Fritz Thyssen Stiftung

Dorothea Schlegels letzte Lebensjahre erschienen

Der Schriftstellerin Dorothea Schlegel (1764–1839), Lebensgefährtin und spätere Ehefrau des Mitbegründers der deutschen Romantik Friedrich Schlegel, ist der soeben erschienene 32. Band der Kritischen Friedrich-Schlegel-Ausgabe gewidmet. Die seit 2007 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) von Prof. Dr. Ulrich Breuer, Professor am Deutschen Institut der JGU, herausgegebene Ausgabe gehört zu den Großprojekten der Germanistik. Sie umfasst auch die Briefe von und an Friedrich und Dorothea Schlegel.

Der aktuelle Band dokumentiert die letzten zehn Lebensjahre von Dorothea Schlegel. Er wurde mit Unterstützung des Trier Center for Digital Humanities von Cosima Jungk, Anke Lindemann und Tim Porzer an der Arbeitsstelle Friedrich und Dorothea Schlegel an der JGU erstellt. Der Band bietet aufschlussreiches Quellenmaterial zum bisher kaum erforschten letzten Lebensjahrzehnt von Dorothea Schlegel, die sich nach dem plötzlichen Tod Friedrich Schlegels als dessen Nachlassverwalterin engagierte und sich für die postume Publikation seiner Werke einsetzte.

Der Briefband gewährt Einblicke in ihre vom Katholizismus geprägten Stellungnahmen zu damaligen politischen Entwicklungen, belegt ihre literaturkritischen Kompetenzen im Umgang mit Neuerscheinungen wie Karl August Varnhagens "Rahel. Ein Buch des Andenkens für ihre Freunde", Clemens Brentanos "Das bittere Leiden unsers Herrn Jesu Christi" oder Bettina von Arnims "Goethes Briefwechsel mit einem Kinde". Zudem dokumentiert der Band den Alltag der Schriftstellerin in der Familie ihres Sohnes Philipp Veit, des ersten Direktors des Städelschen Instituts in Frankfurt am Main.

Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Fritz Thyssen Stiftung

Mit dem Erscheinen des aktuellen Bandes (Band 32,1), der mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Fritz Thyssen Stiftung an der zum Deutschen Institut der JGU gehörenden Arbeitsstelle Friedrich und Dorothea Schlegel erstellt wurde, rückt der Abschluss der Kritischen Friedrich-Schlegel-Ausgabe ein großes Stück näher. Die Arbeit an der Gesamtausgabe wurde 1958 von Prof. Dr. Ernst Behler begonnen und später von Prof. Dr. Andreas Arndt fortgesetzt. In den kommenden Jahren soll Band 31 erscheinen, der die Briefe Friedrich und Dorothea Schlegels aus der Zeit von 1823 bis 1829 enthält.

Fritz Thyssen Stiftung finanziert Abschlussarbeiten an Band 32 der Kritischen Friedrich-Schlegel-Ausgabe

Die Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung hat Mittel für die Arbeiten am Abschluss von Band 32 der Kritischen Friedrich-Schlegel-Ausgabe (KFSA) bewilligt. Die Förderlaufzeit umfasst 18 Monate. Die bis zum 31. März 2025 laufende letzte Projektphase konnte bereits zum 1. Oktober 2023 starten.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrich Breuer werden an der Arbeitsstelle Friedrich und Dorothea Schlegel (FDS) in Mainz derzeit die verbleibenden Bände der Abteilung III – Briefe von und an Friedrich und Dorothea Schlegel in historisch-kritischer Edition für den Druck vorbereitet. Sie beinhalten die private und geschäftliche Korrespondenz des Romantiker-Ehepaares Friedrich und Dorothea Schlegel.

Im Zentrum des aus zwei Teilbänden bestehenden Bandes 32 steht Dorothea Schlegel. Der erste Teilband (KFSA 32,1) enthält die Briefe von und an Dorothea Schlegel zwischen 1829 und 1839. Ihre Korrespondenz nach dem Tod ihres Ehemannes Friedrich gewährt Einblicke in ihre Tätigkeit als Nachlassverwalterin und Hauptherausgeberin der Werke ihres Mannes ebenso wie in ihren Alltag als Familienoberhaupt in Frankfurt am Main. Die zu großen Teilen unveröffentlichten Briefe machen die bisher wenig bekannte, letzte Lebensphase Dorothea Schlegels erstmals aus den Quellen zugänglich und ermöglichen deren Neubewertung. Sie unterstreichen Dorotheas Rolle als eine der bedeutendsten Frauen der Epoche, die an allen Phasen der Romantik beteiligt war.

Der zweite Teilband (KFSA 32,2) enthält die Supplemente zur dritten Abteilung der KFSA („Briefe“). Er versammelt Nachträge aus über 40 Jahren Schlegelforschung sowie neu aufgefundene Briefe.

Mit den nun bewilligten Mitteln rückt die Fertigstellung der KFSA in greifbare Nähe. Die Ausgabe wurde 1958 von Ernst Behler begründet und bietet abteilungsübergreifend in 35 Bänden sämtliche Schriften Friedrich Schlegels. Sie versammelt damit den zentralen Quellenbestand zu Friedrich und Dorothea Schlegel. Ende 2025 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.