Geniza-Projekt Abterode

Die Genisa-Funde in der alten Synagoge von Abterode sind seit längerer Zeit bekannt, galten aber zwischenzeitlich als verschollen. Beim Aufräumen in einem Nebengebäude zum Abteröder Pfarrhaus entdeckten Pfarrer Andreas Heimann und sein Ruhestandskollege Eberhard Laukner 2018 zwei Kartons mit einem besonderen Inhalt. Darin befanden sich unter anderem eine große Pergamentschriftrolle, zahlreiche alte zerschlissene Bücher in hebräischer Schrift und auch einige Textilien, darunter ein Tora-Wimpel, die Überreste von Gebetsschals und Gebetsriemen. Dekan Dr. Martin Arnold konnte den Fund schnell einordnen: Es handelte sich um die verschollen geglaubte ‚Geniza‘ der jüdischen Gemeinde in Abterode, die 1988 von Dr. Karl Kollmann und Thomas Wiegand auf dem Dachboden der Abteröder Synagoge entdeckt worden waren.Im Zuge des Verkaufs der ehemaligen Synagoge von Abterode hatte sich eine Gruppe von Interessierten 1988 den Dachboden genauer angesehen und dabei jüdische Schriften und Kultgegenstände sichergestellt. Die Synagoge in Abterode, im Ortsteil Meißner im Werra-Meißner-Kreis in Hessen, wurde 1870 errichtet. Am Hinterweg 1, im Zentrum des Ortes, gelegen, ist das Gebäude gut erhalten und wird heute als Laden genutzt. Kunstgeschichtlich wertvoll sind die im Jahr 2015 von den neuen Nutzern unter der Zimmerdecke des Betraumes entdeckten Wandmalereien mit blauem Himmel und (Davids)sternen. Die erste Durchsicht der Funde aus der wiedergefundenen Geniza ergab, dass einige in den Buchdeckeln und auf dem Wimpel notierten Vorbesitzernamen auf der Liste der auf dem jüdischen Friedhof Bestatteten zu finden sind. Die Rekonstruktion der Geschichte der jüdischen Gemeinde von Abterode wird durch die Geniza-Funde um weitere Facetten bereichert.