Siena – eine der schönsten Städte Italiens

Es ist schon recht aufregend, so ein Aufbruch in ein fremdes oder zumindest anderes Land. Ich war bereits in Italien zum Urlauben, aber es ist etwas anderes dort tatsächlich für ein halbes Jahr Leben zu wollen. Eine Reise mit dem Zug kann ich empfehlen. Zwar ist diese Reise lang (17 Stunden inklusive Umsteigezeit und den Bus von Florenz nach Siena) aber man kann ganz die Eindrücke auf sich wirken lassen. Besonders angenehm waren die vielen Begegnungen bereits auf der Fahrt.

Endlich angekommen hatte ich nur einen Platz im Siena Hostel (sehr empfehlenswert!! Das Personal ist sehr zuvorkommend und hilft bei allen Problemen weiter; dafür greift es auch schon mal zum Telefon, um Informationen einzuholen).

De facto hatte ich: einen Platz in einem 8-10 Personenschlafsaal, folglich nichts für länger. Somit fing am nächsten Tag die Suche an. Es ist recht zäh und erfordert Schnelligkeit (bei der Suche im Netz) und Ausdauer (beim Suchen von Aushängen). Nach drei Tagen hatte ich endlich eine Wohung gefunden, die mir zu sagte. Man muss bedenken: In Italien ist es eher üblich, sich ein Zimmer zu teilen, ein sogenanntes "Doppia" mit zwei Betten. Dies sagte mir jedoch nicht zu, denn ein Rückzugsort ist schon etwas Gutes.
Jetzt wohne ich recht bequem 20 Minuten fußläufig von der Universität und vom zentralen Platz, Il Campo, entfernt.

Es gibt die Möglichkeit, sich bereits im Vorfeld des Auslandsstudiums um einen Platz im Studentenwohnheim zu suchen. Davon wurde mir abgeraten, wenn ich verstärkt den Kontakt zu Italienern suche. Deshalb schloss ich dies aus. Ich halte es für ratsam, vor dem Beginn des Auslandssemesters die Internetseiten nach möglichen Wohnungen zu durchforsten und potenzielle Vermieter bereits aus Deutschland heraus anzuschreiben.

Das hat den Vorteil: Man kommt an, schaut sich die Wohnungen an und muss nur noch auswählen, in welcher man bleiben möchte. Bei mir war das schwieriger und damit um einiges unsicherer, wodurch ich die ersten Tage nur bedingt genießen konnte.

Prinzipiell: Eine Woche vor Beginn des offiziellen ERASMUS-Welcoming Programms, in sofern man daran teilnehmen möchte, in Siena anzu kommen, kann ich befür woreten, denn man kann für sich die Stadt erkunden und durch besuche in Mensa, Bibliothek und anderer Orte seine ersten einheimischen und ausländischen Kontakte knüpfen.

Die Öffnungszeiten des ERASMUS-Büros und die des IESN (International Exchange ERASMUS student network) sind im Internet zu finden und bilden eine wichtige Anlaufstelle zur Orientierung für die kommende Zeit.

Ich freue mich auf die Aktivitäten der kommenden Woche. Darunter sind: Immatrikulation, Abende der Begegnung, kulturelle Angebote wie Stadtrundgang/-führung und eine Tour durch das berühmte Chinati am Samstag der kommenden Woche.

Zum Abschluss dieses Beitrags noch ein paar kleine Impressionen, die keinerlei weiterer Erklärung bedürfen:

IMG_0133IMG_0137

 

Herzliche Grüße
Mario Schäfer

Veröffentlicht am | Veröffentlicht in Allgemein, Siena

Stipendien der Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa

Die Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa (GFPS e.V.) vergibt auch im Sommersemester 2015 Stipendien für:

sowie

Bewerbungsschluss für alle Stipendien ist der 31. Oktober 2014.

______________________________________________________

GFPS-Stipendium gefördert aus Mitteln der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit für Studierende und DoktorandInnen aller Fachrichtungen im Sommersemester 2015

SEMESTERSPRACHKURS IN POLEN

Angeboten werden Stipendien:

für das Sommersemester 2015: 01.02.2015 - 30.06.2015, an den Universitäten in Kraków/Krakau, Lublin, Poznan/Posen u.a. zur Teilnahme an einem Intensivsprachkurs über ein Semester.

Die Leistungen des Stipendiums umfassen die Gebühren für einen einsemestrigen Intensivsprachkurs an einer polnischen Universität, ein monatliches Stipendium in Höhe von ca. 1.450 Zloty (etwa 350 Euro, vorbehaltlich der Mittelzusage) und die kostenlose Teilnahme am semesterbegleitenden Seminarprogramm der GFPS Polska. Alle StipendiatInnen werden in den angebotenen Städten nach Möglichkeit persönlich durch einheimische Studierende (sog. GFPS-Stadtgruppen) betreut, die bei der Vermittlung einer Unterkunft, der Einschreibung an der Hochschule, der Integration in den Universitätsbetrieb und in Alltagsangelegenheiten helfen.

Vorausgesetzt werden:

Interesse an der Kultur und Gesellschaft Polens Bereitschaft zur aktiven Teilnahme an zwei stipendienbegleitenden Treffen gute bis sehr gute Studienleistungen Immatrikulation an einer Hoch- bzw. Fachhochschule sowie deutsches Abitur bzw. Fachabitur deutsche Staatsangehörigkeit

Erwünscht sind außerdem:

erste Grundkenntnisse der polnischen Sprache gesellschaftliches Engagement

Weitere Informationen zum Stipendium, zu den Auswahlkriterien und dem Bewerbungsverfahren unter: www.gfps.org/stipendien.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: stipendien@gfps.org.

STUDIENAUFENTHALT IN POLEN

Angeboten werden Stipendien:

für das Sommersemester 2015: 01.02.2015 - 30.06.2015, an den Universitäten in Poznan/Posen, Kraków/Krakau, Warszawa/Warschau, Wroclaw/Breslau, Szczecin/Stettin, Opole/Oppeln, Torun/Thorn, Lódz/Lodsch, Katowice/Kattowitz u.a.

zur Teilnahme am regulären Lehrbetrieb innerhalb eines Studiums in der Landessprache.

Die Leistungen des Stipendiums umfassen an einer staatlichen Universität die Einschreibung in einen polnischsprachigen Studiengang, ein monatliches Stipendium in Höhe von ca. 1.450 Zloty (etwa 350 Euro, vorbehaltlichder Mittelzusage) und die kostenlose Teilnahme am semesterbegleitenden Seminarprogramm der GFPS Polska. Alle StipendiatInnen werden in den angebotenen Städten nach Möglichkeit persönlich durch einheimische Studierende (sog. GFPS-Stadtgruppen) betreut, die bei der Vermittlung einer Unterkunft, der Einschreibung an der Hochschule, der Integration in den Universitätsbetrieb und in Alltagsangelegenheiten helfen.

Vorausgesetzt werden:

gute Grundkenntnisse der polnischen Sprache Interesse an der Kultur und Gesellschaft Polens gute bis sehr gute Studienleistungen Bereitschaft zur aktiven Teilnahme an zwei stipendienbegleitenden Treffen Immatrikulation an einer Hoch- bzw. Fachhochschule sowie deutsches Abitur bzw. Fachabitur deutsche Staatsangehörigkeit

Erwünscht sind außerdem:

gesellschaftliches Engagement,

ein strukturiertes Studien- bzw. Forschungsvorhaben.

Weitere Informationen zum Stipendium, zu den Auswahlkriterien und dem Bewerbungsverfahren unter: <http://www.gfps.org/stipendien>.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: stipendien@gfps.org.

STUDIENAUFENTHALT IN TSCHECHIEN

Angeboten werden Stipendien:

für das Sommersemester 2015: 01.02.2015 - 30.06.2015, an den Universitäten in Brno/Brünn, Plzen/Pilsen, Hradec Králové/Königgrätz, Ústí nad Labem und Praha/Prag sowie anderen Universitäten, falls dem Bewerber dort bereits eine Studienplatzzusage vorliegt, zur Teilnahme am regulären Lehrbetrieb innerhalb eines Studiums in der Landessprache.

Die Leistungen des Stipendiums umfassen die Gebühren für die Einschreibung in einen tschechischsprachigen Studiengang an einer der oben genannten Universitäten, ein monatliches Stipendium in Höhe von ca.

7.000 CZK (etwa 275 Euro, vorbehaltlich der Mittelzusage) und die kostenlose Teilnahme am semesterbegleitenden Seminarprogramm der GFPS-CZ. Alle StipendiatInnen werden in den angebotenen Städten nach Möglichkeit persönlich durch einheimische Studierende (sog.

GFPS-Stadtgruppen) betreut, die bei der Vermittlung einer Unterkunft, der Einschreibung an der Hochschule, der Integration in den Universitätsbetrieb und in Alltagsangelegenheiten helfen.

Vorausgesetzt werden:

Kenntnisse der tschechischen Sprache

Interesse an der Kultur und Gesellschaft Tschechiens gute bis sehr gute Studienleistungen Bereitschaft zur aktiven Teilnahme an zwei stipendienbegleitenden Treffen Immatrikulation an einer Hoch- bzw. Fachhochschule deutsches Abitur bzw. Fachabitur sowie deutsche Staatsangehörigkeit

Erwünscht sind außerdem:

gesellschaftliches Engagement,

ein strukturiertes Studien- bzw. Forschungsvorhaben.

Weitere Informationen zum Stipendium, zu den Auswahlkriterien und dem Bewerbungsverfahren unter: <http://www.gfps.org/stipendien> Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: stipendien@gfps.org.

Mit dem Freedom Express von Danzig über Warschau, Budapest, Timisoara, Sopron, Bratislava, Prag und Berlin (29.08.-14.09.2014)

Sehr kurzfristig erreichte uns über Prof. Dr. Isabel Röskau-Rydel die Ausschreibung eines ganz besonderen Projektes, eines Zuges der Freiheit, der vom 29.08.-14.09.2014 von Danzig über Warschau, Budapest, Timisoara, Sopron, Bratislava, Prag und Berlin fahren wird. Ziel des Projektes ist "to enable a group of young people to be confronted with the 'living history' of 1989 - the places and actors of the democratic changes in Central and Eastern Europe." Die Kosten für die Reise, Verpflegung und Unterkunft werden vom European Network Remembrance and Solidarity übernommen.

Der Teilnahmeschluss ist zwar schon der 30. Juni, allerdings soll er um zwei Wochen verlängert werden.

Informationsveranstaltung zu Auslandsaufenthalten für Studierende aus den Fachbereichen 02 und 07

Mittwoch, 02.06.2014, 14:15 Uhr in Hörsaal 14

Studierende der Sozial-, Geschichts- und Kulturwissenschaften erhalten hier wertvolle erste Informationen rund um das Thema Studium und Praktika im Ausland. Die Referentin Frau Werner, Leiterin der Abteilung Internationales, steht auch gerne für erste kurze Fragen bereit.

Wir würden uns freuen, wenn Sie Studierende, die an einem Auslandsaufenthalt während ihres Studiums interessiert sind, auf diese Veranstaltung hinweisen. _______________________________________________________________

Michèle Mertens
Abteilung Internationales /International Office
Aufenthalte im außereuropäischen Ausland / Non-European Study-Abroad Programs

aussereuropa@international.uni-mainz.de
http://www.uni-mainz.de/outgoing/
http://www.facebook.com/abteilunginternationales

Im Süden Brasiliens – Leute aus dem Hunsrück

bras1Das Jahr 2013 verbrachte ich im südlichsten Bundesstaat Brasiliens: Rio Grande do Sul. Meine Universität, Universidade do Vale do Rio dos Sinos (UNISINOS), liegt in São Leopoldo.

Dort trafen 1824 die ersten deutschen Einwanderer ein - viele aus der Region des Hunsrücks. Als Ausländer fällt man im Süden nicht auf. Blonde Haare, helle Augen, helle Haut…das ist für den sogenannten Gaúcho normal.

In Rio Grande do Sul  gibt es viele deutsche, aber auch italienische, polnische und viele andere Kulturkreise; jedoch sind die italienischen und deutschen die am stärksten vertretenen.

Auf dem Land, zum Beispiel in Teutônia oder Wastfália, fühlt man sich wie in deutschen Dörfern. Es gibt sogar Fachwerkhäuser!

bras2Wenn die Menschen hören, dass man aus Deutschland ist, fangen sie an, den sogenannten „Dialeto“ zu sprechen. Als ich diesen „Dialeto“ erstmals hörte, viel ich aus allen Wolken. Die Menschen sprechen den original hunsrücker Dialekt. Das Deutsch wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Natürlich sind einige Begriffe aus dem Portugiesischen dazugekommen. Begriffe, die es zu der Zeit der Einwandere noch nicht gab, zum Beispiel Telefon oder Fernseher.

Wobei die deutschen Orte noch einmal aufgeteilt werden. Es gibt Orte mit hunsrückischen Einwanderern (z.B. Teutônia) und mit Einwanderern aus der Region von Pommern (z.B. Westfália). In Westfália wird ein anderer Dialekt gesprochen als in Teutônia: das „Platt“.

Eine sehr deutschaussehende Stadt ist Gramado. Wenn man diese Stadt besucht fühlt man sich wie in Deutschland:

bras3 bras4Es ist einfach erstaunlich, wie sich die deutsche, aber auch die italienische Kultur bis heute in den  Städten und Dörfern um Porto Alegre erhalten hat.

bras5

Katharina Both

Clermont-Ferrand: Im Herzen von Frankreich studieren

Allein durch seine Lage gehört Frankreich sicherlich zu den klassischen Zielländern für deutsche Erasmus-Studenten. Ich bin trotz einer verspäteten Planung in der relativ kleinen, mittelalterlich geprägten Stadt Clermont-Ferrand in der Auvergne untergekommen. Dort befindet man sich in einer wunderschönen, grünen Vulkanlandschaft, die die meisten vom „Volvic“-Wasser kennen werden, welches aus der Region kommt (übrigens ebenso die Michelin-Reifen).

Tour zum Puy de Dôme

Tour durch die "Volvic"-Vulkane

Clermont-Ferrand scheint etwas abseits vom restlichen Frankreich: Es gibt in der Nähe keine weiteren großen Städte und die Auvergne als Region ist im Allgemeinen kein bekanntes Touristenzielist, weswegen die meisten die Gegen überhaupt nicht kennen. Einige meiner Bekannten und Kommillitonen kannten die Stadt noch aus ihrem Französischbuch, konnten sie aber nicht einmal mehr geographisch verorten. Allerdings bietet die Stadt sehr gute Möglichkeiten, sich in der umliegenden Natur zu bewegen: Zum Beispiel kann man den nahe gelegenen Puy de Dôme (1400m) erklimmen und sich eventuell direkt im Anschluss im Paragliding betätigen.

Sicht auf den Puy de Dôme von der Kathedrale

Sicht auf den Puy de Dôme

Ich hatte vor meinem Erasmus-Aufenthalt bereits einmal ein Jahr in der Nähe von Paris gewohnt und bin froh, in eine kleinere Stadt gekommen zu sein. Immerhin lernt man hier eher das „wahre Frankreich“ kennen, abseits von Massentourismus und Verkitschung. Diese Vorerfahrung hat mich auch darin bestärkt, nicht den Weg so vieler Erasmus-Studenten zu gehen und nur mit meinen Landsleuten und anderen Erasmus-Studenten das ganze Semester zu feiern, sondern den Aufenthalt einmal bewusst zu nutzen, eher Kontakte zu Einheimischen zu unterhalten und Frankreich aus anderer Perspektive kennen zu lernen. Es bot auch die Möglichkeit, in mir ebenso wenig bekannte nahe gelegene Städte zu fahren, zum Beispiel Limoges oder Bourges, aber auch Lyon als einzige wirkliche Großstadt in der Nähe.

Als ich am Ende des Semesters mit anderen Erasmus-Studenten sprach, habe ich mich bestätigt gefühlt, als viele sich über keine oder nur geringfügige Verbesserung ihres Französisch beklagt haben oder über die Schwierigkeiten, Menschen aus Frankreich kennen zu lernen. Dabei muss man direkt am Anfang (jedenfalls habe ich es so erlebt) eine Entscheidung treffen: ein Party-Semester oder ein echter Auslandsaufenthalt.

Barbara Bosold

Freie Restplätze: ERASMUS im Studienjahr 2014/15

Das Historische Seminar bietet  Nachrückerplätze im ERASMUS-Programm für das kommende Studienjahr an. Wenn Sie ein oder zwei Semester im Ausland studieren wollen, melden Sie sich bitte rasch bei Dr. Pia Nordblom (nordblom@uni-mainz.de, Tel. +49 6131 39-26228).

AKTUALISIERUNG (25.03.2014)

Das Bewerbungsverfahren für einen ERASMUS-Aufenthalt im akademischen Jahr 2014/15 ist abgeschlossen. Nachrücker können nicht mehr berücksichtigt werden. Bewerbungstermin für das Studienjahr 2015/16: Montag, 1. Dezember 2014.

Veröffentlicht am | Veröffentlicht in Allgemein

Turku – Stadt der Möglichkeiten

Was haben ein Kreuzfahrtschiff, Lenin und Paavo Nurmi gemeinsam? Ganz einfach: Wer sich geschickt anstellt, der erhascht in Turku einen Blick auf alle drei. Dort werden nämlich nicht nur riesige Vergnügungskreuzer gebaut, die später alle Weltmeere befahren und den mit fruchtigen Cocktails befüllten Passagieren im Rentenalter eine Mordsgaudi bieten. Auch Wladimir Iljitsch Lenin ist dort eine Statue gewidmet, die die Finnen von der Sowjetunion während des Kalten Krieges für Ihre Treue als Handelspartner geschenkt bekamen. Über diese Auszeichnung haben sich die Finnen so sehr gefreut, dass sie die Statue in der fünftgrößten Stadt Finnlands zwischen einigen sehr hochgewachsenen und sichtbehindernden Hecken aufstellten, die scheinbar nie jemand schnitt. Da es sich jetzt allerdings um eine der letzten Lenindenkmale außerhalb Russlands handelt, werden die Büsche wieder regelmäßig getrimmt. Zudem  ist dem finnischen Langläufer Paavo Nurmi eine Statue östlich des Aurajoki gewidmet. Der joggte das kleine Völkchen und deren junge Nation nach dem Ersten Weltkrieg regelrecht in das Bewusstsein der Welt, indem er zwischen 1920 und 1928 acht olympische Goldmedaillen gewann.

Aurajoki mit Kathedrale von Turku im Hintergrund
Aurajoki mit Kathedrale von Turku im Hintergrund

Das alles sind Dinge, die ich vor meinem Erasmusaufenthalt in Turku von August 2012 bis Mai 2013 nicht wusste. Es sind jedoch Dinge, die mich bis ans Ende meines Lebens begleiten werden, genauso wie meine dort entwickelte, seltsame Vorliebe für salzige Lakritze und Kartoffelaufläufe und viele andere wunderbare Erfahrungen. Doch warum schreibe ich diesen Blogeintrag, wo ich doch schon längst wieder im (verhältnismäßig) warmen und dichtbesiedelten Deutschland angekommen bin? Weil ich möchte, dass möglichst viele andere auch ihre Möglichkeit wahrnehmen, ein ähnliches Abenteuer wie ich zu erleben. Damit das ganze für euch reibungslos über die Bühne geht, hier fünf essenzielle Tipps:

  1. Bewerbt euch rechtzeitig um eine Wohnung. Das Turun Ylioppilaskyläsäätiö (sowas wie das Studierendenwerk) bietet zahlreiche Wohnungen an. Ich habe im Student Village gewohnt, das sich direkt neben der Uni befindet und von dem man munkelt, dass in den Gemeinschaftsküchen ab und an - verbotenerweise – Partys stattfinden, bei denen das ein oder andere schale Finnische Bier getrunken wird. Für Spätbewerber gibt es auch noch Wohnungen, die sind allerdings eher mit dem Adjektiv ‚ländlich‘ zu charakterisieren. Das bedeutet in Finnland mitten in der Pampa.
  2. Macht euch nicht zu viele Sorgen um euer Learning Agreement. Das lässt sich auch vor Ort noch ändern. Die Uni Turku bietet für Austauschstudierende zahlreiche Kurse in englischer Sprache und zu allen möglichen Themen an. Der vielbeschworene ‚Blick über den Tellerrand‘ ist Teil jedes Erasmusaufenthalts und kann in Turku nicht nur in den hervorragenden Mensen, sondern auch akademisch verwirklicht werden. Ernsthaft, das Essen der Mainzer Zentralmensa sieht dagegen aus wie Hundefutter.
  3. Geht auf Reisen. Die Jungs und Mädels vom Erasmus Student Network organisieren alle möglichen Trips zu günstigen Preisen. Ob Lappland (da wohnt der Weihnachtsmann!), Russland (da sind die Städte riesig!), Schweden (da gibt es mehr zu sehen als im heimischen Ikea!) oder Estland (da ist der Alkohol bill… ähm, Tallinn hat eine wunderbare mittelalterliche Altstadt!), alles eine Reise wert.
  4. Zieht euch warm an. Das ist wörtlich gemeint. Im Januar sind teilweise -25 Grad.
  5. Fragt nach. Ein finnisches Sprichwort sagt:  „Ei kysyvä tieltä eksy. - Wer fragt, verirrt sich nicht.“ Das gilt nicht nur in Finnland selbst, wo fast alle Leute gutes Englisch sprechen. Auch die Fachkoordinatoren und die International Offices der Uni Mainz und Turku sind sehr kompetent und helfen meist unkompliziert weiter.
Gefrohrene Ostsee bei der Überfahrt nach Tallinn
Gefrohrene Ostsee bei der Überfahrt nach Tallinn

Jetzt bleibt mir eigentlich nur noch zu hoffen, dass IHR euch für Turku entscheidet. Ich hatte dort eine tolle Zeit und habe viele neue und interessante Leute getroffen. Es gibt viel zu entdecken und zu erleben. Auch wenn das jetzt etwas kitschig klingt, aber ich habe mich eigentlich nie wohler gefühlt als in Turku. Gebt den Finnen eine Chance, sie werden euch garantiert nicht enttäuschen! In diesem Sinne:

Viel Erfolg beim bewerben und Moi Moi,

Maximilian Franz

 

Veröffentlicht am | Veröffentlicht in Turku

Als Fußgänger unterwegs in Wien

Montagvormittag in der Nähe einer größeren Straße. Berufsverkehr. Das Ziel: Straßenüberquerung. Zur Verfügung stehende Hilfsmittel: „Zebrastreifen“ – oder korrekt: „Fußgängerüberweg“. Der Begriff ist ein Witz. Das jedenfalls lehrt uns die Erfahrung. Denn es gibt wohl keinen sichereren Weg, eine Straße nicht zu überqueren, als an einem „Fußgängerüberweg“ darauf zu warten, dass sich hinreichend viele der unzähligen „Kraftfahrzeuglenker“ gleichzeitig dazu entschließen einem die Gnade des sicheren Übertritts zu gewähren. „Fußgängerüberweg“ – ein Begriff voll konzentrierten Autofahrer-Zynismus. Jedenfalls in Deutschland.

Umso überraschter war ich, als ich in Wien das erste Mal an einen „Fußgängerüberweg“ herantrat. Fort war sogleich aller Zynismus, der diesem Begriff für mich inne wohnte. Denn links wie rechts von mir bremsten die Karossen schon meterweit vor dem Überweg sachte (!!!) ab. Ein sicheres Passieren war so ohne Probleme möglich. Und inzwischen bin ich zu der Ansicht gelangt, dass Fußgängern hierzulande ein privilegierter, ein geschützter Status zukommt. Wahrscheinlich würden sogar die U-Bahnen vor Fußgängern halt machen. Empirische Pionierleistungen auf diesem Forschungsgebiet überlasse ich aber gerne anderen.

Ist Wien also ein Paradies für Fußgänger?  – Fast! Denn ein Feind stellt sich dem Fußgänger weiterhin, tagein, tagaus tapfer entgegen. Und das gleich massenhaft. Die Rede ist natürlich von anderen Fußgängern. Es scheint fast so, als sei ihnen die zuvorkommende Behandlung durch die anderen Verkehrsteilnehmer zu Kopf gestiegen. Wie kleine Louis oder besser: Leopolds schreiten die Wiener per pedes durch die Straßen ihrer Stadt. Rücksicht und Vorsicht wird vermieden wo es geht. Als nicht-Einheimischer hat man alle Hände – bzw. Füße – voll zu tun, all den beweglichen Hindernissen ausweichen. Man will ja schließlich niemanden anrempeln. Den Wiener stört das hingegen nur wenig. Wenn es tatsächlich einmal zur Kollision kommt, lässt er eben ein lakonisches „'Tschuldigung“ verlauten. Damit ist die Sache für ihn gegessen. Für den auswärtigen Gegenüber – in der Landessprache ein „G'scherter“ – jedoch nicht. Denn ein echter Wiener schafft es eine Entschuldigung genau so zu intonieren, dass beim um Entschuldigung „gebetenen“ Schuldgefühle erwachsen.

Zugegeben: Ich übertreibe ein wenig. Ich würde auch in Wien nicht blind über einen Zebrastreifen gehen und ich muss auch nicht jedem Fußgänger ausweichen (die Touristen ;)). Aber so ganz frei erfunden ist meine kleine schwarz-weiß-Malerei auch nicht. Denn es lassen sich – jedenfalls in meiner Wahrnehmung – sehr wohl „feine Unterschiede“ festmachen.

 

Florian Stabel

Veröffentlicht am | Veröffentlicht in Wien

Wien und die Geschichte

Was erwartet einen angehenden Historiker, der sich aufmacht, sein Studium für eine Weile in Wien fortzusetzen, so an Geschichte in der österreichischen Bundeshauptstadt?

Zunächst einmal ist da natürlich die universitäre Sphäre. An der Universität Wien sind gleich mehrere historische Institute untergebracht. Neben dem umfassendsten und größten, dem „Institut für Geschichte“, sind das etwa das „Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte“, das „Institut für Osteuropäische Geschichte“ und das allerdings nur teilweise zur Uni gehörige „Institut für Österreichische Geschichtsforschung“. Diese institutionelle Bandbreite schlägt sich selbstverständlich auch auf die Breite des Studien- und Lehrangebotes nieder. So bietet die Uni Wien neben einheitlichen B.A.- und Lehramtsstudiengang insgesamt neun Masterstudiengänge, die z.T. auch interdisziplinär angelegt sind. Neben dem wahlweise auch epochal spezialisierten „Master Geschichte“ sind das etwa die Master „Frauen- und Geschlechtergeschichte“, „Wirtschafts- und Sozialgeschichte“, „Historisch-Kulturwissenschaftliche Europaforschung“ und „Geschichtsforschung, Historische Hilfswissenschaften, Archivwissenschaft“.

Für Austauschstudierende sind diese verschiedenen Studiengänge an sich natürlich nur von geringer Bedeutung. Man ist ja nur für eine sehr begrenzte Zeit da. Der Vorteil, den man aber hat, ist derjenige, dass man quer zu den Trennlinien dieser ganzen Studiengänge die zugehörigen Lehrveranstaltungen nach Belieben belegen und so den eigenen Interessen auch einmal abseits dessen, was üblicherweise an der Heimatuni angeboten wird, nachgehen kann oder auch vielleicht ganz neue Interessenfelder für sich entdeckt.

Hat man dann erst einmal eine Wahl getroffen, ist man auch ganz schnell drin im Studi-Alltag. Der gestaltet sich nun nicht grundlegend anders als in Mainz auch. Mal abgesehen davon, dass man selbst in der Uni (trotz z.T. großen Bemühens) kaum Hochdeutsch zu hören bekommt (dafür muss man schon ins Theater), möchte ich hier drei Aspekte erwähnen: Erstens wird in den Lehrveranstaltungen selbst ein recht hohes Lesepensum verlangt. Zudem sind oftmals auch noch kleinere schriftliche Aufgaben und Zusammenfassungen anzufertigen. Zweitens sind die Wiener Studis ziemlich diskussionsfreudig, selbst in größeren Lehrveranstaltungen. Beides sind natürlich Beobachtungen, die sich auf die paar von mir besuchten, (gemessen am Gesamtangebot) wenigen LVs beziehen und somit nur schwer Anspruch auf allgemeine Gültigkeit erheben können. Was ich aber so im Austausch mit anderen Austauschstudierenden erfahren habe, zielte alles in eine ähnliche Richtung.

Drittens und letztens wäre dann noch die technische Ausstattung ganz allgemein zu erwähnen. Und an dieser Stelle kriegt der Mainzer doch ein bisschen Heimweh, denn die Bedingungen in Mainz sind doch ein bisschen studierfreundlicher. Nur so viel: Der Selbstverbuchungsautomat (ich habe bislang nur einen einzigen entdeckt) in der Lehrbuchsammlung ist nicht von allzu geringem historischen Wert. Und so sind es lauter kleine Details, die den Studienalltag in der Summe doch etwas anders aussehen lassen, als in der Heimat.

Hinzu treten natürlich auch ganz andere Rahmenbedingungen, die die Stadt bietet. Wien ist nun einmal nicht Mainz. Und damit wäre ich auch bei meinem zweiten Punkt: Die Stadt und die Geschichte (außerhalb der Uni).

Zu aller erst denkt man hier an natürlich an die Habsburger, die hier schier ewige Zeiten residierten. Dieser große historische Zeitraum schrumpft jedoch im Alltagsbewusstsein der Wiener ganz schnell, ganz weit zusammen. Übrig bleiben dann noch der allgegenwärtige Franz Joseph (ja, Sissi natürlich auch ein bisschen...) und die von den Leuten längst zur „österreichischen Kaiserin“ verklärte Maria Theresia. Im Stadtbild präsent hingegen ist v.a. der Erstgenannte. Unter seiner Regie entstand quasi auf den Fundamenten der alten „Festung Wien“ (heutiger erster Bezirk) die große Wiener Prachtstraße, der „Ring“, an der die meisten der berühmtesten Sehenswürdigkeiten liegen: Staatsoper, Neue Hofburg und Heldenplatz, Parlament, Natur- und Kunsthistorisches Museum, Burgtheater, Rathaus; jedes einzelne dieser Gebäude im Stile der Zeit errichtet und das heißt: in historistischem Baustil. Programmatisch versuchte man hier jeweils die Architektur jener Epoche nachzuahmen, in der das jeweilige Gebäude in funktioneller Hinsicht seine Glanzzeit gehabt hätte. Das (völlig unpassende) „griechische“ Parlament ist hierbei wohl das einleuchtendste Beispiel.

Auch das Hauptgebäude der Universität (dort wo auch die meisten historischen Institute untergebracht sind) gehört zu diesen Prachtbauten am Ring. Die architektonische Ausstattung ist entsprechend, so dass insbesondere die ersten Uni-Besuche zu großen Highlights werden. Prachtvolle Stiegen, Großer Festsaal mit Deckengemälden von Gustav Klimt, Großer Lesesaal, Arkadenhof. Alles schon ein bisschen anders als im heimischen Philosophicum.

An dieser stelle drängt sich mir die Frage auf, was denn diesen neoabsolutistischen Prunk so reizvoll macht. Warum pilgern all die Touristen gerade dorthin? Was nimmt sie, was nimmt mich, was nimmt uns so für dieses Überdimensionierte, das Imperiale ein? Ist es der bloße Respekt für die architektonischen Leistungen? Die Bewunderung von Größe? Der Fakt des Außergewöhnlichen? Sind es ästhetische Gründe? Oder vielleicht doch einfach nur die Tatsache, dass dies eben die Dinge „sind“, die man „mal gesehen haben muss“...

Viel unscheinbarer und weit davon entfernt Touristenmagnet zu sein, hat sich eine andere historische Epoche ins Stadtbild eingebrannt: das „Rote Wien“, womit man im engeren Sinne die Phase sozialdemokratischer Alleinregierung in der Stadt zwischen 1918 und 1934 bezeichnet. In dieser Phase entstanden zahlreiche soziale Wohnungsbauten, wie etwa der Karl-Marx-Hof oder der Rabenhof, die bis heute das Stadtbild v.a. in den westlichen Bezirken mit prägen. Und auch nach 1945 erlebte der soziale Wohnungsbau in Wien unter sozialdemokratischer Federführung wieder einen Aufschwung. Wer offenen Auges durch die Stadt geht, erkennt die städtischen Bauten an den nicht gerade versteckt angebrachten Hinweisen.

Damit sind wir aber auch schon bei der aus deutscher Sicht spannendsten oder, je nach Perspektive auch langweiligsten, Periode österreichischer Geschichte. Ich möchte hier gar nichts groß inhaltlich dazu schreiben. Ich erwähne diese Periode v.a. deshalb, weil sich in Bezug auf diese für mich sehr deutlich feststellen ließ und lässt, dass ich doch – trotz all der Gemeinsamkeiten – in einem anderen Land bin. Für die gleiche historische Periode sind hier einfach ganz andere Daten wichtig, andere Erzählungen, andere Orte relevant. Das ist zwar alles in der Theorie völlig klar, aber als Erfahrung in der Praxis doch noch einmal viel eindrücklicher. Und nicht zuletzt um diese Eindrücke geht es ja gerade bei einem Auslandssemester. Die Theorie findet sich auch daheim, im schmucklos-praktischen Philosophicum, in der Seminarbibliothek.

Grüße dahin 😉
Florian Stabel

Veröffentlicht am | Veröffentlicht in Wien