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Erneut gute Zahlen im „Outgoing“-Bereich

Zum Studienjahr 2018/19 entsendet das Historische Seminar 28 Studierende in unsere Partneruniversitäten. Das ist ein leichter Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Vor allem aber ist es eine Entwicklung gegen den Trend: Bundesweit sind die Zahlen wohl eher rückläufig.

Dennoch: Auslandssemester und Auslandsjahr sind noch keine "Massenbewegung". Es bleibt noch viel zu tun! Für das fragliche Studienjahr (WS 2018/19 und/oder SoSe 2019) stehen noch ERASMUS-Plätze in Belgien, Bulgarien, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Kroatien, Österreich, Polen, Rumänien, Spanien, Türkei, Ungarn und Zypern zur Verfügung. Bei Interesse nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit Dr. Pia Nordblom (nordblom@uni-mainz.de) auf.

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Stipendienprogramm „Metropolen in Osteuropa“

Gefördert werden können in der Regel einjährige Auslandsaufenthalte mit Intensivsprachkurs in einem Land Ost-, Mittelost- und Südosteuropas bzw. des postsowjetischen Raums.

Bewerben können sich Studierende aller Fächer (außer Musik, Kunst und Film), die noch vor ihrem Studienabschluss stehen und exzellente Studienleistungen vorweisen können.

Leistungen:

  • monatliches Stipendium in Höhe von 1.000 € (für mind. 7 Monate bis max. 4 Semester)
  • Finanzierung eines Intensivsprachkurses im Zielland und/oder von studienbegleitendem
  • Sprachunterricht bis zu 1.000 €
  • eine einmalige Reisekostenpauschale je nach Zielland
  • eine einmalige Mobilitätspauschale von 1.000 €
  • die Übernahme von Studiengebühren bis zu 10.000 € pro Studienjahr
  • die Aufnahme in die Studienstiftung und Zahlung der monatlichen Studienkostenpauschale in
  • Höhe von 300 €. Nach Deutschland zurückgekehrt, werden die Teilnehmer bis zu Ihrem
  • Studienabschluss weiter durch die Studienstiftung gefördert.

Bewerbungsschluss ist der 1. April 2018.

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem › Flyer.

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Mainz ? Dijon ? Sherbrooke ? Die Mischung machts!

Unglaublich, aber wahr: auch mein Auslandsaufenthalt an der Université de Sherbrooke in Kanada ist mittlerweile vorbei. Ich blicke auf 8 spannende Monate zurück, die sowohl meiner fachlichen, als auch meiner persönlichen Entwicklung zuträglich waren.

Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung, unter anderem, weil sie mich wieder in Einklang mit meiner Studienwahl gebracht hat, nach einer Periode, in der ich mir nicht mehr sicher war, ob meine Entscheidung Geschichte und Französisch zu studieren, richtig gewesen ist.

Diese Frage habe ich mir vor allem in Dijon gestellt, denn für eine gewisse Zeit hatte ich dort den Spaß an meinen Fächern verloren. Da kam der Wechsel nach Sherbrooke wirklich zum rechten Zeitpunkt. Und glücklicherweise habe ich die Freude am Studium bereits zu Beginn wiedergefunden. Ich denke, dass dies mit der Vielfalt der Aufgabenstellungen und der Themen zusammenhängt.

Als Studentin an der Université de Sherbrooke fühlte ich mich gut aufgehoben und ernst genommen. Ich habe die sehr persönliche Betreuung, die durch die kleinen Seminargruppen möglich war, sehr genossen und als Luxus wahrgenommen. Allerdings muss man natürlich im Kopf haben, dass dieser Luxus auch durch die hohen (verglichen mit Deutschland und Frankreich) Studiengebühren erst möglich wird.

Einheimische, das heißt Quebecer Studierende zahlen etwa 500 Kanadische Dollar pro Kurs, pro Trimester. Um als Vollzeitstudierender zu gelten, muss man mindestens 4 Kurse pro Trimester belegen. Viele Studierende müssen neben dem Studium arbeiten, nehmen Studienkredite auf und starten somit hochverschuldet in ihr Arbeitsleben. Chancengleichheit sieht anders aus. Ich glaube, unter diesen Bedingungen ist es sehr mutig, wirklich das zu studieren, was einen interessiert und seine Studienwahl nicht von ökonomischen Aspekten abhängig zu machen.

Um das eigene Unisystem zu Hause zu verbessern oder um überhaupt ein Gefühl dafür zu bekommen, was man an der Heimatuniversität schätzen sollte, sind Auslandsaufenthalte perfekt geeignet. Es geht nicht darum, festzustellen, welches System das Beste ist, sondern zu verstehen, dass Lernphilosphien und Methoden von Land zu Land variieren und dass man sich das Ein oder Andere vielleicht abgucken kann, oder aber auch Modell sein kann.

Ich glaube, in Deutschland wird viel Wert auf Eigenständigkeit und kritischen Geist gelegt. In den Kursen wird einem für die eigentliche Hausarbeit inhaltlich weniger Input gegeben, als es vielleicht in Kanada der Fall ist. In Frankreich scheint die Form oft über den Inhalt zu stehen. Die Forderung nach strikter Einhaltung der klassischen Form einer französischen Dissertation, habe ich in Dijon oft als geistigen Käfig empfunden, da die Formvorgaben den Inhalt zu determinieren scheinen.

Allerdings hat mir diese Vorgehensweise in Sherbrooke ungemein bei der Strukturierung meiner Klausuren und meiner Hausarbeiten geholfen. Dieser positive Effekt konnte sich meiner Meinung nach nur einstellen, weil es nicht von „oben“ erwartet, erzwungen war und so kam es, dass ich unter meiner ersten Geschichtsklausur den Vermerk fand: „Exzellente Dissertation“.

Das heißt, ich habe gelernt, dass ich mit Freude und auch mit Erfolg studiere, wenn ich verstehe, welche Methode oder welche Herangehensweise am besten zu mir passt. (Mehr oder weniger) unabhängig vom System, das mich umgibt, kann ich mir so meinen persönlichen Freiraum schaffen, in dem ich gut arbeiten kann: oder kurzum gesagt, beherzigen, was zu meiner Arbeitsweise passt, getrost bei Seite lassen, was nicht zum Gelingen meiner Aufgabenstellung beiträgt.

Das Studium ist eine Sammelsurium an Angeboten und Methoden, von denen man eben erst herausfinden muss, welche am geeignetsten für einen selbst sind: Auslandsaufenthalte sind hierbei mehr als hilfreich 🙂

PS: Die folgenden Bilder sind während meiner Kanada-Duchquerung (von der Atlantikküste in Halifax bis an die Pazifikküste in Vancouver) entstanden. Eine Reise, die ich nach Abschluss meines Studiums an der Université de Sherbrooke unternommen habe.

 

Die kanadischen Rocky Mountains im Jasper Nationalpark.
Die kanadischen Rocky Mountains im Jasper Nationalpark.
Dieses Bild zeigt ein sog. Inukshuk, das das Volk der Inuit als Falle bi seiner Jagd auf Karibous benutzte und heute als Markierungspunkt fungiert.
Dieses Bild zeigt ein sog. Inukshuk, das das Volk der Inuit als Falle bi seiner Jagd auf Karibous benutzte und heute als Markierungspunkt fungiert.
Mahnmal für den Frieden in Ottawa.
Mahnmal für den Frieden in Ottawa.
Die Skyline von Toronto.
Die Skyline von Toronto.
Auch am Straßenrand gibt es immer was zu sehen.
Auch am Straßenrand gibt es immer was zu sehen.
Aussichtspunkt auf dem Wild Pacific Trail, Vancouver Island.
Aussichtspunkt auf dem Wild Pacific Trail, Vancouver Island.
Lake Louise im Banff Nationalpark.
Lake Louise im Banff Nationalpark.
In Britisch- Kolumbien ist der Konsum von Marihuana in sog. coffee shops erlaubt.
In Britisch- Kolumbien ist der Konsum von Marihuana in sog. coffee shops erlaubt.
Wandern in den Rocky Mountains, Jasper: watch out bears may crossing!
Wandern in den Rocky Mountains, Jasper: watch out for bears!
Ganz schön wacklig: die Suspension Bridge im Lynn Canyon Parc, Vancouver.
Ganz schön wacklig: die Suspension Bridge im Lynn Canyon Parc, Vancouver.
Lake Louise, Banff Nationalpark.
Lake Louise, Banff Nationalpark.
Surfen in Tofino, Kanadas Surferparadis auf Vancouver Island.
Surfen in Tofino, Kanadas Surferparadis auf Vancouver Island.
Die Innenstadt von Calgary, Alberta.
Die Innenstadt von Calgary, Alberta.
Ein Sonnenuntergang im Westen!
Ein Sonnenuntergang im Westen!
Uiii, ein Bärenbaby, wie gut, dass das Auto uns vor der Mutter schützt (siehe The Revenant).
Uiii, ein Bärenbaby, wie gut, dass das Auto uns vor der Mutter schützt (siehe The Revenant).
Totem Poles im Stanley Parc, Vancouver.
Totem Poles im Stanley Parc, Vancouver.
Fort Mc Nab in Halifax.
Fort Mc Nab in Halifax.

 

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Bonjour à toutes et à tous – Eindrücke aus Lyon

Bonjour à toutes et à tous,

vor rund einem Monat habe ich meine Zelte in Lyon abgebrochen. Ich habe an den Universités Lumière Lyon 2 und Jean Moulin Lyon 3 ein Semester studiert und insgesamt ein halbes Jahr in Lyon verbracht. Ich studiere Französisch und Geschichte im Master of Education und für die bilinguale Zusatzausbildung habe ich noch einen benoteten Kurs in Geschichte auf französischer Sprache benötigt.

Über das Romanische Seminar habe ich mich um einen Platz in Lyon beworben. Lyon war mein absoluter Favorit, was mehrere Gründe hat. Ich kannte die Stadt und die Region schon vorher ein bisschen, außerdem wohnen viele meiner französischen Freunde in Lyon, über die ich auch schnell eine WG gefunden habe. Im Vergleich zu Mainz ist Lyon mit über 2 Millionen Einwohnern eine absolute Großstadt. Sie ist geographisch perfekt gelegen und angebunden: man ist schnell in der Natur, in den Alpen, am Mittelmeer, in Italien, Deutschland oder in Paris. Lyon verfügt außerdem über eine sehr reiche und interessante Geschichte, die von der Römerzeit bis zur Gegenwart reicht.

Mit der Organisation und der Verwaltung an den Universitäten war ich sehr zufrieden. Ich habe zwei Vorlesungen in Geschichte (Römische Kaiserzeit und 16. Jahrhundert), Erasmus-Kurse (in Grammatik, Landeskunde), ein Seminar in Literaturwissenschaft und eins in Textredaktion besucht. Ich habe alle Kurse für mein Studium in Mainz anerkannt bekommen.

Ich fand es sehr spannend und bereichernd zu erfahren, wie in Frankreich studiert wird und welche Unterschiede es im Vergleich zu Deutschland gibt. Insgesamt wurde in den Kursen und den Vorlesungen viel weniger im Plenum diskutiert. Vorlesungen waren anders strukturiert, es gab z. B. selten PowerPoint Präsentationen, selbst bei Referaten in den Seminaren nicht.

Im November habe ich mit einer finnischen Kommilitonin ein Referat in einem Literaturseminar gehalten. Wir haben das Referat so vorbereitet, strukturiert und präsentiert, wie wir das von "unseren" Universitäten kannten, sprich mit einer anschaulichen PowerPoint Präsentation, Verweisen, Zitaten, einem freien Vortrag und einer ausführlichen Diskussion im Plenum am Ende. Damit war es komplett anders als die anderen Vorträge bisher. Der Kurs und die Dozentin waren sehr angetan vom Inhalt und der Struktur des Referats, vor allem aber von der Diskussion, die kein Ende fand. Einige Kommilitonen und die Dozentin erklärten, dass sie diese Erkenntnisse in ihre Arbeit einfließen lassen wollen. Genauso war ich von vielen Textkommentaren der französischen Kommilitonen beeindruckt, die viel detaillierter und umfangreicher waren, als ich es das von den Literaturkursen an der JGU kannte. Generell bin ich überzeugt, dass dieser Austausch sehr wertvoll für beide Seiten ist.

Ich blicke sehr gerne auf meine Zeit in Lyon zurück. Ich habe viel mitgenommen, viele wichtige Erfahrungen gesammelt, von denen ich profitieren werde. Ich habe viele Freunde aus ganz Europa kennen gelernt. Ich kann also jedem ein Erasmussemester nur empfehlen.

 

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Fourvière

 

  Römisches Theater auf dem Fourvière Hügel
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  Croix-Rousse

 

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Pura vida! Erste Tage in Costa Rica

Pura vida! Diesen Ausruf höre ich hier allenthalben. Was er bedeutet? Das fällt nicht leicht zu beantworten. Die Ticos benutzen ihn zur Begrüßung, zum Abschied, um sich aufzuheitern, um ihre Lebensweise auszudrücken und für alles Positive.
Das ist dieses Land: Positiv. Die Ticos, wie sich die Costarricaner selbstneckend nennen, haben eine sehr optimistische Grundhaltung und helfen gerne, wo sie können. So habe ich sie und ihr Land kennengelernt.
Aber was mache ich hier eigentlich? Ich unterstütze als Praktikant das Auslandsbüro der Konrad Adenauer Stiftung. In meinen Tätigkeitsbereich fallen Übersetzungsarbeiten, weil nur eine von meinem fünf Kollegen und Kolleginnen deutsch spricht, tägliche Zeitungslektüre und Zusammenfassungen über aktuelle Themen, wie derzeit die 'Panama-Papers', Rechercheaufgaben und was für Veranstaltungen alles notwendig ist.
Die Konrad Adenauer Stiftung unterhält, wie alle großen politischen Stiftungen, Büros in vielen Ländern der Welt. Einige davon sind nur für das entsprechende Land zuständig, andere auch für mehrere Länder der Regio. Das Büro hier in Costa Rica ist außerdem zuständig für Panama, daher auch meine aktuellen Recherchen zu den Ermittlungsergebnissen im Falle 'Mossack und Fronseca'.
Wo lebe ich hier? Ich wohne in einer deutsch-tico WG, in der Hauptstadt San José. Der Vermieter ist ein sehr liebenswerter Mensch, der mit viel Geduld selbst die schlimmsten Schnitzer in der Sprache korrigiert und jeden Tag hilft, die Sprache auszubauen.
Durch ihn lerne ich die regionale Küche kennen und treffe viele nette Ticos, die nicht nur offen und interessiert sind, mehr zu erfahren, sondern gern Auskunft geben, welche Orte man in Costa Rica unbedingt besuchen sollte.
So war ich am vergangenen Wochenende in Puerto Viejo am Atlantik, einem kleinen Ort, den das karibische Lebensgefühl dominiert. Hier gibt es Strand, Sonne, Meer und das karibische Nachtleben. Nach der ersten Arbeitswoche durfte ich mir das gönnen. Zudem war am Montag traditioneller Feiertag, der dem Nationalhelden Juan Santamaria gewidmet ist.
Fazit nach den ersten Tagen: Costa Rica gefällt mir sehr gut. Die Früchte könnten nicht besser schmecken, ich fühle mich relativ sicher, auch wenn es einen Zeitpunkt gibt, ab dem ein Ausflug in weniger belebte Straße nicht empfehlenswert ist, und die Arbeit im Büro mit sehr netten Kollegen erfüllt mich mit Freude.
Gleichwohl habe ich gelernt: regelmäßiges Eincremen gegen die UV-Strahlung der Sonne hilft nachhaltig. Ansonsten wird nicht nur das Tragen von langer Kleidung zu einer schmerzhaften Angelegenheit.

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Vorlesungsfreie Zeit in Kanada, oder von -20 auf +30 Grad in nur drei Stunden

Bonjour tout le monde,
mittlerweile habe ich die Hälfte der insgesamt 8 Monate Kanada hinter mir. Vor einer Woche hat das zweite Trimester begonnen, nachdem wir uns über die Feiertage für knapp drei Wochen erholen konnten. Die Schlussphase des vorangegangenen Semesters war sehr anstrengend, da ich gleich zwei sehr umfangreiche Hausarbeiten abgeben und mehrere Klausuren und Präsentationen innerhalb einer Woche abgeben bzw. halten musste.
Im Rahmen meiner Mittelalterhausarbeit habe ich mich mit der Person Guillaume de Machaults, einem französischen Musiker, Poeten aber auch königlichen Berater beschäftigt. Als Quelle diente mir der Confort d’Ami, ein von ihm verfasstes und an Charles II. König von Navarra adressiertes Gedicht. Hierin zeichnet der Poet ein sehr genaues Bild des, seiner Meinung nach, idealen Herrschers. Das Gedicht reiht sich somit in die lange Tradition der Prinzenspiegel ein und gibt Aufschluss über die politischen Ideen Machaults.
Bei meinen Recherchen hierzu hat es mir besonders gefallen, dass der Confort fast ausschließlich nur aus literaturwissenschaftlicher Perspektive untersucht, kaum aber von Historikern in Augenschein genommen wurde. Daher hatte ich das Gefühl wirklich einen kleinen Teil zur Historiographie beitragen zu können.
Ähnlich verhielt es sich mit meiner zweiten Hausarbeit, die ich im Modul Neueste Geschichte im Rahmen meines Kurses Religion et Violence angefertigt habe: Hierfür habe ich mich mit dem Verhältnis des IS und der Minderheit der Yeziden auseinandergesetzt. Meines Erachtens nach lag die Herausforderung darin, dass ich eine geschichtliche Arbeit über ein brandaktuelles Thema verfassen musste, zu dem verständlicherweise erst sehr wenige Historiker geforscht haben. Letztendlich habe ich es geschafft eine geschichtswissenschaftlichen Herangehensweise anzunehmen und bin froh auch diese Erfahrung gemacht haben zu können.
Zu Beginn der Ferien bin ich mit einer Freundin nach New York gefahren. Das geht von Montreal relativ problemlos und auch günstig mit dem Bus. Pünktlich zu Heiligabend habe ich mich in Sherbrooke eingefunden um mit Freunden, die ebenfalls in Kanada geblieben sind, bei einem Raclette gemütlich beisammen zu sein. Überraschenderweise hatten wir leider keine weiße Weihnacht, sondern sonnige 16 Grad- PLUS, wohlgemerkt.
Der Wintereinbruch kam dann zu einem sehr ungelegenen Moment, nämlich an dem Tag, an dem Ida, ebenfalls eine Cursusstudentin, und ich nach Kuba fliegen wollten. Glücklicherweise sind die Arbeiter am Montrealer Flughafen Wind und Wetter gewohnt, sodass der Flieger, mit Verspätung zwar, doch noch Richtung Sonne abgehoben ist.
Havanna hat mich direkt verzaubert: Die kilometerlange Uferpromenade, die Straßenmusiker, die zahlreichen, noch von der Zeit vor dem amerikanischen Wirtschaftsembargo zeugenden Oldtimer, die stattlichen, aus Kolonialzeit stammenden Anwesen, all die bunten Fassaden, die im Sonnenlicht um die Gunst der vielen Touristen aus aller Herren Länder zu wetteifern scheinen, ihre Bewohner, die wahre Überlebenskünstler sind und die mit ihrem Einfallsreichtum all den Widrigkeiten trotzen, die das Leben in einem autoritären Staat mit sich bringt.
Die beste Möglichkeit in Kuba gut unterzukommen, sind die weitverbreiteten casa particular, das sind von Einheimischen vermietete Zimmer und Wohnungen. So war es uns möglich wenigstens ein wenig in das Leben der Kubaner einzutauchen. Ines, unsere Gastgeberin in Havanna, hat uns am Silvesterabend zum Familienessen eingeladen. Hierfür wurde ein typisches kubanisches Gericht serviert: Reis mit schwarzen Bohnen, Hühnchen, Yucca- Wurzel, dazu ein Thunfischsalat. Die Kubaner feiern das neue Jahr eher im Kreise der Familie, ungewöhnlich leise und unspektakulär- selbst in der Millionenstadt Havanna hat man vergebens auf ein Feuerwerk gewartet.Das liegt vielleicht daran, dass man stattdessen die Meeresbrise genießend das ewig leuchtende Sternenzelt bestaunen kann, eine Zigarre in der einen und ein Glas Cuba libre in der anderen Hand.
Der 1. Januar ist in Kuba nicht nur Neujahrstag, sondern vor allem Jahrestag der kubanischen Revolution von 1959, die der Batista-Diktatur ein Ende bereitet hat und in Folge derer die „Diktatur des Proletariats“ eingerichtet wurde. Die „Helden“ jener Tage sind allgegenwärtig: So thronen sie etwa als Statuen und Fassadenverzierungen über dem geschäftigen Treiben der Hauptstadt.
Wir haben es uns nicht nehmen lassen, trotz des herrlichenn Wetters in das nicht klimatisierte Revolutionsmuseum zu gehen und haben ganz konkret lesen dürfen, wie staatliche Propaganda in Kuba funktioniert. Eine oberflächliche linguistische Analyse der Beschreibungen der Ereignisse reichte bereits aus, um sich bewusst zu werden, dass dies eine einseitige Ausstellung werden würde.
Während unserer gesamten Reise ist uns mehr oder mehr aufgefallen, dass das Konzept der Planwirtschaft in Kuba praktisch nicht funktioniert. Man muss für die kleinsten alltäglichen Besorgungen anstehen, das Sandwich in der Stammcafeteria kann nicht jeden Tag mit Tomaten belegt werden, da es heute einfach mal keine Tomatenlieferung gab etc.
Über diese Mängel kann man als Tourist, der sich nur für eine bestimmte Zeit im Land aufhält, gut und gerne hinwegsehen, kompensieren doch die Traumstrände, das türkisfarbene Meer und die tropische Vegetation den Verzicht auf so manche Annehmlichkeit, die man von zu Hause kennt.
Der Flug nach Hause kam dann auch schneller als erwünscht und so landeten wir, gut erholt, aber wehmütig im schneeweißen und kalten Montreal, um für die zweite Halbzeit in Kanada anzutreten, davon dann im nächsten Bericht mehr.

 

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Dies ist ein Volk ohne Geschichte und ohne Literatur…

...mit diesen Worten beschrieb Lord Durham, britischer Gouverneur in Nordamerika, die französischsprachigen Kanadier, als diese sich 1837 gegen die britische Kolonialherrschaft erhoben.
Dass Lord Durham damit nicht richtig lag, darf ich hautnah miterleben, denn seit zwei Monaten studiere ich Geschichte und Französisch in Kanada, Quebec, Sherbrooke- und fühle mich bereits pudelwohl.
Mein neues Zuhause, etwa 15 Minuten zu Fuß vom Campus der Uni Sherbrooke entfernt, teile ich mir mit einem Kater und zwei Frankokanadiern. Das heißt, ich bekomme meine tägliche Dosis Québécois auf jeden Fall. Bevor ich hier ankam, konnte ich es mir nur schwer vorstellen, dass ich Probleme damit haben könnte, Menschen, die Französisch sprechen, zu verstehen. Allerdings sollte ich bereits am Flughafen in Montreal eines Besseren belehrt werden, denn die Wegbeschreibung des netten Busfahrers habe ich 0,0 verstanden.
Auch in den Kursen ist es nicht immer leicht meinen Mitstudis zu folgen, aber ich habe mich auch schon dabei ertappt, einige Wörter à la Québecoise auszusprechen, was mich darauf hoffen lässt, Ende April 2016 diese Varietät des Französischen verinnerlicht zu haben.
Insgesamt belege ich dieses Trimester 5 Kurse: Einen Kurs in Quebecer Literatur, einen Englischsprachkurs, und je einen Geschichtskurs in Mittelalterlicher (Wissen und Macht im Mittelalter), Moderner (Kanadische Geschichte bis 1840) und Neuester Geschichte (Religion und Gewalt in der Zeitgeschichte). Ich habe mich nicht nur geographisch, sondern auch inhaltlich von Europa entfernt, was auch einer der Gründe war, warum ich in Kanada weiterstudieren wollte.
Bisher bin ich sehr zufrieden mit meiner Kurswahl und arbeite wirklich gerne an all den Aufgaben, die ich im Wochentakt abliefern muss. Ich glaube, das liegt auch daran, dass die Arbeitsaufträge so unterschiedlich sind und es mir erlauben, mich auf ganz verschiedenen Ebenen weiter- und Kompetenzen auszubilden.
So arbeite ich gerade an einer fiktiven Aktualisierung der Biographie von Etienne Brulé, wie sie im Wörterbuch kanadischer Biographien geführt wird. Meine Aufgabe besteht darin, zu recherchieren, ob sich und was sich am Forschungsstand seit der Erstellung des Eintrags geändert hat.
Etienne Brulé, ein Franzose, lebte nach seiner Ankunft in Kanada mit den huronischen Ureinwohnern zusammen und wurde als vollwertiges Mitglied in die Gemeinschaft aufgenommen, schließlich aber unter nicht genau geklärten Umständen von ihnen umgebracht und verspeist. Vielleicht gelingt es mir ja, in den Tiefen irgendeines Archivs Licht in das Dunkel seines Umkommens zu bringen.
Diese Woche habe ich auch bereits sogenannte mi-session examens geschrieben. In Geschichte war die Klausur in 2 Teile gegliedert. Der erste Teil bestand darin, einen Fragenkatalog sehr präzise zu beantworten, während wir im zweiten Teil eine Dissertation zu einer Frage anfertigen und zwei kurze Quellenanalysen unter Beachtung einer Fragestellung durchführen mussten.
Meine Literaturklausur direkt im Anschluss verlangte mir mehrere Analysen von Texten Neufrankreichs bis zum 1900 Jahrhundert ab. Aber auch theoretische Konzepte hinter der literarischen Produktion der Zeit wurden abgefragt.
Neben meinen Verpflichtungen genieße ich auch das Studentenleben in vollen Zügen. Und das geht auf dem Campus ziemlich gut: Jede Woche finden an vielen Fakultäten sogenannte 5@8/11 statt, (das heißt, dass die Sause von 17 bis 20h/23h geht)die dann in Bars außerhalb des Campus ausklingen. Mich hat das Konzept, Parties (unter der Woche) bereits nachmittags zu beginnen, ganz und gar überzeugt, da man nicht allzu spät Heim kommt und den nächsten Tag ausgeschlafen beginnen kann. Bis vor einigen Wochen fanden die 5@8 im Freien statt, mittlerweile sind wir aber nach drinnen umgezogen, obwohl es noch gar nicht so kalt ist.
In Kanada ist es nicht gestattet, Alkohol in der Öffentlichkeit zu konsumieren. Anlässlich der Parties erhalten die Fachschaften eine Sondererlaubnis für ausgewiesene Zonen. Daran habe ich mich bisher noch nicht gewöhnen können und finde es auch ziemlich verwunderlich, warum dieses von 1901 stammende Gesetz immer noch in Kraft ist, vor allem innerhalb eines so trinkfreudigen Völkchens. Hier in Quebec kommt hinzu, dass faktisch nie die Prohibition in Kraft trat (als einzige Region in ganz Nordamerika!) und trotzdem wird es nicht gerne gesehen, sich noch ein Wegbier zu gönnen.
Weggefahren bin ich das eine oder andere Mal auch. Beispielsweise nach Québec City, die für eine Geschichtsstudentin natürlich besonders attraktiv ist, da man auf den Spuren des Beginns französischer Kolonisierung in Nordamerika wandeln kann. Dass ich mich eigentlich in einem größtenteils englischsprachigen Land befinde, habe ich erst mit meiner Ankunft in Toronto gemerkt, als mir das erste How are you doing? Zu Ohren kam. Neben den sprachlichen sind mir auch andere kleinere Unterschiede zu Québec aufgefallen: Dort werden fast ausschließlich nur französische Weine beworben und getrunken, während in Toronto sehr viel lokale Weinerzeugnisse angepriesen wurden. Ebenso gibt es in Québecer Supermärkten eine größere Käseauswahl, als in Toronto beispielsweise. Und an Stelle der omnipräsenten Poutine in Québec, wird einem in Toronto an jeder Straßenecke ein Hotdog angeboten.
Aufzuzeigen, dass die Provinz Québec sich derartig vom Rest Kanadas unterscheidet und konsequenterweise einen unabhängigen Staat Québec formen sollte, hat die Partei des Bloc Québecois anlässlich der kanadischen Parlamentswahlen propagiert. Mein Mitbewohner, der für die Kandidatin des Blocs Wahlkampfhelfer war, hat mir erklärt, dass der (für ihn) größte und unüberbrückbare Unterschied in der Art der Regierungsführung liege. So kritisiert er beispielsweise, dass die (nun nicht mehr aktuelle) Regierung in anglophoner Tradition viel mehr Budget für den Militäretat etc. vorsieht, als es eine frankophon geprägte Volksvertretung tun würde.
Momentan scheint diese Meinung nicht mehrheitsfähig in der Québecer Bevölkerung zu sein. Denn so haben sie, wie der Rest Kanadas auch, mit der Wahl Trudeaus zum Premierminister für einen politischen Wechsel gestimmt. Justin Trudeau, Sohn des sehr populären und québecer Premierministers Pierre Trudeau, hat bereits klar gemacht, dass es mit ihm ein autonomes Québec nicht geben werde. Somit tritt er in die Fußstapfen seines Vaters, der damals darauf bestand, dass ein losgelöstes Québec das letzte sei, was er sich für Kanada und für Québec wünsche.

Ich hoffe, dass euch mein Beitrag gefallen hat und ihr die noch kommenden auch lesenswert findet!

Liebe Grüße

Filiz

PS: Für die frankophonen LeserInnen unter uns, habe ich euch den Link zu einem Artikel beigefügt, den ich für die Campus Zeitung verfasst habe und in dem ich von meinen ersten Erfahrungen berichte 🙂

http://www.lecollectif.ca/le-quebec-cest-correct/

 

 

Herbstspaziergang in Sherbrooke
Yeah, eingeschrieben!
Mein zweites Zuhause 🙂
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Der Campus in Sherbrooke

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Quebec City
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Das alte Rathaus in Toronto
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Die Niagara- Fälle!!

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Halloween feiert man natürlich auch in Québec 🙂
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Erfahrungsbericht, Université de Bourgogne 2014/15, Dijon

Ich hatte wirklich eine tolle Zeit in Frankreich. Ich habe viele neue Leute kennengelernt mit denen ich auch weiterhin in Kontakt bleiben werde. Im Folgenden möchte ich nochmal auf einige Punkte meines Aufenthaltes näher eingehen.

  1. Vorbereitung

Bevor es nach Frankreich geht, gibt es in Deutschland noch einiges zu tun. Nachdem man einen Erasmusplatz erhalten hat, muss man sich auch nochmal an der Université de Bourgogne bewerben. Diese Bewerbung beinhaltet einen Ausdruck der Online-Bewerbung

(+ einem Passfoto), dem ausgefüllten Learning Agreement, einem Lebenslauf und Motivationsschreiben (auf französisch oder englisch) und dem ausgedruckten Antrag für die Reservierung eines Zimmers im Wohnheim ( sofern man eines möchte). Ich empfehle jedem anzukreuzen, dass man einen französischen Tutor haben möchte. Das ist ein französischer Student/in, der/die einem bei den ersten Schritten an der Universität usw. behilflich ist. Leider kann nicht jeder Erasmusstudent so einen Tutor bekommen. Ich hatte leider kein Glück gehabt, aber von anderen habe ich gehört, dass diese Tutoren eine super Unterstützung am Anfang waren.

  1. Ankunft

Ich hatte das Glück, dass meine Eltern mich mit dem Auto nach Dijon gefahren haben (ca. 5-6 Stunden Fahrt). Im Vorfeld habe ich auf einigen Internetseiten lange gesucht und letztlich auch eine Gastfamilie gefunden. Durch die Städtepartnerschaft und die Partnerschaft der beiden Universitäten gibt es einige Möglichkeiten eine Familie zu finden. Dabei behilflich ist auch das Dijonbüro, der Uni-Mainz. Nach Beginn des Semesters hatte ich ungefähr vier Wochen Zeit um mich an der Uni einzuschreiben. Folgende Dokumente habe ich dazu benötigt:

  • das ausgefüllte „Dossier d’Inscription Administative“ (bekommt man vorher von der Uni zugeschickt)
  • 2 Passfotos
  • eine Erasmus-Teilnahmebestätigung
  • eine Kopie des Studierendenausweises der Heimatuniversität
  • ein Nachweis der Krankenversicherung (ich habe die Vorder- und Rückseite meiner Krankenkassenkarte kopiert)

Als ich alle Unterlagen zusammen hatte musste ich in das Pôle AAFE (dieses Gebäude befindet sich direkt auf dem Campus) und bekam dann meinen Studierendenausweis, mit dem ich in der UB Bücher ausleihen und in der Mensa bezahlen konnte.

  1. Wohnen

Da ich wie bereits erwähnt bei einer Gastfamilie untergebracht war, kann ich leider zu den Wohnheimen nicht viel sagen. Die folgenden Informationen habe ich von anderen Studenten bekommen. Die Wohnheime, in denen in der Regel die ausländischen Studenten untergebracht werden, sind Mansart, Montmuzart und Beaune. Sie befinden sich alle auf dem Campus. Die Zimmer sind ungefähr 10m2 und sind ausgestattet mit einem Schreibtisch, Kleiderschrank, Regal, Waschbecken und einem Bett. Auf dem Flur befindet sich eine Gemeinschaftsküche (mit einer Spüle, Mikrowelle und mehreren Kochplatten) und mehreren Kühlschränken, die man sich mit anderen teilen muss. Kochgeschirr muss man sich selber mitbringen. In jeder Residenz gibt es die Möglichkeit W-LAN zu nutzen. Man muss sich nur in der Résidence Mansart registrieren lassen und dann bekommt man seinen Benutzernamen und sein Passwort.

Jeder Student hat in Frankreich den Anspruch auf Wohngeld. Das kann man beim CAF beantragen. Da die Bearbeitung unter Umständen mehrere Monate dauern kann, sollte man sich frühzeitig darum kümmern. Man benötigt unter anderem einen ausgedruckten Onlineantrag, internationale Geburtsurkunde, Lohnbescheid, etc. Zusätzlich benötigt man für die Beantragung ein französisches Bankkonto.

  1. Auswahl der Kurse

Ein weiterer Schritt ist die Auswahl seiner Kurse. Eine Übersicht findet man vor Beginn des Semesters auf der Homepage der Université de Bourgogne. Direkt am ersten Tag des Semesters gibt es eine Vorstellung der Professoren und ihrer Kurse. Der Fachkoordinator für das Fach Geschichte ist Monsieur Rauwel. Er hilft bei der Auswahl der Kurse und steht bei allen anderen Fragen mit Rat und Tat zur Seite. Von ihm bekommen die Erasmus-Studenten am ersten Tag ein Dokument, auf dem man seine Kurse eintragen muss. Dieses Dokument ist speziell für die dortige Uni bestimmt. Das zuständige Sekretariat befindet sich im 1.Stock des Gebäudes Droit et Lettre. Monsieur Thierry Fallet ist ebenfalls sehr freundlich und nimmt sich viel Zeit für die Anliegen der Studenten.

Das Kursangebot ist nicht so vielfältig wie in Mainz. Studenten besuchen nur Kurse, die ihrem Studienjahr entsprechen, also L1, L2 oder L3. Als Erasmus-Student hat man die Möglichkeit Kurse aus allen Bachelorjahren zu wählen. Ich hatte vornehmlich Kurse aus L1 und L2 gewählt. Der Ablauf der einzelnen Veranstaltungen ist schon sehr unterschiedlich im Vergleich zu Deutschland. Es gibt Vorlesungen (CM= cours magistral), in denen es vorkommen kann, dass der Professor über die gesamte Vorlesung aus seinem Skript vorliest. Power Point Präsentationen sind nur sehr selten, ebenso Fragen der Studenten. Die Seminare (TD= travaux dirigés) sind mit den Proseminaren vergleichbar. Die Art und Weise der Präsentationen von Referaten ist ein weiterer Unterscheidungspunkt. Häufig bereiten französische Studierende einen Fließtext vor, den sie dann einfach nur vorlesen.

  1. Sprachkurs

Falls man seine Französischkenntnisse ein bisschen auffrischen möchte, gibt es dazu die Möglichkeit am CIEF auf dem Campus. Es gibt verschiedene Angebote, von ganzen Semesterkursen bis zu Intensivkursen von zwei Wochen. Am Anfang findet ein Einstufungstest statt, der als Grundlage für das zu besuchende Niveau gilt. Ich habe selbst einen solchen Kurs besucht und kann es zu 100% empfehlen.

  1. Freizeitgestaltung

Dijon hat kulturell wirklich einiges zu bieten. Ich empfehle jedem sich eine Carte de culture zu kaufen. (sie kostet 5 Euro und kann im Maison de l’étudiant oder auch im Rathaus erworben werden). Mit ihr kann man ins Theater, auf ein Konzert oder auch in die Oper für nur 5,50 Euro gehen. Dijon ist wirklich eine sehr schöne Stadt mit einigen Sehenswürdigkeiten wie z.B. dem Palais de Ducs, viele alte Kirchen und Häuser, die man besichtigen kann. Langweilig wird es auf alle Fälle nicht.

Die Museen sind alle kostenlos in Dijon. Am bekanntesten ist sicherlich das Musée des Beaux Arts, welches wirklich einen Besuch wert ist.

  1. Fazit

Ich blicke sehr positiv auf meine Zeit in Dijon zurück. Zum einen ist die Stadt wirklich toll und man kann jeden Tag etwas Neues entdecken. Die Professoren an der Uni waren wirklich sehr nett und hilfsbereit. Ich kann jedem nur empfehlen nach Dijon zu kommen.

Falls ihr Fragen habt, könnt ihr mir jederzeit eine Mail schreiben:

benjaminpfannes@t-online.de

Benjamin Pfannes

Einige Impressionen von Dijon:

 

 

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Manahoana aus Madagaskar!!!

Hallöchen! Einige tausend Kilometer entfernt und um einige Erfahrungen reicher, schreibe ich heute meinen ersten Beitrag von Madagaskar aus. Dem geschäftigen Treiben vor meiner Haustür lauschend, die Strahlen der afrikanischen Sonne genießend. Es brauchte wohl so einen besonderen Moment, um die letzten Wochen rekapitulieren zu können. Seit Ende Mai bin ich nun in der Hauptstadt der großen Insel, Antananarivo, kurz und liebevoll Tana genannt. Ich werde noch bis Anfang September bleiben, um ein Praktikum im lokalen Auslandsbüro der Friedrich-Ebert Stiftung zu machen. Auf Madagaskar verfolgt die Stiftung vor allem das Ziel einen politischen Diskurs zwischen den einzelnen Akteuren zu stimulieren und dabei vermittelnd einzuwirken. Den politischen Parteien etwa fehlt oft eine ideologische Basis, sie verfolgen keine klaren politischen Zielen und stützen sich allzu häufig auf einen „homme providentiel“ den starken Mann, der alles zum Guten wendet und dabei vielleicht nicht immer auf die Einhaltung der Verfassung achtet. Ein solches politisches System ist extrem instabil. Im Jahr 2009 putschte der damalige Bürgermeister Tanas, Andry Rajoelina mithilfe des Militärs gegen den 2006 gewählten Präsidenten Marc Ravalomanana und ernannte sich selbst zum Chef der Übergangsregierung. Da diese international nicht anerkannt wurde, entzog die internationale Gemeinschaft Madagaskar jegliche Entwicklungshilfe. Das Land gehört zu den ärmsten der Welt, besonders die „einfache“Bevölkerung leidet sehr unter der politischen und wirtschaftlichen Isolation. Erst mit der Wahl des amtierenden Präsidenten Hery Rajaonarimampianina Anfang 2014 konnte diese Krise überwunden werden. (Das heißt allerdings nicht, dass sich das System stabilisiert hat, Ende Mai hat die Mehrheit der Abgeordneten verfassungskonform die Absetzung des Präsidenten gefordert, da sie ihn beschuldigen, die Verfassung mehrfach gebrochen zu haben. Der Haute Cour Constitutionnelle, dem die Entscheidung darüber obliegt, hat dies mittlerweile abgelehnt).
Trotzdem hat sich an der Armut der Menschen nicht viel geändert. Jede/r zweite/r Inselbewohner/in lebt von weniger als einem Euro am Tag. Hinzu kommt, dass dieser Euro nicht etwa in geregelten Arbeitsverhältnissen erwirtschaftet wird, sondern vielmehr auf einem täglichen „Erfindungsreichtum“ basiert, was man denn heute verkaufen oder anbieten könnte. Oft bleiben diese Anstrengungen ohne Erfolg und man hat nicht einmal den einen Euro verdient. Auch für jene die einen Hochschulabschluss haben, bietet der Arbeitsmarkt weder genügend, noch ihrer Ausbildung entsprechende Stellen.
Das Flaggschiff der FES Madagaskar ist das YLTP das Youth Leadership Trainee Program, das junge und vor allem engagierte Menschen ein Jahr lang unter diversen Gesichtspunkten weiterbildet und sensibilisieren möchte, damit sie die Zukunft des Landes einmal in eine bessere wandeln können. Ein Teil dieses Programms sieht beispielsweise Studienreisen innerhalb des Landes, aber auch in andere Länder, vor. Ich hatte die Möglichkeit die YLTP’s auf ihrer binnenländischen Reise nach Antsirabe, Ambositra und Antoetra zu begleiten. Thema der einwöchigen Reise war Identität und Kultur. Vor Ort wurden Debatten zur Dezentralisierung und regionalen Themen veranstaltet. Mein persönlicher Höhepunkt war der Besuch des kleinen Dorfes Antoetra, das zum UNESCO Kulturerbe gehört, bzw. das Wissen der Dorfbewohner, Häuser komplett aus Holz zu bauen, ohne dabei auch nur einen einzigen Nagel zu verwenden. Auch wenn Tana keinesfalls als eine moderne Stadt bezeichnet werden kann, war der Kontrast, zwischen der Hauptstadt und diesem Dorf, enorm. Die Menschen leben ohne Strom, ohne fließendes (geschweige denn warmes) Wasser, ohne sanitäre Anlagen und sehr abgeschieden von der nächstgrößeren Stadt. In dieser Umgebung hat sich das jahrhundertalte Wissen des Holzhäuserbaus konserviert.
Mehr als 80 Prozent der madagassischen Bevölkerung lebt so, wie die Bewohner/innen Antoetras. Daher bot sich mir ein viel authentischeres Bild der Lebensrealität auf der Insel, das mir Tana nicht vermitteln kann. Wir sind mit den Dorfbewohner/innen ins Gespräch gekommen, haben zugeschaut wie sie alles Mögliche aus Holz herstellen, wie das Zusammenspiel zwischen weltlicher und traditioneller Verwaltung funktioniert (der Bürgermeister als Vertreter der politischen Verwaltung und des Dorfältesten als traditionelles Oberhaupt der Gemeinschaft) und haben uns auch nützlich gemacht, indem wir den Tafeln der Schule einen neuen Anstrich verpasst, Spiele für die Kinder organisiert und abends auch einen Film über Madagaskar gezeigt haben. Ich als einzige nicht madagassische Besucherin, wurde besonders genau unter die Lupe genommen. Während einer kleinen Feedbackrunde am Nachmittag versammelten sich immer mehr neugierige Kinder, die ihren Kreis stets enger um mich zogen, bis sie letztendlich auf meinem Schoß saßen, meine Kamera bestaunten und mit mir zu reden begannen. Das war wirklich ein sehr schöner Moment eines insgesamt sehr aufregenden Tages, der seinen Abschluss in einer Nachtwanderung durch die madagassische Wildnis fand.
Mit den Eindrücken, die ich auf dieser Reise sammeln durfte, könnte ich noch Seiten füllen, allerdings möchte ich auch den anderen Ereignissen, die sich in meinem Alltag in Tana abspielen, einen Platz in diesem Beitrag einräumen: Bevor ich im Büro der FES meine Arbeit beginne, besuche ich einen Madagassisch-Sprachkurs. Meine Arbeitssprache ist zwar Französisch, allerdings wird dieses Relikt der Kolonialzeit nur von sehr wenigen Menschen wirklich gesprochen. Vor allem bei täglichen Besorgungen auf dem Markt oder beim Busfahren, bin ich darauf angewiesen wenigstens Grundkenntnisse in der Landessprache zu haben, um mich verständigen zu können. Auch viele unserer Aktivitäten vor Ort, wie etwa öffentliche Debatten, werden auf Madagassisch gehalten, ebenso sprechen meine Kollegen/innen im Büro die meiste Zeit in ihrer Muttersprache, es sei denn sie reden mit mir oder dem Büroleiter, der auch deutsch ist.
Eine der vielen madagassischen Besonderheiten im Vergleich zum afrikanischen Festland, ist die Tatsache, dass Madagassisch die gemeinsame und theoretisch auch verbindende Sprache der Inselbewohner/innen ist. Es gibt zwar phonetische Unterschiede von Region zu Region, allerdings können sich die Menschen mithilfe einer einzigen Sprache verständigen. Leider hat dieser große Vorteil der gemeinsamen Sprache noch nicht als Bindeglied funktionieren können. Die Madagassen/innen verstehen sich nicht als ein Volk, sie betonen ihre regionalen Unterschiede, ihre Bräuche und ihre Herkunft. Phänotypisch kann man zwischen zwei Hauptgruppen unterscheiden: Der asiatischen und der afrikanischen. Je weiter man an die Küsten kommt, umso afrikanischer/dunkler sehen die Menschen aus. In der Hauptstadt Tana im Hochplateau trifft man vor allem den asiatisch/indonesischen Typen an.
Die französische Kolonialmacht hat sich auf diese äußerlichen Unterschiede gestützt und eine Unterteilung in „höherwertige bzw. minderwertige“ Ethnien vorgenommen. Hierbei galt natürlich das Motto: Je heller, desto wertvoller. Dies diente den Franzosen um ihre eigenen Herrschaftsansprüche zu festigen und sich dabei auf eine einheimische Ethnie zu stützen. Die Auswirkung dieser Unterteilung zeigt sich heute in einem innermadagassischen Rassismus, der zwar nicht mit erst mit den Methoden der Kolonialisten Einzug auf der Insel hatte, der sich dadurch aber fester in den Köpfen verankern konnte. Diese Vorurteile zu überwinden, ist sicherlich eine der wichtigsten Aufgaben der Madagassen/innen.
Ich hingegen backe erstmal kleinere Brötchen: Zu meinen täglichen Aufgaben gehörte es bisher, die Facebookseite der FES Madagascar täglich mit Zeitungsartikeln, Bildern und Veröffentlichungen zu füttern, Eventkonzepte nach Vorgaben zu korrigieren und von Französisch auf Englisch zu übersetzen, falls ausländische Referenten eingeladen sind. Auch das Recherchieren zu Themen, je nach inhaltlichem Schwerpunkt der Veranstaltung (bspw. Migration und Xenophobie, Gender Mainstreaming in afrikanischen Wahlkontexten oder aber der Entwicklung eines afrikanischen Industriestaates) gehört zu meinen Aufgaben. Aus den gesammelten Texten wird im Anschluss ein Reader erstellt, der eine kurze Einführung in die Themen bieten soll. Momentan lese ich eine Publikation, die sich mit Methoden der Industriepolitik in Afrika beschäftigt, um diese dann nach Ländern sortiert, zusammenzufassen. Nebenher fallen natürlich auch organisatorische und logistische Aufgaben an, so hole ich etwa verschiedene Preisangebote für Saalmieten etc. ein. Oft bin ich auch außerhalb des Büros unterwegs, wie bspw. bei einem Empfang der amerikanischen Botschaft zum Thema Gleichberechtigung von Homosexuellen und Transgenders vor ein paar Tagen. Ich hatte auch die Möglichkeit mir die Nationalversammlung anzuschauen und bei einem Gespräch zwischen dem Büroleiter und dem Vizepräsidenten der Versammlung dabei zu sein. Kurzum, bisher war jeder Tag anders und sehr spannend und ich freue mich auf die nächsten zwei Monate, von denen ich hier natürlich hin und wieder berichten werde!
PS: Falls ihr Fragen zu Madagaskar oder auch zu einem Praktikum bei der FES habt, scheut euch nicht davor, mir auf filiz.m.yildirim@gmail.com zu schreiben!
Bis bald  !!

PPS: Nein, auf Madagaskar gibt es keine Pinguine!

Mit selbstgebastelten Laternen zum Nationalfeiertag haben wir besonders den kleinen Dorfbewohner/innen für ihre Gastfreundschaft gedankt!
Mit selbstgebastelten Laternen zum Nationalfeiertag haben wir besonders den kleinen Dorfbewohner/innen für ihre Gastfreundschaft gedankt!
Alle Lemurarten Madagaskars sind endemisch, das heißt sie existieren nur auf der Insel. Hier ein besonders süßer Vertreter seiner Art!
Alle Lemurarten Madagaskars sind endemisch, das heißt sie existieren nur auf der Insel. Hier ein besonders süßer Vertreter seiner Art!
Ein YLTP in Aktion!
Ein YLTP in Aktion!
So sehen die Holzbauten Antoetras aus!
So sehen die Holzbauten Antoetras aus!
Blick auf Reisfelder: Reis ist DAS Grundnahrungsmittel überhaupt. Er wird bereits zum Frühstück gegessen!
Blick auf Reisfelder: Reis ist DAS Grundnahrungsmittel überhaupt. Er wird bereits zum Frühstück gegessen!
Hier werden die typischen Verzierungen in einen selbstgebauten Schrank eingearbeitet.
Hier werden die typischen Verzierungen in einen selbstgebauten Schrank eingearbeitet.
Im botanischen Garten Tanas: Tsimbazaza!
Im botanischen Garten Tanas: Tsimbazaza!
Auf Mada lohnt es sich, auch mal genauer hinzuschauen !
Auf Mada lohnt es sich, auch mal genauer hinzuschauen !
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