Lehrveranstaltungen von Marion Plien

Im Wintersemester 2019/2020:

Seminar zur Geographiedidaktik II (M6): donnerstags, 10-12 Uhr, 04-223

Seminar zur Geographiedidaktik III (M10): dienstags, 12:30-14 Uhr, 04-223

 

Beschreibung der Lehrveranstaltungen:

Neuseeland – Mehr als Mittelerde und Kiwi(s)/
Südafrika – Das Ende der Apartheid und ihre sozioökonomischen Folgen/
Thailand – Eine gespaltene Gesellschaft

(Seminar zur Geographiedidaktik II) 

Das Seminar beschäftigt sich mit der Unterrichtsreihenplanung (im Leistungskurs der Sekundarstufe II) zum Teilthema IV „Die Raumwirksamkeit politscher Strukturen und Prozesse“ (MfBWWK 2011: 144). Im Lehrplan wird gefordert, dass in diesem Lernfeld „Wissen über Industrie-, Entwicklungs- und Schwellenländer“ (MfBWWK 2011: 144) erarbeitet werden soll und dass der Erdkundeunterricht „räumliche, politische und wirtschaftliche Zusammenhänge bewusst“ (MfBWWK 2011: 144) macht. Diese allgemeingeographischen Inhalte sollen an ausgewählten Länderbeispielen thematisiert und „die regionale Betrachtung zur globalen Perspektive ausgeweitet“ (MfBWWK 2011: 144) werden.

Diese Vorgaben werden wir zunächst im Seminar kritisch betrachten und hier vor allem die Konzepte „Entwicklung“ sowie „Industrie-, Entwicklungs- und Schwellenland“ diskutieren. Nach der fachwissenschaftlichen Einarbeitung in eines der genannten Raumbeispiele (Neuseeland, Südafrika oder Thailand), soll eine Unterrichtsreihe unter Berücksichtigung der im Seminar zuvor erarbeiteten Gütekriterien geplant werden.

Bei der Unterrichtsreihenplanung setzen wir uns vertiefend mit folgenden Fragen auseinander:

  • Welche didaktischen Entscheidungen sind zu treffen?
  • Wie baut man eine Unterrichtsreihe auf?
  • Wie vereinbart man die rahmenrechtlichen Vorgaben, die fachwissenschaftliche Perspektive auf das Thema und die Interessen der SchülerInnen UND LehrerInnen?

Das Seminar baut außerdem auf den Schwerpunktthemen der Übung Geographiedidaktik II auf und hat zum Ziel, sich mit methodischen und mediendidaktischen Fragen bei der Unterrichtsreihenplanung zu beschäftigen.

Nach einigen Sitzungen, in denen wir uns zunächst einmal auf eins der drei genannten Raumbeispiele einigen, uns mit den oben genannten Inhalten aus fachwissenschaftlichen und dann fachdidaktischen Perspektiven auseinandergesetzt und gemeinsam eine Unterrichtsreihenplanung vorgenommen haben, werden von Ihnen Einzelstunden aus der Unterrichtsreihe didaktisch fundiert geplant, methodisch ausgearbeitet, (in Ansätzen) im Seminar simuliert, gemeinsam reflektiert und beurteilt. Hierbei werden die in der Übung Geographiedidaktik II erlernten theoretischen Perspektiven und praktischen Erfahrungen zum Medien- und Methodeneinsatz wiederholend an den Unterrichtsbeispielen besprochen.

Verwendete Literatur:
Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur (2011): Lehrplananpassung Gesellschaftswissenschaftliches Aufgabenfeld. Mainz.

„Interkulturalität im Geographieunterricht – Antirassistisch wirksam oder kulturell stereotypisierend?“

(Seminar zur Geographiedidaktik III) 

Schülerbeiträge im Geographieunterricht wie die folgenden verdeutlichen die Relevanz der gesellschaftlichen Dimension "Kultur" und der kulturellen Brille(n) bei der Wahrnehmung anderer Orte und Räume (vgl. Schülerbeitrag 1) und auch die Gefahr, die davon ausgeht (vgl. Schülerbeitrag 2):

"In Spielfilmen, die in anderen Ländern spielen kann man etwas über die dortige Kultur lernen. Zum Beispiel in Wüstenblume (2009) erkennt man den Zusammenhalt, den die da haben, wenn sie zusammen singen: so etwas gibt es in Deutschland nicht mehr." (Schülerbeitrag 1, 8. Jahrgangsstufe, 2010)

"Man sieht [über wüstenblume (2009)] wie die an der Kultur hängen bleiben. Als der Arzt in London entdeckt hat, dass sie beschnitten ist, wollte er sie operieren und da war einer, der ihre Sprache gesprochen hat und anstatt zu übersetzen, hat er sie beleidigt, weil sie die eigene Kultur damit beschmutzt hat. Man merkt, dass so Länder, die weit abgeschieden sind, ihre Religion beibehalten und ihren Glauben durch nichts verändern wollen." (Schülerbeitrag 2, 10. Jahrgangsstufe, 2010)

Im neuen Lehrplan der Sekundarstufe I findet sich (daher) in den fachspezifischen Vorbemerkungen "Empathie und interkulturelles Lernen" (MfBWWK 2016: 29) als durchgängiges didaktisches Prinzip. Die Einheitlichen Prüfungsanforderungen an die Abiturprüfung Geographie (EPA) fordern für die Sekundarstufe II, dass SchülerInnen "ein interkulturelles Verständnis als Grundlage des eigenen Verhaltens" (KMK 2005: 5) entwickeln. Dieser Kompetenzstandard ist ein Bestandteil der Sozialkompetenz, die "die Bereitschaft und Fähigkeit umfasst, sich mit eigenen und fremden Wertesystemen auseinanderzusetzen" (KMK 2005: 5).

Leider erklären diese rahmenrechtlichen Grundlagen nicht, was in diesem Zusammenhang unter "Kultur" zu verstehen ist, wie eine "interkulturelle Kompetenz" auszusehen hat und es fehlen didaktisch-methodische Vorschläge zur Umsetzung des "interkulturellen Lernens" im Geographieunterricht.

Es ist unbestritten, dass interkulturelles Lernen im Geographieunterricht notwendig ist (gerade auch im Hinblick auf die medial immer noch intensiv diskutierte „Flüchtlingsproblematik“ und dem Erstarken der AfD), aber vielleicht nicht immer sinnvoll. Der Bildungsbeitrag des Faches Erdkunde, umfasst den "Einblick in den Zusammenhang zwischen den naturräumlichen Gegebenheiten und den gesellschaftlichen Aktivitäten in verschiedenen Räumen der Erde" (DGFG 2017: 5). Aber es stellt sich die Frage, ob Themen wie die Abholzung des tropischen Regenwaldes (als ein gelungenes Beispiel zur Erarbeitung der Systemkompetenz und damit zum Erfüllen des Bildungsbeitrags) einen "kulturellen" Perspektivwechsel benötigt, um zu verstehen, dass einige Menschen auf die wirtschaftliche Nutzung des tropischen Regenwaldes angewiesen sind, um sich zu ernähren und ihre Grundbedürfnisse des menschlichen Seins zu erfüllen. Denn würde in diesem Kontext eine interkulturelle Betrachtung von Handlungen und Praktiken von Menschen (in anderen Räumen der Erde) nicht vielmehr dazu führen, dass sie „fremder“ und „anders" gemacht werden als sie eigentlich sind? Und unterstützt dieses Vorgehen nicht sogar den Eingang von Rassismen in geographische Lernprozesse?

Diese Inhalte stehen im Zentrum der Lehrveranstaltung. In den ersten Seminarsitzungen werden wir uns zunächst einmal mit unseren eigenen Rassismen und subjektiven Alltagstheorien zu Kultur beschäftigen. Danach erarbeiten wir uns theoretische Konzepte zur "Inter-" sowie "Transkulturalität", der "interkulturellen Kompetenz", Modelle zum "interkulturellen Lernen" und zur antirassistischen Bildung. Nach einer Analyse von Schulbüchern (im Hinblick auf die Umsetzung interkulturellen Lernens und den dahinterstehenden Kulturkonzepte sowie möglichen Rassismen), werden wir gemeinsam didaktisch-methodische Ideen entwickeln, um antirassistische Bildung und interkulturelles Lernen in den Unterricht zu integrieren. Ihre Aufgabe besteht dann darin, in Gruppen Unterrichtsreihen und Lernumgebungen im Rahmen einer antirassistischen Bildung und/oder interkulturellem Lernen zu entwickeln, zu präsentieren, (in Auszügen) zu simulieren und zu diskutieren.

Verwendete Literatur:
Deutsche Gesellschaft für Geographie (2017): Bildungsstandards im Fach Geographie für den mittleren Bildungsabschluss. Bonn.
Kultusministerkonferenz (Hrsg.) (2005): Einheitliche Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung Geographie. O.O..
Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur (Hrsg.) (2016): Lehrplan für die gesellschaftwissenschaftlichen Fächer. Erdkunde, Geschichte, Sozialkunde.