Auf nach Krakau! Ein Erasmus-Aufenthalt an der Uniwersytet Jagielloński w Krakowie

Polen? Warum gerade Polen? Wenn Ihr Euch für dieses Land entscheiden solltet, bereitet besser eine gute Antwort auf die Frage vor. Denn mein "Warum“ musste ich in diesem Jahr wirklich sehr oft erklären. Glücklicherweise gibt es einen Haufen von Gründen, die dafür sprechen, ein Semester in Polen zu verbringen. Ein paar davon, gerade für Krakau, möchte ich Euch in diesem Einblick in mein Erasmus-Semester im SoSe 2022 mitgeben.

Europa-Stimmung vor den Krakauer Tuchhallen

Voraussetzungen und Bewerbung

Eins vorneweg: Der Bewerbungs- und Anmeldeprozess mag überfordernd wirken. Aber im Endeffekt ist alles mit etwas Selbstorganisation sehr gut händelbar und im Vergleich zu der Auslandserfahrung echt ein sehr geringer Preis. Habt einfach die verschiedenen Fristen und To-Do's im Blick (auch während und nach dem Aufenthalt!) und fragt im Zweifel im Erasmus-Büro der JGU oder bei Eurem Koordinator im Fachbereich nach, dann geht nix schief

Um in Krakau studieren zu können, müsst ihr keine Vorkenntnisse in Polnisch mitbringen. B2-Niveau in Englisch wird aber vorausgesetzt. Damit könnt Ihr aus einem breiten Kursangebot auf Englisch wählen und werdet hauptsächlich mit anderen internationalen Studis lernen. Ich würde auf jeden Fall dazu raten, im Semester einen Sprachkurs zu belegen. Auch kann man schon im Vorfeld gut mit Sprachapps üben. Falls Euer Polnisch gut genug ist, könnt Ihr auch Kurse auf Polnisch wählen. In Absprache mit Euren Koordinatoren in Krakau und Mainz könnt Ihr auch fachfremde Veranstaltungen besuchen. Eine coole Möglichkeit, auch mal in ganz andere Bereiche zu gucken.

Bedenkt, dass das Sommersemester in Polen bereits im Februar beginnt. Auf der Website der Uni könnt Ihr auch die examination periods und holidays einsehen. Bei mir waren alle Prüfungen zu Beginn der Klausurenphase Mitte Juni bereits geschrieben.

Marienkirche und Hauptmarkt

Organisation

In Polen wird mit Złoty gezahlt. Bargeld abheben kann teuer werden, aber allermeist kann man auch mit Karte oder digital zahlen. Erkundigt Euch am besten bei Eurer Bank, wie hoch die Transaktionsgebühren sind. Etwas Bargeld sollte man aber auch immer dabei haben.

Über Facebook könnt Ihr Euch schon vor Eurer Anreise mit anderen Studis vernetzen. Folgt am besten auch dem ESN Krakau (Erasmus Student Network) bei Instagram. Dort erfahrt Ihr z.B. alles zur Orientierungswoche. Polnische Studentinnen und Studenten engagieren sich ehrenamtlich im ESN, um Euch das ganze Semester über coole Veranstaltungen wie Ausflüge, Partys und eben die O-Woche bieten zu können.

Wohnen müsst Ihr natürlich auch irgendwo. Ich habe gute Erfahrungen mit "Pepe Housing" gemacht. Auf dem Portal werden WG-Zimmer von verschiedenen Vermietern angeboten. Wenn Ihr Euch für ein Zimmer interessiert, stellt das Portal den Kontakt zum Vermieter her. Pepe Housing ist Partner vom ESN und bietet definitiv mehr Sicherheit vor Betrug als die Suche ganz ohne Vermittler, so zumindest meine Erfahrung. Ihr könnt Euch aber auch auf Plätze in den Wohnheimen der Uni bewerben. In der Regel teilt man sich hier allerdings zu zweit einen Raum. Soweit ich weiß werden auch keine Kühlschränke und Kochutensilien gestellt – das wird aber auch transparent so beschrieben.

Mit Eurer europäischen Krankenversicherungskarte könnt Ihr auch in Polen zum Arzt oder ins Krankenhaus gehen. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung holen, z.B. für einen möglichen Krankentransport nach Deutschland. Bei Krankheit oder im Notfall solltet Ihr aber darauf achten, dass Ihr in eine Vertragspraxis des Nationalen Gesundheitsfonds (Narodowy Fundusz Zdrowia – NFZ) geht. Sonst müsst Ihr selber zahlen.

Wenn Ihr nicht per Flugzeug anreisen möchtet, könnt Ihr von zusätzlichen EU-Geldern für eine „grüne“ Anreise profitieren. Vom Berliner HBF geht z.B. jeden Tag ein Direktzug gegen 11 Uhr nach Kraków Główny (dem Hauptbahnhof). Der liegt auch sehr zentral am Altstadtring.

Blick auf den Wawel

Leben in Krakau

Nur zur eingangs erwähnten Frage: Warum Polen? Warum Krakau?

Krakau ist gerade für geschichtsinteressierte Menschen ein toller Ort. Lange Zeit war Krakau Polens Hauptstadt. Hier steht der Wawel, die alte Königsresidenz und Grablege vieler polnischer Könige. Zusammen mit der Altstadt gehört er zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg kaum beschädigt, ist meiner Meinung nach wunderschön und hat eine einzigartige Atmosphäre (leider auch im Negativen: Krakau rangiert in der europäischen Liga der luftverschmutzten Städte noch immer weit oben). Es gibt einen Haufen spannender Museen hier, die staatlichen sind Dienstags sogar für alle kostenlos. Die bewegte polnische Geschichte wird hier richtig spürbar: vom mittelalterlichen Krakau über die Zeit als Teil des Habsburger Reichs, den Zweiten Weltkrieg unter deutscher Besatzung, bis zur Revolution in den späten 80ern. In Krakaus Stadtteil Podgórze steht die ehemalige Emaillewarenfabrik von Oskar Schindler und zur Gedenkstätte Auschwitz ist es nicht weit. Auch der Stadtteil Kazimierz mit seinem jüdischen Viertel ist unbedingt einen Besuch wert. Und es gibt noch so viel mehr zu entdecken! Man kommt übrigens per Bus und Straßenbahn überall unkompliziert und günstig hin. Der ÖPNV ist so billig, dass sich für mich nicht mal ein Monatsticket gelohnt hat (man zahlt als Studi etwa 50 Cent für 20 Minuten Fahrt und kommt damit schon recht weit). Ähnlich wie im "DB-Navigator" kann man mit der App "Jakdojade" die richtige Verbindung suchen und sogar direkt per Prepaid-Wallet in der App bezahlen.

Krakau ist eine offene und junge Großstadt mit einem sehr aktiven Nachtleben. Es gibt unzählige Bars und Kneipen, oft mit Livemusik. Die Preise sind im Vergleich zu Deutschland sehr angenehm.  Gerade in Kazimierz steppt der Bär, hier kann man sich auch nachts noch Zapiekanki holen, typisch polnisches Streetfood. Aber aufgepasst: in Polen darf man auf der Straße keinen Alkohol trinken!

In Krakau ist eigentlich immer was los. Gerade die nationalen Feiertage und die traditionellen Feste sollte man nicht verpassen, daher hier noch eine Liste ausgewählter Termine im SoSe:

  • Feierlichkeiten an und um Ostern
  • Nationaler Flaggentag am 2. Mai
  • Tag der Verfassung des 3. Mai
  • Juwenalia: Studentenfestival im Mai mit vielen Konzerten
  • “Lajkonik”-Marsch nach Fronleichnam
  • Jewish Culture Festival im Juni
  • Drachenfest mit Parade im Juni

Um Krakau herum gibt es natürlich auch eine Menge zu sehen. Zum Beispiel ist es nicht weit zu den Salzminen von Wieliczka. Und wer Natur sucht, ist fix im Tatra-Gebirge südlich von Krakau. Fernzüge sind in Polen für Studis glücklicherweise viel billiger als in Deutschland und man kommt auch schnell voran. Der Weg nach Warschau und Breslau z.B. lohnt sich schon für ein Wochenende (Hinweis: auf den Bahntickets werdet Ihr keine Gleisnummer finden, dazu müsst Ihr direkt im Bahnhof auf die Anzeigen gucken. Außerdem reserviert man immer automatisch und kostenlos einen Sitzplatz dazu).

Drachenparade an der Weichsel
Wandern in der polnischen Tatra
Jüdische Restaurants in Kazimierz
Die berühmte "Schindler-Fabrik"

Studieren in Krakau

Erasmus heißt natürlich auch: studieren! Ihr müsst mindestens 15 Credits einsammeln, mehr geht natürlich auch. Mir hat das Studium in Krakau super viel Spaß gemacht. Es ist sehr erfrischend, geschichtliche Themen mal aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten. Auch hatte ich mehrere Kurse mit field trips in die nähere Umgebung, z. B. zum ehemaligen Konzentrationslager Płaszów oder zur sowjetischen Planstadt Nowa Huta. Meine Dozentinnen und Dozenten waren allesamt fair, freundlich und kompetent. Nur das Anmeldeportal ist etwas tricky zu bedienen, ich würde mir früh genug einen Überblick verschaffen, damit man am Ende auch die Kurse bekommt, die man gerne hätte. Hier auch noch einmal der Tipp, einen Sprachkurs an der Uni zu machen. Der kostet zwar leider Geld, aber es lohnt sich meiner Meinung nach auf jeden Fall! Genauso wie der generelle Austausch und Kontakt mit jungen Polinnen und Polen sehr bereichernd ist. Als Historikerin oder Historiker hat man übrigens das Glück, in den ältesten Gebäuden der Uni zu studieren, mitten in der Altstadt. Mal eine schöne Abwechslung zum Mainzer Campus 😉 Also: Auf nach Krakau, ich kann Stadt, Uni und Land nur empfehlen!

Im Collegium Novum kommt etwas Hogwarts-Feeling auf

Hier noch ein paar nützliche Links:

Veröffentlicht am | Veröffentlicht in Krakau

ERASMUS-Infoabend des Historischen Seminars – 24. November

Neue Erfahrungen im Ausland sammeln, Ihre Sprachkenntnisse erweitern oder Ihr Studienfach aus einer anderen Perspektive kennenlernen – es gibt viele Gründe für einen Auslandsaufenthalt im Rahmen des ERASMUS-Programms der Europäischen Union. Das Historische Seminar der JGU unterhält über 50 Erasmus-Partnerschaften und bietet Ihnen zahlreiche Möglichkeiten, ein Semester oder ein ganzes Jahr im europäischen Ausland zu studieren.

Für den Fall, dass Sie eine Bewerbung für das Studienjahr 2023/24 in Betracht ziehen oder auch einfach nur neugierig sind, machen wir Sie auf folgende Veranstaltung aufmerksam:

ERASMUS-Infoabend des Historischen Seminars
Donnerstag, 24. November 2022, 18:00 Uhr s.t.
P7 (Philosophicum)

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Bei Fragen zum Thema Erasmus & Auslandsaufenthalte wenden Sie sich bitte an Dr. Matthias Gemählich (mgemaehl@uni-mainz.de). Weiterführende Informationen zum ERASMUS-Programm finden Sie hier: https://www.geschichte.uni-mainz.de/international/studierendenmobilitaet/auslandsaufenthalte-mit-erasmus/.

Herzliche Grüße

Matthias Gemählich

Erasmus-Aufenthalt im dritten Semester an der Alma Mater Studiorum: Università di Bologna

Längere Zeit in Italien leben, ein drittes Universitäts-System kennenlernen und eine weitere Sprache vertiefen -  das war schon lange mein Traum gewesen, der im Wintersemester 2021/22 wahrgeworden ist. Dank der engen Kooperation zwischen Mainz und Dijon ist es möglich, in den deutsch-französischen Masterstudiengängen einen integrierten Drittlandsaufenthalt in Italien zu absolvieren. Der Aufenthalt an der Universität von Bologna (die übrigens mit ihrer Gründung im Jahr 1088 die älteste Universität der westliche Welt ist und als die Beste Italiens gilt)  wird von Erasmus-Mitteln der Universität Mainz gefördert. Die in Bologna belegten Kurse werden von der Université de Bourgogne angerechnet. Im Folgenden möchte ich über meine persönlichen Erfahrungen berichten, die für Interessierte an der Drittlandsoption Italien und für diejenigen, die sich dafür entschieden haben, hilfreich sein könnten.

Voraussetzungen und Sprachkenntnisse

Für die Drittlandsoption Italien sind gute Italienischkenntnisse erwünscht. Allerdings gibt es mittlerweile in Geschichte die Möglichkeit, Kurse der Spezialisierung „Global Cultures“ zu wählen. Hierbei können Studierende aus einem breiten englischsprachigen Studienangebot wählen, so dass ein Aufenthalt auch ohne gute Italienischkenntnisse möglich wäre. Ich selbst habe zwei italienische und einen englischsprachigen Kurs absolviert. Auch andere Studiengänge (wie englische Literaturwissenschaft) können vollständig auf Englisch studiert werden. Innerhalb Bolognas finden sich Studierende aufgrund der international ausgerichteten Universität und der vielen internationalen Angebote ohne Probleme auf Englisch zurecht. Ab einem A2-Niveau (ca. zwei Semester Italienisch an der Uni Mainz) werden am Centro di Ateneo kostenlose Italienischkurse angeboten, die in Dijon im Spezialisierungsmodul angerechnet werden können. Im vierten Semester wird in Dijon ein weiterer Italienischkurs (auf L1, L2 oder L3-Niveau, je nach Stundenplan und persönlichen Sprachkenntnissen) angeboten, um das Modul abzuschließen. Allerdings muss der Sprachkurs nicht absolviert werden und kann durch einen weiteren inhaltlichen Kurs (einen in Bologna und einen in Dijon) ersetzt werden.

Organisatorischer Ablauf

Wie weiter oben bereits erwähnt, wird das Semester durch Erasmus gefördert. Eine finanzielle Förderung durch die Deutsch-Französische Hochschule ist in diesem Zeitraum nicht möglich. Wer an der Drittlandsoption interessiert ist, sollte dies bereits in der Bewerbung angeben oder spätestens beim ersten Treffen mit dem Dijonbüro ansprechen, damit die Planungen frühzeitig beginnen können. Die Ansprechperson hierfür ist momentan Alice Ferraris.

Das Studium ist sehr gut organisiert und es gibt viel Hilfestellung bei der Kurswahl und bei den Erasmus-Vorbereitungen. Der größte Teil des organisatorischen Aufwandes (welche Kurse/Module müssen belegt werden, wie läuft das mit Erasmus, etc.) wird vom Dijonbüro im Laufe des ersten Studienjahres organisiert, unterstützt und begleitet. Im Mai erfolgt die Online-Einschreibung an der Université de Bourgogne, auch wenn man im dritten Mastersemester nicht nach Dijon geht. Um die offizielle Einschreibung kümmert sich Frau Genty im August und im September. Hierfür schicken die Studierenden mit Drittlandsoption ihre Dokumente im August per Post an das Bureau de Mayence.

Im Juli werden die Kurse für das folgende Semester veröffentlicht und diejenigen, die an der  Drittlandsoption interessiert sind, können sich bereits ein Bild darüber machen, welche Kurse interessant sein könnten.  In Italien werden jedes Jahr ähnliche oder die gleichen Kurse angeboten, so dass man sich auch jetzt schon informieren kann, welche Kurse es gibt und was einen interessieren könnte. Mit einer großen Wahrscheinlichkeit werden diese Kurse auch im nächsten Semester angeboten. Von der Université de Bourgogne wurde mir ein Geschichtskurs für das Modul „Interkulturalität und Interdisziplinarität“ vorgegeben und ich habe einen Italienischkurs belegt. Zwei Geschichtskurse durfte ich mir selber aussuchen, was mit Frau Ferraris und Frau Marchenoir in Dijon abgesprochen wurde. Daraufhin wird ein persönlicher Studienplan erstellt, der anzeigt, welcher Kurs in Bologna welchen Kurs in Dijon ersetzt.

Das Erasmus-Stipendium wird von der Universität Mainz ausgezahlt, weshalb die Organisation über das Dijonbüro, das International Office und, in meinem Fall, das Historische Seminar läuft. Auch hierbei wurde ich bei der bei der Organisation unterstützt und alle wichtigen Fristen sind auf der Seite des International Office aufgelistet.

In Bologna angekommen, sollten sich Erasmus-Studierende zeitnah um den Check-in kümmern, der online durchgeführt wird. Die Anmeldung für den Check-In läuft über den persönlichen Uni-Account, der durch die vorherige Anmeldung an der Uni freigeschaltet wurde. Mit der offiziellen Einschreibung kann der Badge, der Studierendenausweis, an verschiedenen Stellen in der Stadt ausgedruckt werden. Außerdem konnte ich meinen Studienplan ausfüllen und mich somit für die Kurse anmelden. Grundsätzlich ist die Universität sehr gut organisiert. Alle wichtigen administrativen Schritte (auch Prüfungsanmeldungen etc.) können online durchgeführt werden und alle wichtigen Informationen rund um den Check-in, den persönlichen online-Account und Erasmus können einfach auf der Seite der Universität unter „Information for incoming students“ nachgelesen werden (s. Link auf der letzten Seite).  Außerdem wichtig: Es ist ratsam, sich so schnell wie möglich (bereits im August, nach der Einschreibung) um die Anmeldung für den Italienischkurs kümmern, da die Plätze begrenzt sind. Hier muss noch in Deutschland online ein Einstufungstest gemacht werden. Das mündliche Gespräch für die Einstufung in den richtigen Kurs findet in der ersten Vorlesungswoche statt. Der Italienischkurs beginnt etwas später, meist in der zweiten oder dritten Woche.

smart

Das Semester an der Uni Bologna beginnt Mitte/Ende September. Ähnlich wie in Frankreich gibt es eine Woche Ferien, meist in der ersten Novemberwoche. Die Vorlesungen gehen bis Weihnachten. Vor Weihnachten oder im Januar (je nach Kurs) finden die Prüfungen statt. Das Semester ist in zwei Zeiträume (periodi) eingeteilt, vor und nach den Ferien. Manche Kurse finden in beiden Zeiträumen, dafür nur ein oder zweimal pro Woche statt. In Geschichte finden die meisten Kurse entweder im September/Oktober oder im November/ Dezember statt. Dafür sind die meisten Kurse sehr intensiv; sie finden zwei oder dreimal pro Woche statt und haben einen wöchentlichen Umfang von sechs Stunden. Bei der Kurswahl sollte beachtet werden, dass es nicht sinnvoll ist, alle Kurse in den Zeitraum I zu legen oder drei Kurse im Zeitraum II zu machen. Der Italienischkurs geht von Ende September bis Anfang Dezember, also über zwei Zeiträume und findet zweimal pro Woche statt.

Des Weiteren sollte bedacht werden, dass die Masterarbeit schon im dritten Semester vorbereitet werden soll, weshalb in Bologna keine Kurse für 30CP belegt werden. Hierfür müssen sich die Studierenden frühzeitig mit den Verantwortlichen in Dijon auseinandersetzen und Kontakt mit den Dozierenden aufnehmen, die die Masterarbeit betreuen werden. Die Vorbereitung der Masterarbeit im Drittland kann zur Herausforderung werden, da es schwieriger ist, „aus der Ferne“ einen guten Kontakt zu den Dozierenden in Dijon aufzubauen und ggf. ausreichend Literatur zu finden, die für das Thema nützlich ist. Eventuell ist man aus diesem Grund etwas im Rückstand, wenn es im Januar an der Université de Bourgogne losgeht, aber das ist aufzuholen und die Betreuer sind da sehr verständnisvoll.

Der Übergang von Bologna nach Dijon ist fließend – während das Semester in Dijon bereits Mitte Januar wieder beginnt, können die Prüfungen in Bologna je nach Dozierenden und Studienfach noch Anfang oder sogar Mitte Februar stattfinden. Die Teilnahme an den Prüfungen ist online möglich, so dass dies kein Problem darstellt.

Nach der Abreise aus Bologna und der Ankunft in Dijon (In meinem Fall eine Woche nach dem offiziellem Studienstart) sollte sich umgehend um die nötigen Dokumente gekümmert werden: Learning Agreement für Dijon, Check-out in Bologna und das Weitergeben aller wichtigen Dokumente an Frau Marchenoir in Dijon für Bologna und an das International Office in Mainz – die ersten Tage sind eine administrative Herausforderung, aber dafür liegt eine tolle Zeit hinter einem!

Das italienische Uni-System

Das italienische Unisystem kann als eine Mischung zwischen dem deutschen und dem französischen System beschrieben werden.

Der Unterricht wird, ähnlich wie in Frankreich, sehr frontal gestaltet. Diskussionen zwischen Lehrenden und Studierenden finden eher weniger statt. Dafür gibt es, wie in Deutschland, eine freie Kurswahl und die Studierenden können, themenbezogen, das belegen, was sie interessiert.

Ein großer Unterschied zu beiden Ländern ist die Prüfungskultur – mündliche Prüfungen sind eher die Regel als die Ausnahme. Die Prüfungen spiegeln oft nicht das wider, was im Kurs besprochen wurde. Für eine mündliche Prüfung konnte ich mir aus einer Liste drei Bücher auswählen, die ich vorbereiten musste und über deren Inhalt ich befragt wurde. Alternativ hätte ich auch eine Hausarbeit schreiben können.  Für eine andere mündliche Prüfung musste ich eine Hausarbeit im Vorfeld schreiben, über die ich mich mit der Dozentin unterhalten habe. In einem Kurs habe ich auch eine „normale“ Klausur geschrieben, was eher unüblich ist.

Bei der Prüfungsanmeldung ist zu beachten, dass es meist verschiedene appelli d‘esame, also Prüfungstermine, gibt. Anders als in Deutschland und Frankreich gibt es in den meisten Fällen kein festes Datum für eine Prüfung oder eine Abgabe, sondern immer mehrere Möglichkeiten. So hätte ich in einem Kurs statt am 10. Januar auch Anfang März oder April die Prüfung ablegen können oder statt am 8. Februar auch Anfang März, April oder Mai. Für Erasmus-Studierende und vor allem für Studierende des Cursus Integré ist es natürlich wichtig, jede Prüfung am Ersttermin zu absolvieren, damit es nicht zu organisatorischen Schwierigkeiten kommt. Die appelli findet man auf der Website des jeweiligen Dozierenden unter „Didattica“.

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Das Notensystem geht von 0 bis 30; alles unter 18 gilt als nicht bestanden. Anders als in Deutschland, und vor allem in Frankreich, ist eine 30 gut zu schaffen, da die Dozierenden sehr freundlich bewerten, sobald sie merken, dass die Studierenden sich Mühe geben und sich gut vorbereitet haben. Das ist vor allem in mündlichen Prüfungen der Fall, weshalb viele meiner italienischen Freund:innen und Kommiliton:innen große Befürworter mündlicher Prüfungen sind. Sogar eine 30 Lode („mit Auszeichnung“) ist keine Seltenheit. Als Erasmusstudentin hatte ich hier, auch aufgrund der Sprachbarriere, einen noch größeren Vorteil. Die Dozierenden waren immer sehr nett und zuvorkommend, nicht nur in den Prüfungen, sondern auch bei generellen Fragen. Ich empfehle, frühzeitig mit dem Lernen anzufangen, da man das Lektürepensum in einer Fremdsprache doch schnell unterschätzt und in dieser Form aus Deutschland nicht kennt.

In Italien herrscht grundsätzlich keine Anwesenheitspflicht, Studierende können sogar Kurse als „non-attending student“ belegen – müssen dafür aber mehr Aufwand in die Prüfung investieren, zum Beispiel ein Buch mehr lesen. Das empfehle ich persönlich nicht. „Attending students“ sollten in 70% der Kurse anwesend sein. Grundsätzlich ist die Teilnahme aufgrund der andauernden Pandemie in allen Kursen sowohl in Präsenz als auch online möglich.

Anders als in Mainz und Dijon gibt es in Bologna keinen Campus. Die verschiedenen Gebäude und Bibliotheken sind über den Stadtkern verteilt und die Wahrscheinlichkeit, in mehreren Gebäuden Unterricht zu haben, ist relativ groß.

Bologna

Last but not least – ein paar Zeilen über diese wunderschöne Stadt, die jeden sofort in ihren Bann zieht. Bunte Häuser machen die Stadt besonders und  mit den berühmten, von der UNESCO zum Welterbe aufgenommenen portici, die sich ca. 50 km durch die ganze Stadt erstrecken, kann der Regen einem nicht viel anhaben. Viele Sehenswürdigkeiten, schöne Kirchen und Museen, ein wunderschönes Umland, leckeres Essen, die Kaffee- und Aperitifkultur, die auch bei kälteren Temperaturen draußen gepflegt wird … Die Liste könnte ich noch lange weiterführen, man muss es selbst erleben! Hinzu kommt die sehr lebendige und offene Atmosphäre, auch durch die jährlich circa 2000-3000 internationalen Studierenden. Das macht es sehr einfach, schnell Anschluss zu finden. Tipp: Sich am Centro di Ateneo für das Tandemprogramm anmelden. Das ist eine gute Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen und die Sprachkenntnisse zu verbessern.

Durch die zentrale Lage in der Emilia-Romagna sind andere Städte wie Verona, Florenz und Mailand oder der Strand in Rimini schnell mit dem Zug zu erreichen. Das Erasmus Student Network (ESN) sowie die International Community  (IC)  bieten neben (Sport-) Aktivitäten in Bologna auch Ausflüge zu den bekanntesten italienischen Städten wie Turin, Rom oder Neapel an.

Wohnen

Ich kann nur raten, sich frühzeitig um ein Zimmer bemühen, da der Wohnraum knapp ist. Ich hatte glücklicherweise relativ schnell etwas gefunden. Erste Anlaufstellen können Facebookgruppen sein oder Seiten wie subito.it und idealista.it. Ich habe auch einige Studierende kennengelernt, die in einem AirBnB gewohnt haben und für die Zeit in Bologna alle zwei Monate das Zimmer gewechselt haben. Auch das ist eine Möglichkeit. Achtung: In Italien ist es nicht unüblich, in einer stanza doppia, einem Doppelzimmer, zu wohnen. Wenn man das nicht möchte, sollte darauf bei der Wohnungssuche explizit geachtet werden, damit es zu keinen „bösen Überraschungen“ kommt. Die Preise für ein Zimmer variieren stark – meiner Erfahrung nach und je nach Glück zwischen 350€ und 700€.

Wichtige Links

Universität Bologna – Information for Incoming Exchange Students

Seite des Centro Linguistico di Ateneo für den Italienischsprachkurs

IC und ESN Bologna (auch auf Instagram aktiv)

Fazit

Ja, es ist ein organisatorischer Mehraufwand, in einem dritten Land zu studieren – aber es lohnt sich! Natürlich sind mehr Absprachen nötig und mehr Fristen und Dokumente müssen beachtet und eingereicht werden. Besonders der Übergang zwischen Bologna und Dijon kann anstrengend sein. Durch die gute Kooperation zwischen Mainz und Dijon und die gute Betreuung ist es aber sehr gut machbar und der Mehrwert ist sehr viel größer. Vielen Dank an der Stelle an all diejenigen, die das möglich machen!

Ich möchte die Zeit in Bologna auf gar keinen Fall missen. Ich habe neue Freundschaften geschlossen, meine Sprachkenntnisse verbessert, in einer der für mich schönsten Städte der Welt gewohnt und ein drittes Universitätssystem kennengelernt. Gerade, weil ich im Bachelor schon ein Jahr in Frankreich gewesen bin, war es interessant und sehr bereichernd, noch einmal ein anderes europäisches Studiensystem zu erleben. Ich kann einen Drittlandsaufenthalt in Bologna nur wärmstens empfehlen!

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Deutschsprachige deutsch-polnische Sommerschule zu den deutsch-polnischen Beziehungen

Dieses Jahr bietet die SGH Warsaw School of Economics wieder eine deutschsprachige deutsch-polnische Sommerschule zu den deutsch-polnischen Beziehungen an, die vom DAAD über das Go East Programm (http://goeast.daad.de/) unterstützt wird. Sie steht dieses Jahr unter dem Titel: Eine robuste Nachbarschaft? Die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft" und findet vom 28 August. bis zum 9. September 2022 in Warschau statt.

Zugang zum Online-Bewerbungsformular und weiteren Informationen: http://www2.sgh.waw.pl/sommerschule/ .

Arnold Heidsieck Scholarships 2022/2023 – USA-Stipendien für BA-Studierende der Geisteswissenschaften

| Call for Applications |

Die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius vergibt in diesem Jahr zum achten Mal die „Arnold Heidsieck Scholarships“ für ein- oder zweisemestrige Studienaufenthalte an amerikanischen Universitäten. Die Stipendien richten sich an Bachelor-Studierende der Geisteswissenschaften, die an einer deutschen Universität studieren und dabei den Schwerpunkt auf deutsche Kultur, Sprache, Geschichte, Musik oder Kunst legen. Im Anhang finden Sie die aktuelle Ausschreibung.

Die Bewerbungsunterlagen und weitere Auskünfte zum Programm finden Sie unter www.zeit-stiftung.de/heidsieck.

Die Bewerbungsfrist endet am 15. März 2022.

Austauschprogramm für Frankreich: Programme d’Études France (PEF)

Nach dem erfolgreichen Start im letzten Jahr vergibt das französische Ministerium für Europa und Auswärtige Angelegenheiten über die Französische Botschaft in Berlin, in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), wieder Stipendien über das Programme d'Études en France (PEF).

Es richtet sich an deutsche Studierende im zweiten Bachelorjahr, für die Französisch eine wichtige Rolle spielt und ermöglicht ihnen einen ersten Studienaufenthalt in Frankreich. Vier französische Partneruniversitäten stehen zur Auswahl ( Université de Picardie Jules Verne (Amiens)Université de LilleUniversité de Nantes oder Université Toulouse Jean Jaurès).

Das Programm ermöglicht Studierenden, Praxis und Kenntnisse der französischen Sprache und Kultur zu verbessernDer Studienaufenthalt enthält neben den Studienfächern Sprachtandems zwischen deutschen und französischen Studierenden, ein kulturelles Rahmenprogramm sowie erste Einblicke in berufliche Arbeitsfelder.

Bewerben können sich Studierende der Fachrichtungen Romanistikinterkulturelle (frankreichbezogene) und europäische Studien (in Geschichte, Kunstgeschichte, Philosophie, Politikwissenschaften…), Sprachwissenschaft mit Französisch als erster Fremdsprache (z.B. Fremdsprachenlinguistik), oder auch Rechts- oder Wirtschaftswissenschaften.

Die Förderdauer beträgt ein Semester und beinhaltet eine monatliche Teilstipendienrate von 370€. Die Studierenden werden außerdem von den Studiengebühren an der französischen Universität befreit und erhalten Leistungen zur Kranken-, Unfall- und Privathaftpflichtversicherung. Darüber hinaus bietet das PEF eine pädagogische und logistische Betreuung der Studierenden. Die Gastuniversität unterstützt bei der Unterbringung der Studierenden.

Bewerbungszeitraum: 11. Januar bis 21. März 2022

Weitere Informationen: https://www2.daad.de/ausland/studieren/stipendium/de/70-stipendien-finden-und-bewerben/?detail=57589660.

 

Parlamentsstipendien im Ausland: Parlaments-Praktika in Frankreich

Das Deutsch-Französische Parlaments-Praktikum richtet sich an deutsche bzw. französische Studierende bzw. Hochschulabsolventen, welche die Möglichkeit erhalten, im jeweils anderen Land ein Praktikum in der Assemblée Nationale (für deutsche Teilnehmerinnen und Teilnehmer) bzw. im Deutschen Bundestag (für französische Teilnehmerinnen und Teilnehmer) mit einem Studienaufenthalt am Institut d'Etudes Politiques de Paris bzw. an der Humboldt-Universität zu verbinden.

Mehr Informationen dazu hier: https://www.international.hu-berlin.de/de/studierende/ins-ausland/parlamentsstipendien-neu.

Bewerbungsschluss ist der Montag, der 14. März 2022.

Stellenanzeige für Master-Studierende und DoktorandInnen im geistes- oder naturwissenschaftlichen Bereich

Babel Guides (TutorInnen) gesucht!

Achtung: kein Minijob ...

Die Middlebury C.V. Starr School in Germany, Mainz, sucht Babel Guides (TutorInnen) zur Vor-Ort-Betreuung von internationalen Middlebury Studierenden an der Johannes Gutenberg Universität. Ihre Hauptaufgabe besteht in der sprachlichen individuellen Betreuung der akademischen Hausarbeiten, d.h. Sie sollten selbst nachweislich mit den Formalien und Prinzipien des akademischen Arbeitens und Schreibens in deutscher Sprache vertraut sein. DaF-Kenntnisse sind nützlich, aber keine Voraussetzung.

Zusätzlich begleiten Sie Studierende auf unserer Exkursion, helfen ihnen beim Bewältigen des akademischen und bürokratischen Alltags und stehen auch als Begleitung für evtl. Arztbesuche zur Verfügung.

Das bringen Sie mit:

  • abgeschlossenes Bachelorstudium
  • echtes Interesse an der Begegnung mit internationalen Studierenden
  • Vertrautheit mit deutscher Kultur und Geschichte
  • vorige intensive Auslandserfahrung/ Berufs- oder Praktikumserfahrung ist wünschenswert
  • eigenverantwortliches und kreatives Verhalten im Team
  • gute Computer-Skills und keine Scheu vor noch unvertrauter Software
  • Eigeninitiative beim Lösen von Problemen, Ausdauer, Geduld und Teamgeist
  • Verantwortungsbewusstsein, sehr genaues Arbeiten
  • einen professionellen Umgang mit spontan auftretenden Veränderungen im Zeitplan
  • grundsätzliche Bereitschaft, im Notfall den Studierenden oder dem Team zu helfen

Die Tätigkeit beginnt am 20. September 2021 und endet am 04. März 2022.

Der Vertrag mündet nicht in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.

Das obligatorische Training findet vom 20. September 2020 bis 01. Oktober 2021 per Zoom statt.

Das Training wird mit einem Pauschalbetrag von 400€ vergütet. Im Anschluss an das Training erhalten Master-Studierende 12 Euro pro Stunde; DoktorandInnen 15,50 Euro pro Stunde. Die regelmäßige Arbeitszeit pro Woche kann zu Beginn zwischen 12, 15 und 20 Stunden gewählt werden. Die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit verteilt sich gleichmäßig über die Wochentage Montag bis Freitag.

Sie benötigen: W-Lan fähigen Windows oder Mac Computer, Microsoft Office 2010 oder höher; Internetanschluss.

Bei Interesse setzen Sie sich bitte ab sofort mit Frau Dr. Heike Fahrenberg (hfahrenb@middlebury.edu) in Verbindung.

An Bewerbungsunterlagen reichen Sie als Email-Anhänge bis zum 14. Juli 2021 ein: Anschreiben, Lebenslauf, eine Kursliste mit Noten, aus der die Qualität Ihrer deutschen Hausarbeiten ersichtlich wird, eine benotete Hausarbeit, die Sie für Ihre beste halten, sowie evtl. ein Empfehlungsschreiben

Die Bewerbungsgespräche finden in der Woche vom 19. Juli 2021 statt.

Wir freuen uns darauf, Sie kennenzulernen!

Mit herzlichem Gruß –

Dr. Heike Fahrenberg

Interdisziplinäre deutsch-polnische Sommerakademie 2021

Das Deutsche Polen-Institut lädt vom 25. bis 28. August 2021 zu einer interdisziplinären Sommerakademie nach Darmstadt ein.

Die Akademie bietet Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern die Möglichkeit, ihre aktuellen Forschungsprojekte (Abschlussarbeiten, Dissertationen, Post-Doc-Forschung) zu präsentieren und miteinander und mit ausgewiesenen Expertinnen und Experten zu diskutieren. Die eingeladenen Dozierenden bieten zwei Methoden-Seminare an.

  • Prof. Dr. Magdalena Marszalek: Gespräch/Interview in literarischem Dokumentarismus und oral history (Literatur- und Kulturwissenschaften)
  • Prof. Dr. Stefan Garsztecki: Geschichtspolitik und kollektives Gedächtnis in Polen (Politikwissenschaft)

Hauptarbeitssprache ist Deutsch, nach Absprache kann auch auf Polnisch oder Englisch präsentiert werden. Während der Sommerakademie gibt es die Gelegenheit zu Recherchen in den umfangreichen Bibliotheks- und Archivbeständen des Deutschen Polen-Instituts. Das Rahmenprogramm, in dem Kultur und informeller Austausch im Mittelpunkt stehen sollen, greift thematische Anregungen der Sommerakademie auf.

Bewerbung bis zum 13.7.2021 unter www.sommerakademie-polen.de.

Änderungen des Programms aufgrund der Corona-Pandemie vorbehalten. Die Sommerakademie wird von der Sanddorf-Stiftung Regensburg gefördert (endgültige Zusage ausstehend).

Akademischer Auslandsaufenthalt an der Keele University in Großbritannien

Man bekommt einen Brief (in meinem Fall eine E-Mail), packt seine Koffer und darf dann in einem alten britischen Schloss studieren. Was sich hier nach dem Anfang einer Harry Potter ähnlichen Beschreibung anhört, wurde für mich im Wintersemester 2019/2020 und Sommersemester 2020 an der britischen Keele University Realität.

Durch meinen Einstieg über die Restplatzvergabe ins Erasmus-Programm beschränkte sich meine Anmelde- und Vorbereitungsphase auf ein Minimum - Auszug aus meiner Wohngemeinschaft, ein paar notwendige Formalitäten, die Beantragung eines Reisepasses (dieser wurde von der Universität trotz des Schengener Abkommens zusätzlich gefordert) sowie das Packen meiner Koffer.

Der Arbeitsbereich Global Opportunities der Keele University (vergleichbar mit der Abteilung Internationales an der JGU) nahm nach kurzer Zeit Kontakt zu mir auf und informierte mich u.a. über eine Facebook Gruppe zur formlosen Kommunikation und zum schnellen Austausch zwischen den Incoming-Students.

TIPP: Facebook ist in Großbritannien im Vergleich zu Deutschland eine deutlich wichtigere Kommunikationsplattform, ohne die man Gefahr läuft, weniger mitzubekommen. Arbeits- und Wohnheimgruppen, Societies sowie Clubs nutzen Facebook als Hauptkommunikationsplattform. Viele haben WhatsApp nutzen es allerdings wenig. Andere Messenger-Dienste spielten in meinem Umfeld keine Rolle. Wenn man keine entsprechende Flatrate besitzt, sollte man sich frühzeitig um eine britische SIM-Karte kümmern, um Kosten zu sparen. Darüber hinaus wird der Besitz einer britischen Telefonnummer unumgänglich, wenn man beispielsweise beim Friseur seine Telefonnummer in der elektronischen Kundenakte hinterlegen möchte oder die online Bestellfunktion eines Lieferdienstes nutzen will.

Der weitere Austausch mit der Abteilung Global Opportunities der Keele University beschränkte sich auf wenige Mails, die mich u.a. herzlich willkommen hießen, ggf. über nachzureichende Dokumente und das folgende Vorgehen informierten.

Der Austausch mit der Abteilung, aber auch allen Dozierenden war für mich überraschend formlos. Während an der JGU eine formale Kommunikation via E-Mail gefordert wird, wird man in Großbritannien mit Vornamen angeschrieben und duzt auch seine Dozierenden. Allgemein pflegt man einen sehr freundschaftlichen und ebenwürdigen Umgang.

Von Frankfurt intl. Airport über Manchester Airport nach Keele

Einige Wochen vor meinem Ryanair Flug von Frankfurt a.M. nach Manchester nahm eine kleine Gruppe britischer Studierender Kontakt zu mir auf, die unentgeltliche Busfahrten von umliegenden Flughäfen nach Keele organisierten. Dazu benötigten sie die Flugnummer, den Namen des Zielflughafens und die geplante Landezeit meines Flugs (Datum der Ankunft wurde frühzeitig vorgegeben).

TIPP: Vom Gedanken an eine emissionsärmere Reise mit der Bahn musste ich aus logistischen und finanziellen Gründen leider Abschied nehmen. Die Bahnfahrt wäre mit häufigem Umsteigen mit viel Gepäck, der Angst den Anschlusszug zu verpassen und sehr hohen Preisen verbunden gewesen. Um zusätzliche Kosten bei Ryanair zu sparen und die unterschiedlichsten Rabatte auch über den Auslandsaufenthalt hinaus nutzen zu können, lohnt sich evtl. der Erwerb einer Erasmus-Student-Network-Karte (siehe dazu: https://esncard.org). Diese ist beispielsweise an der Goethe Universität in Frankfurt a.M. erhältlich. Ich habe sie mir in England von der Leeds University per Post zuschicken lassen. Der Nutzen der Karte hängt von der individuellen Reiseplanung ab.

Am Flughafen in Manchester musste ich mich zunächst etwas durchfragen, um den Sammelpunkt des Abholteams zu finden, konnte diesen allerdings Dank gut informierter Sicherheitskräfte schnell finden. Anschließend gab es die Möglichkeit das Gepäck beaufsichtigt am Sammelpunkt abzustellen und während einer kurzen Wartezeit mit anderen Incoming-Students ins Gespräch zu kommen oder sich etwas zu essen zu kaufen.

An diesem Zeitpunkt hatte ich noch etwas Scheu mich auf Englisch mit anderen Studierenden zu unterhalten, was vor allem mit der irrationalen Angst nicht gut genug Englisch sprechen zu können bzw. peinliche Fehler zu machen zu begründen ist. Daher unterhielt ich mich zunächst nur mit einer deutschen Studentin, die ich durch meine Fachkoordinatorin im Fach Geschichte kennengelernt hatte. Diese informierte mich zuvor darüber, dass ich nicht der einzige Geschichtsstudierende sei, der nach Keele ginge, sodass wir uns bereits vor dem Auslandsaufenthalt einmal getroffen hatten, um uns gegenseitig die Angst vor dem bevorstehenden Abenteuer zu nehmen, indem wir unsere Fragen klärten und uns von unseren bisherigen Vorbereitungen erzählten.

Bezüglich der Angst Englisch zu sprechen, kann ich nur festhalten, dass sie absolut unbegründet war. Zum einen habe ich feststellen dürfen, dass es noch andere Studierende gab, deren englisch schlechter war als meines. Dies ist zwar nur ein schwacher Trost, jedoch hat es mir persönlich am Anfang geholfen dies zu bemerken. Zum anderen wurde man von den britischen Studierenden meist mit Komplimenten überhäuft, wie gut man ihre Muttersprache beherrsche, auch wenn dies aus subjektiver Sicht anders war. Es sorgte aber dafür, dass ich weniger Scheu hatte englisch zu sprechen und bereit war auch Fehler in Kauf zu nehmen. Im akademischen Kontext durfte ich ebenfalls immer wieder feststellen, dass viele Dozierende mich freundlich und ohne vorzuführen korrigierten bis ich mit der Zeit immer selbstsicherer wurde und sich ein Sprachgefühl entwickelte.

TIPP: Der verpflichtende Erasmus-eigene Online-Sprachtest findet an der Keele University keine Beachtung. Stattdessen gibt es in der ersten Woche (vor offiziellem Semesterbeginn) eine kurze Sprachprüfung, welche aus einer Hörverstehens- und einer Leseverstehensübung zusammengesetzt war, um zu prüfen, ob man einem Seminar oder einer Vorlesung tatsächlich inhaltlich folgen kann. Sollte man durchfallen besteht das Angebot einfachere Kurse zu belegen und einen zusätzlichen Englischkurs für internationale Studierende zu besuchen. Dieser ist auch freiwillig wählbar, ist aber dann durch einen anderen Kurs zu ersetzten. Ich hatte den Test zwar problemlos bestanden, wollte das Angebot jedoch trotzdem in Anspruch nehmen. Rückblickend hätte ich es nicht benötigt, sehe es aber auch nicht als Zeitverschwendung. Neben einem akademischen Wortschatz lernt man in dem Kurs den Aufbau eines Essays sowie Referate gemäß den universitätseigenen Vorstellungen. Wenn man dies nicht in Anspruch nehmen möchte, kann man auch Dozierende um die Erläuterung der lokalen Formalitäten bitten oder das fächerspezifische Handbuch auf dem Server der Universität KLE (vergleichbar mit LMS an der JGU) nutzen. Sollte man darüber hinaus noch Änderungen oder Fragen zu seiner Kurswahl haben, so findet kurz nach Ankunft in Keele eine verpflichtende Veranstaltung statt, bei der man solche Anliegen ansprechen kann.

Wohnen an der Keele University

Neben der Option sich privat eine Wohnmöglichkeit zu organisieren, bestand die Möglichkeit sich für die Wohnheime auf dem Campus der Universität zu bewerben. Erasmusstudierenden wird, anders als den britischen Studierenden unabhängig vom Fachsemester ein vorrangiges Recht auf Wohnheimzimmer eingeräumt. Dazu sei allerdings angemerkt, dass die Wohnheime auf dem Campus vergleichbar mit den Wohnheimen in Mainz deutlich teurer sind als private Zimmer. Die Vorteile eines Wohnheimzimmers bestehen vor allem darin, dass das gesamte Unileben auf dem Campus stattfindet, man sich die stressige Wohnungssuche spart, kurze Wege zu allen Veranstaltungen hat und direkt mit anderen Studierenden im Wohnheim in Kontakt kommt und so eine kleine Gemeinschaft bildet. Darüber hinaus ist die nächstgelegene Stadt (Newcastle under Lyme, nicht zu verwechseln mit der Partymetropole Newcastle upon tyne) einige Kilometer entfernt und da es kein Studiticket gibt, müssen Fahrtkosten zur Universität selbst getragen werden.

TIPP: Uber ist in Großbritannien deutlich günstiger, flächendeckender vertreten und allgemein attraktiver als in Deutschland. Kurzum ist es häufig die beste Wahl, wenn man nicht auf öffentliche Verkehrsmittel setzen kann oder will. Dazu ist es wichtig zu wissen, dass eine Kreditkarte in Großbritannien von großem Nutzen ist. Sie ist nicht nur, als Zahlungsmittel für Verkehrsmittel üblich, sondern auch die kleine Bäckerei auf der Ecke akzeptiert Kreditkarten. Einige Dienstleistungen können nur mit Kreditkarte in Anspruch genommen werden. Barzahlungen sind eher die Ausnahme als die Regel.

Rundumfoto meines Wohnheim Zimmers mit eigenem Waschbecken im Wohnheim Lindsay Hall. Gemeinschaftstoiletten, -duschen und Küche befanden sich auf dem Flur.

 

Unterricht

Die Unterrichtsgestaltung in Keele unterscheidet sich in vielen Punkten von der JGU. Zum einen sind alle Unterrichtsformate (ausgenommen Vorlesungen) in deutlich kleineren Gruppen organisiert und man profitiert somit vor allem von der studentischen Fachdiskussion, die meist auf Grundlage von Hausaufgaben stattfand. Dies bedeutete folgerichtig auch einen zusätzlichen Vor- und Nachbereitsungsaufwand, der neben mehreren kleineren Abgaben während des Semesters eine ungewohnte Routine darstellte.

Diese Herausforderung wurde durch die Hilfsbereitschaft meiner internationalen und nationalen Kommiliton*innen erheblich erleichtert.

TIPP: Leider gibt es an der Keele University kein TextCafe, wie an der JGU. Sodass mir die sprachliche Kontrolle von befreundeten Muttersprachler*innen vor der Abgabe zusätzliche Sicherheit gab. Da alle Prüfungsleistungen anonym eingereicht werden, können und dürfen die Dozierenden Nicht-Muttersprachler*innen nicht gesondert benoten. Die Benotung von geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern wird im Bachelorstudiengang, anders als in Naturwissenschaften in Keele im besten Fall mit 75 von 100 Punkten benotet. Über 75 Punkte seien, so die Leiterin der Abteilung Global Opportunities, auch für nationale Studierende sehr unüblich, was Incoming-Students zunächst abschreckt, aber bei der Anrechnung in Deutschland berücksichtigt werden kann.

Zudem hatte die universitätseigene Bibliothek rund um die Uhr geöffnet und bot eine angenehme Arbeitsatmosphäre, die zu nächtlichen Lerneinheiten einlud und in meiner Freundesgruppe vor Ort wurden diese in der Prüfungsphase als gemeinsame Lerneinheiten zelebriert.

Die anfängliche Illusion in einem Schloss zu studieren muss ich an dieser Stelle leider zerstören. Unterrichte finden ausschließlich in moderneren Gebäuden auf dem Campus statt. Keele Hall (so heißt das Schloss auf dem Campus) ist ein Veranstaltungsort, der von Studierenden überwiegend für schöne Fotos genutzt wird. Allgemein besteht die Ortschaft Keele neben ein paar wenigen Wohnhäusern und einem Pub ausschließlich aus zur Universität gehörenden Gebäuden, Sportanlagen und Grünflächen.

 

Kulturelles und sportliches Angebot an der Universität

An der Keele University sind Societies und Clubs ein zentraler Bestandteil des sozialen Miteinanders und dieses sollte unbedingt wahrgenommen werden. Dafür gibt es für jede Interessegruppe entsprechende Gemeinschaften, die man zuvor online recherchieren oder alternativ auf einer Messe zum Beginn des Wintersemesters kennenlernen kann (da alle nationalen Studierenden in Großbritannien zum Wintersemester anfangen, findet diese Messe nicht im Sommersemester statt). Gerade Sportclubs sind allerdings meist mit Kosten verbunden, die unterschiedlich hoch ausfallen können. Für internationale Studierende, die nur ein Semester in Keele bleiben, gibt es eine ermäßigte Gebühr.

Der zentrale Vorteil an diesem Angebot ist die Aufnahme in eine soziale Interessensgemeinschaft an der Universität, die sich regelmäßig trifft und die Entstehung von langfristigen Freundschaften unterstützt. Diese Gemeinschaften sind vergleichbar mit jenen, die man aus amerikanischen Highschool Filmen kennt.

Ich wollte einen typisch britischen Sport ausprobieren und entschied mich daher für Rugby. Der Sport hatte mich so nachhaltig begeistert, dass ich nach meiner Heimkehr in Mainz in einen Rugby Club eintrat.

 

Außeruniversitäre Auslandserfahrung

Neben den Möglichkeiten, die mir an der Universität geboten wurden, war es mir ein Anliegen auch in Kontakt mit Menschen zu kommen, die in keinem direkten Kontakt mit der Universität standen. Da die britischen Studierenden in meinem Umfeld primär mit anderen Studiereden zu tun hatten, suchte ich durch Rugby diesen Zugang, der mir in der Retrospektive als hervorragende Entscheidung in Erinnerung blieb.

Mit dem regionalen Rugby Verein in Newcastle under Lyme bereiste ich jeden Samstag England. Diese Spieltage wurden zu überregionalen Roadtrips mit interessanten Menschen, die mir vor allem die britische Kultur nochmal auf eine andere Weise näher brachten.

Darüber hinaus besuchte ich mit meinem internationalen Freundeskreis unter anderem die Touristenhochburgen London und Edinburgh, für ein Konzert die Universität in Manchester, für einen Museumsbesuch Birmingham und zum Wandern den „Snowdonia National Park“ in Wales, der uns als Ausflugsziel ausdrücklich von einem Dozenten empfohlen wurde.

In einem ergänzenden unbenoteten Seminar für internationale Studierende mit dem Titel „British Culture“ wurden uns von der sehr engagierten Dozentin auf humorvolle Weise Eigenheiten der britischen Gesellschaft nähergebracht. Ohne dem Inhalt etwas vorweg greifen zu wollen, kann ich die Belegung dieses freiwilligen Moduls nur wärmstens empfehlen (in meinem Beifach Philosophie konnte ich die Belegung für Studium Generale anrechnen lassen).

 

Die Ankunft von Covid-19 in Keele und unserer Wahrnehmung

Das schnell mediendominierende Virus Covid-19 beeinflusste unseren Alltag zunächst eher schleppend. Da es sich bei der Keele University um eine eher kleine Universität mit fast schon familiärem Charakter handelte und alle Studierenden in Facebook-Gruppen organisiert waren, wurden wir erstmals durch die Diskussionen in diesen Gruppen auf die Ernsthaftigkeit des Virus aufmerksam. Während die meisten Studierenden schnell die Schließung der Universität zum Schutz Aller forderten, ließ die Reaktion der Universität auf sich warten. In den folgenden Tagen entschieden einige Dozierenden eigenmächtig ihre Veranstaltungen abzusagen, bis die Universität deren Handeln schließlich legitimierte. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Abteilung Internationales der JGU bereits alle Studierenden darüber informiert, dass eine Rückkehr auf eigenen Wunsch keine Nachteile beinhaltet. Nachdem die deutschen Medien dann über Grenzschließungen im Süden Deutschlands berichteten, entschied ich nach Rücksprache mit meinen Eltern und Freunden den nächsten Flug zurück nach Deutschland zu nehmen. Zusammen mit zwei amerikanischen Studentinnen, die sich ebenfalls für die Heimkehr entschieden haben, brach ich um drei Uhr morgens zum Flughafen auf und informierte die JGU und meine Fachkoordinatorin über meine Entscheidung, die diese sehr verständnisvoll aufnahmen. Nach der Rückkehr nach Deutschland dauerte es anschließend noch zwei Tage bis die Universität in Keele alle Studierenden bat schnellstmöglich den Campus zu räumen. Darüber hinaus wurde das Lehrangebot unverzüglich digital und asynchron zur Verfügung gestellt und darauf hingewiesen, dass im Sinne der mentalen Gesundheit kein Zwang zu weiteren Abgaben und Prüfungen bestand. Auch im Folgenden bemühte sich die Universität um die mentale Gesundheit der Studierenden.

 

Rückblick: Ein Jahr nach der Rückkehr nach Deutschland

Vermutlich dadurch, dass durch die Corona-Pandemie die Nutzung von Videokonferenzen in den Alltag Aller rückte, aber auch durch den allseitigen Wunsch nach weiterem Kontakt, finden noch heute regelmäßige Videokonferenzen zwischen meiner internationalen Freundesgruppe und mir statt. Langfristig sehe ich den Auslandsaufenthalt daher nicht nur als akademische Erfahrung, sondern auch als Möglichkeit zu sozialem länderübergreifendem Austausch, der zu anhaltenden Freundschaften führt.

Aus akademischer Sicht hat der Auslandsaufenthalt mir geholfen meine Art Hausarbeiten zu schreiben zu optimieren und mein Interesse für angelsächsische Geschichte geweckt, welches ich auch zukünftig weiter verfolgen möchte.

Verfasst von Richard Manuel Moreno

Veröffentlicht am | Veröffentlicht in Keele