Geniza-Projekt Freudental

Eine erste Synagoge befand sich in Form eines Gebetsraumes im heute noch so benannten „Judenschlössle“. Ein erstes eigenständiges Synagogengebäude war auf dem heutigen Hof. Dieses wurde 1769 beschrieben wird als „so baufällig, daß sich die Juden fast nimmer getrauen, hinein-zugehen…“ (Theobald Nebel, S. 30). Das heute noch vorhandene Gebäude entstand 1770 ganz im klassizistischen Baustil, der geringfügig durch mehrfache Renovierungen verändert wurde. 1926 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Im Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert, die Kultgegenstände wurden auf dem nahegelegenen Sportplatz verbrannt. 1943 erwarb die Orts-gemeinde das Gebäude. Sie wollte es als Turnhalle oder Lagerhaus verwenden. 1949 ging das Synagogengebäude an die Jewish Restitution Successor Organization (JRSO), wurde 1952 wie alle ungenutzten Synagogen vom Land Baden-Württemberg gekauft und 1954 an die Gemeinde Freudental weiterverkauft, welche sie wiederum (mit Gewinn) an einen Handwerksbetrieb veräußerte. Dieser machte es durch etliche entstehende Umbauten für seine Zwecke nutzbar. Wegen des zunehmenden Verfalls war der Abbruch durch einen Beschluss des Freudentaler Gemeinderats 1979 kaum noch aufzuhalten.
Unter der Schlagzeile: „Würtembergs ältester Synagoge droht Abriß“ berichtete die Jüdische Allgemeine Nr. XXXIV/48 (1979), S. 4 darüber, das Gebäude solle abgetragen werden. Dazu kam es dann nicht, sondern die Synagoge wurde von einer Initiativgruppe und den daraus hervorgehenden „Förder- und Trägerverein ehemalige Synagoge Freudental e.V“. erworben und wieder instandgesetzt.
Bei der Renovierung 1981 wurden auf dem Dachboden der Synagoge Bücherreste, Schriftstücke, Gebetsschals und persönliche Dokumente gefunden. Diese Reste einer ursprünglich wohl viel umfangreicheren Genisa sind bereits in den 1980er Jahren untersucht, und teilweise auch restauriert und dokumentiert worden.
In einer Ausstellung auf der Frauenempore der Synagoge, die von Falk Wiesemann (Düsseldorf) kuratiert wurde, werden seit 1992 besonders eindrucksvolle Originaldokumente und Funde aus der Genisa gezeigt. Themen der Ausstellung waren: Tora und Bibel, Shabbat und Feiertage, rabbinische und jiddische Literatur, Schule, Geburt und Heirat. Der zeitliche Bogen umspannte mehr als 2 Jahrhunderte. Einige der Funde sind in einem von Falk Wiesemann herausgegebenen Katalog, Genizah – Verborgenes Erbe der deutschen Landjuden, Wien 1992, beschrieben. Ein Inventarverzeichnis wurde erstellt, jedoch nicht veröffentlicht. Die nun von der Rothschild Foundation Europe (RFE) geförderte Gesamterschließung der Genisa soll diese Lücke schließen und möglichst viele Funde beschreiben und online zugänglich machen. Einige ausgewählte Stücke sind bereits einmal auf der Web-Seite https://www.museum-digital.de/bawue/index.php?t=sammlung&instnr=91&gesusa=89 veröffentlicht worden.
Heute wird die ehemalige Synagoge Freudental als Begegnungs- und Lernort genutzt, der die Auseinandersetzung mit Geschichte fördert und zum Gespräch anregt. Durch regelmäßige Vortrags- und Konzertveranstaltungen wird ein breites Publikum angesprochen und das Gebäude sinnvoll weitergenutzt. Näheres zum aktuellen Programm unter: http://www.pkc-freudental.de/index.php/kultur/veranstaltungen