PUBLIKATION: Re/produktionsmaschine Kunst bei Transcript erschienen

Friedemann Kreuder / Ellen Koban / Hanna Voss (Hg.)

Re/produktionsmaschine Kunst
Kategorisierungen des Körpers in den Darstellenden Künsten

Geschlecht, Ethnizität, Behinderung – tradierte Kategorisierungen wie diese werden nicht nur gesellschaftlich intensiv diskutiert. Auch in Theorie und Praxis der Darstellenden Künste sind sie ein aktuelles Thema. Der breit angelegte Band geht dem Verhältnis von sozialer Differenzierung und ästhetischer Praxis vor dem Hintergrund der jeweiligen Produktions- und Rezeptionsbedingungen nach. So eröffnen sich vergleichende Perspektiven auf gegenwärtige und historische Phänomene des institutionellen Theaters, der freien Szene und der Performance-Kunst. Zugleich geben die Beiträge einen Überblick über aktuelle Forschungstendenzen an der Schnittstelle zwischen Differenz-, Kultur- und Theaterwissenschaft.

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PUBLIKATION: Un/doing Differences. Praktiken der Humandifferenzierung bei Velbrück Wissenschaft erschienen

In der differenzierten und individualisierten Gegenwartsgesellschaft unterscheiden Menschen einander durch eine wachsende Vielfalt durchmischter und situativ kontingenter Merkmale wie Nationalität, Ethnizität, Geschlecht, Alter, Klasse, Sprache und Religion, nach politischer und sexueller Orientierung, Leistungsfähigkeit, Attraktivität und Konsumpräferenzen.

Diese Praktiken der Humandifferenzierung wirken in Interaktionen, Institutionen und Diskursen teils in Verbindung miteinander, teils im Verdrängungswettbewerb mit anderen Unterscheidungen.

Ihrem ›doing‹, dem praktischen oder diskursiven Vollzug und institutionellen Aufbau, entspricht daher immer auch ein ›undoing‹, eine Überlagerung und Außerkraftsetzung durch andere. Unter welchen Bedingungen setzen sich welche Differenzierungen durch, wann werden sie irrelevant?

Der vorliegende Band versammelt zur Beantwortung dieser Fragen theoretische und empirische Analysen aus der Soziologie, Ethnologie, Amerikanistik, Linguistik und Theaterwissenschaft und geht den Konjunkturen der Humandifferenzierung in Politik, Kunst und Medien, Sport und Bildung, Medizin und Kultur, in Nationalfeiern, Jugendszenen und bei der Namensgebung nach.

Mit Beiträgen von: Peter Auer, Mita Banerjee, Timo Heimerdinger, Bettina Heintz, Stefan Hirschauer, Herbert Kalthoff, Friedemann Kreuder, Matthias Krings, Carola Lentz, Marion Müller, Armin Nassehi, Damaris Nübling und Oliver Scheiding.

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30/05/2017 Vortrag von Andrew Apter (Los Angeles): FESTAC 77 and the critique of racial capital

Die Forschergruppe Un/doing Differences begrüßt Prof. Andrew Apter, Ethnologe und Historiker an der University of California, Los Angeles (UCLA) zu einem Gastvortrag am 30. Mai 2017. Der Vortrag findet im Rahmen des Institutscolloquiums am Institut für Ethnologie und Afrikastudien statt.

FESTAC 77 and the critique of racial capital

Nigeria’s Second World Black and African Festival of African Arts and Culture, otherwise known as FESTAC 77, signaled a decisive break from Senghor’s ideology of Négritude, which had been enshrined and promoted eleven years earlier in Senegal’s Festival Mondial des Arts Nègres (FESMAN). Although initially modeled on its Dakar precedent, FESTAC 77 fashioned an inclusive horizon of blackness that crossed Négritude’s ethnocultural threshold between “Arabo-berbérs et Négro-africaines,” precipitating Senghor’s widely-publicized threat of a boycott and his subsequent dismissal as FESTAC co-patron.

Building on my earlier attention to Nigeria’s petro-capitalism and spectacle of culture, I argue that FESTAC’s remapping of global blackness—and the falling-out between Senghor and Nigeria’s president Obasanjo—cannot be reduced to ideology or geopolitics, but represents historic transformations of racial capital through dirigiste mechanisms of cultural production. By focusing on genealogies of racial capital, I trace the origins of postcolonial African festivals not to colonial grammars of difference and domination, but to fetishized forms of Atlantic slavery. To understand the critique of Négritude that took place during FESTAC, I relate the commodification of blackness underwritten by oil to the earlier history of enslaved Africans as Atlantic commodities.

 

Andrew Apter is Professor of History and Anthropology at the University of California, Los Angeles (UCLA), where he directed the James S. Coleman African Studies Center and a Mellon Faculty Seminar in Black Atlantic Studies. His books include Black Critics and Kings: The Hermeneutics of Power in Yoruba Society (1992); The Pan-African Nation: Oil and the Spectacle of Culture in Nigeria (2005) which received the 2007 Amaury Talbot Prize awarded by the Royal Anthropological Institute; and Beyond Words: Discourse and Critical Agency in Africa (2007), all with the University of Chicago Press. He also co-edited Activating the Past: History and Memory in the Black Atlantic World (2010) with Lauren Derby. With his latest book, Oduduwa’s Chain: Locations of Culture in the Yoruba Atlantic, forthcoming in 2017, he is currently working on “History in the Dungeon: Atlantic Slavery and the Spirits of Capitalism,” a project that focuses on slave forts and castles and restores enslaved Africans (and their hyper-alienated labor power) to the historically repressed epicenters of capitalist modernity.

Publiziert am: 19. Dezember 2016. Abgelegt unter Events, Termine

CFP (Frist 15.11.2015) Symposium „Re/produktionsmaschine Kunst: Kategorisierungen des Körpers in den Darstellenden Künsten“ 3. – 5. MRZ 2016

Organisiert durch das theaterwissenschaftliche Teilprojekt der Forschergruppe lädt das Institut für Film-, Theater- und empirische Kulturwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz vom 3. bis 5. März 2016 kunst- und kulturinteressierte Wissenschaftler_innen und Praktiker_innen zu einem interdisziplinären Symposium mit Vorträgen und (Podiums-)Diskussionen ein. Thema des Symposiums ist die soziale Unterscheidung von Menschen, die sich im Rahmen von künstlerischen Produktions- und Rezeptionsprozessen insbesondere an den sichtbar ausgestellten Körpern der Darsteller_innen vollzieht.

Link zur Homepage des Symposiums

Der Call for Papers endet am 15. November 2015 (Link)         

CfP (Frist 31. MAI 2015) Tagung „Rufnamen als soziale Marker: Namenvergabe und Namenverwendung“ 14. – 15. SEP 2015

Am 14. und 15. September 2015 findet in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur
Mainz eine interdisziplinäre Tagung zu Determinanten der Namenvergabe und -verwendung
statt.
In ihrem Zentrum steht mit Rufnamen der individuellste Teil unseres Gesamtnamens. Rufnamen
sind aber zugleich Träger multipler sozialer Informationen. Sie fungieren als Marker
für Geschlecht, Generation, soziale Schicht, Bildungsniveau, Region, ethnische Herkunft,
Hautfarbe (z.B. black vs. white names in den USA), Konfession, Religion usw. Diese Differenzen
werden nicht nur als einzelne indiziert, sie kreuzen sich auch in Rufnamen. So wurde
Konfession historisch stärker auf Jungen- als auf Mädchennamen kodiert (Gottlieb, Joseph),
das gleiche scheint für soziale Schicht zu gelten (Justin, Kevin). Auch lassen sich im Zeitverlauf
Uminterpretationen von Markern feststellen, z.B. von Konfession > Regionalität (katholische
Namen sind heute bayerische Namen, z.B. Franz) oder von Regionalität > Schicht
(vormals ostdeutsche Namen werden unterschichtig, s. Cindy aus Marzahn). Diese Markerfunktionen
öffnen Diskriminierungen Tür und Tor, etwa der Diskriminierung aufgrund von
Schicht (in der Schule) oder von Ethnizität (auf dem Arbeits-/Wohnungsmarkt).
Die größten Defizite in der Forschung über Rufnamen liegen auf dem Gebiet der Pragmatik,
also in den Fragen der Namenvergabe und Namenverwendung. Die Tagung soll daher die
Diskrepanz zwischen öffentlichem Interesse und wissenschaftlichem Desinteresse an den Determinanten
der Rufnamenvergabe und -verwendung abbauen helfen. Der Rufname wird zunächst
von den Eltern vergeben und stellt damit einen Fall von Fremdkategorisierung und
Fremdbestimmung dar. Dabei ist auch das Namenrecht von kulturell großer Bedeutung,
durch Regelungen zum Namenwechsel, Einschränkungen bei der Namenwahl oder die Geschlechtseindeutigkeit
von Namen (s. neuere Urteile des BVerfG). Das benannte Individuum
identifiziert oder arrangiert sich mit dem ihm gegebenen Rufnamen – evtl. leidet es auch ein
Leben lang unter ihm. Diese Erkenntnis hat in Schweden dazu geführt, dass man den Rufnamen
ohne größeren Aufwand ändern oder ganz wechseln kann. Ähnliche Möglichkeiten der
Selbstvergabe nutzen aber auch Künstler, Ordensleute und Transgender-Personen oder – im
Sinne eines temporären Lebensabschnittsnamens – Jugendliche bei der Nutzung des Internets.
Erforschungsbedürftig sind darüber hinaus die Benennung un- und nicht-geborener Kinder
(sog. Sternenkinder) sowie inoffizielle Namen (Spitznamen). Auf der Tagung ausdrücklich
erwünscht sind kontrastive Vergleiche, z.B. zu semantischen Namensystemen im Chinesischen
oder Türkischen oder zu Namengebungspraktiken in anderen Kulturen. Schließlich
befinden sich viele Rufnamen "auf Wanderschaft", d.h., sie bestücken sekundär andere
Namenklassen, z.B. Warennamen (Kaffeeservice Marie Luise, Badematte Jonas), Tiernamen
(Gina, Robert für Hunde, Krake Paul, Hermann für einen Bullen) etc.
Die Tagung ist interdisziplinär ausgerichtet und steht in Verbindung mit der Mainzer Forschergruppe
"Un/doing Differences. Praktiken der Humandifferenzierung". Sie wendet sich
an VertreterInnen der Onomastik, der Soziologie, Psychologie, Ethnologie, Kulturanthropologie,
der Geschichts-, Rechts-, Wirtschafts-, Politik- und Erziehungswissenschaften sowie der
Philologien.
VeranstalterInnen: Damaris Nübling und Stefan Hirschauer

OrganisatorInnen: Fabian Fahlbusch, Miriam Schmidt-Jüngst und Anika Hoffmann
Abstracts bis zum 31.05.2015 an: namentagung@adwmainz.de
Internet: www.namenforschung.net/tagungen/rufnamen

Pressenachlese zur AUF/TAKT Veranstaltung am 14. Mai

Am 14. Mai 2014 hat sich die Forschergruppe Un/doing Differences im Rahmen einer feierlichen Abendveranstaltung in der Musikhochschule der JGU Mainz der Öffentlichkeit vorgestellt. Ca. 170 Gäste informierten sich über die Gruppe und ihre Arbeit. Die Keynote hielt Prof. Timo Heimerdinger vom Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck. Weiterlesen