch.

Im Bereich Museumsliteratur gab es außerdem im Januar mit „Das umkämpfe Museum – Zeitgeschichte ausstellen zwischen Dekonstruktion und Sinnstiftung“, herausgegeben von Ljiljana Radonic und Heidemarie Uhl eine Neuerscheinung, die diverse Beiträge zur Auseinandersetzung mit Zeitgeschichte im Museum enthält:

Die Leiterin des Museums im Hölderlinturm in Tübingen, Sandra Potsch schreibt nicht nur Bücher, sie schreibt auch über Bücher, genauer über solche, die man in der Regel nicht liest, sondern nur anschaut. Meine nächste Empfehlung ist letzten September erschienen, und nennt sich: „Literatur sehen - vom Schau- und Erkenntniswert literarischer Originale im Museum“. Potsch beschäftigt sich mit der Ausstellungspraxis von Büchern und Dokumenten und verschiebt literarische Werke von einer Perspektive des Analysierens und Begreifens zu einer des Erfahrens:

Falls Euer Interesse geweckt wurde, was Literatur zur theoretischen und praktischen Museumsarbeit angeht, hat uns Frau Dr. Anders eine Liste mit Literaturempfehlungen zur Verfügung gestellt, die ich mit eigenen Ideen erweitert habe. Diese könnt ihr ebenfalls im Anhang finden.

Abschließend möchten wir Euch aufmerksam machen auf zwei Stellenangebote, nämlich eine Stelle im Outreach des Schwulen Museums Berlin:

und ein Volontariat im StadtPalais Stuttgart, das uns Johanna Körner freundlicherweise zugesendet hat:

Weiterhin gibt es die „Museumsakademie“ Musealog (https://www.musealog.de/), die arbeitssuchende Geisteswissenschaftler*innen in Aspekten der Museumsarbeit weiterbildet.

Wenn ihr möchtet, gebt uns auch gern Feedback für die Inhalte des heutigen Newsletters, da dies die erste Ausgabe ist, sind wir auf Eure Anregungen und Wünsche angewiesen, um den Newsletter zu verbessern und Euch die Informationen zukommen zu lassen, die Ihr im Kontext des Netzwerkes gerne erhalten würdet. Wir freuen uns außerdem auch über Bücher, Inserate und Neuigkeiten, die ihr in der nächsten Ausgaben vertreten wissen möchtet. Sendet uns gern all das zu, was Euch wichtig erscheint.

Bis bald und mit freundlichen Grüßen aus Dijon

Christoph Müller