Eine Deutsche in Valencia – oder ein Gefühl von "Heimat" in Spanien

Buenas días a todos,

Es wäre entschieden gelogen, wenn ich schreiben würde, dass ich nach dem kalten, regnerischen, hektischen Deutschland Heimweh hätte, doch muss ich nach knapp drei Monaten zugeben, dass mir ein paar Kleinigkeiten durchaus fehlen.

Angefangen mit Freunden und Familie, ist es unter anderem das Essen, dass ich langsam beginne zu vermissen. Natürlich sind Tapas und Paella nicht zu verachten und ausgesprochen lecker, doch ab und zu ein gutes Schwarzbrot, Kartoffelsalat oder Frikadellen wären auch nicht schlecht. Hatte ich in Deutschland Hunger auf Spätzle mit Bohnen und brauner Soße, bin ich kurz beim Rewe vorbeigegangen und habe es mir eben gekauft. So musste ich nur ein wenig Wasser erhitzen, Tüte aufreißen und zwei- bis dreimal das Soßenpulver umrühren. Guten Appetit!

So leicht ist es hier in Valencia leider nicht! Zwar habe ich unter großem Jubel einen Aldi Nord und einen Lidl entdeckt, doch ist das Sortiment (leider) an den spanischen Gaumen angepasst und bietet nur wenige deutsche Köstlichkeiten. Dementsprechend komme ich mit nunmehr 21 Jahren nicht umhin, selber richtig kochen zu lernen. Dies gelingt mal mehr oder weniger, aber immer mit tatkräftiger Unterstützung anderer Studenten, die von den gleichen Problemchen geplagt werden.

Solche kleinen Unannehmlichkeiten, an die man vorher nicht denkt, begegnen einem nur zu oft während eines Auslandsaufenthalt. Sollte man sich also dazu entscheiden, das Abenteuer eines Studiums „fern ab von zu Hause“ in Spanien anzutreten, muss man sich mit den Gedanken auseinandersetzen, dass man so einiges zurücklässt oder auch zurücklassen muss. In die letzte Kategorie fällt z.B. auch die deutsche Pünktlichkeit, mit der man in Spanien nicht weit kommt, oder mit der man sogar den Zorn der spanischen Mitbürger auf sich ziehen kann. An dieser Stelle sei also angemerkt, dass auch eine 15-minütige Verspätung häufig immer noch für viele Spanier zu früh ist. Auch die Angewohnheit um 18.30 Uhr zu Abend zu essen, sollte man in Deutschland zurücklassen. Sonst könnte es passieren, dass es schnell einsam am Esstisch wird.

Zwar scheint das Aufgezählte auf den ersten Blick unvereinbar mit dem deutschen Charakter, doch ist dies ein Irrtum. Mit ein wenig spanischer Gelassenheit schafft man es sehr schnell, sich in Valencia einzuleben. Auch gerade die viel gerühmte Gastfreundlichkeit der Spanier trägt ihr Übriges dazu bei, dass Heimweh so gut wie nie aufkommt. Und so kann ich jetzt schon nach nicht einmal der Hälfte meines Auslandsaufenthaltes sagen, dass ich mir kein besseres Land hätte aussuchen können!

En este sentido me despide,

Hasta Lugeo

Judith Perisic

 

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