Studium

Neues Jahr, kleiner Rückblick

Einfach mal raus für ein Semester, weit weg. Oder zumindest ein kleines Stück: nach Belgien. Wo Import und Export so ausgeglichen sind wie die Menschen und es sich entspannter studieren lässt als in Germersheim oder Mainz. Echt? Kommt darauf an. Hier blogt Filiz aus Mons.

Der Übergang zum neuen Jahr dient uns immer auch als Anlass, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Ich habe mich nicht lumpen lassen und euch einige Highlights meines Erasmussemesters in Belgien zusammengetragen. In diesem Sinne: Frohes Neues!

 

Babylon Brüssel

Mein Gepäck war kaum im neuen Heim in Mons verstaut, da setzte ich mich auch schon wieder in den Zug. Mein Ziel: der Multilingualism Day des Europäischen Parlaments in Brüssel, wo man Übersetzerinnen und Übersetzer, Dolmetscherinnen und Dolmetscher bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen konnte. Also genau den Akteurinnen und Akteuren hinter den Kulissen, ohne die in den mehrsprachigen EU-Institutionen gar nichts liefe. Außer der Besichtigung der Dolmetschkabinen bot sich mir dabei sogar die Gelegenheit, mich mit den Sprachninjas vor Ort auszutauschen.

Doch allein schon im Plenarsaal des Parlaments zu stehen, das hier (und in Straßburg) als die Vertretung von über 500 Millionen europäischen Bürgerinnen und Bürgern tagt, wäre die Reise wert gewesen. Die EU — als Institution — ist hier nichts Abstraktes, sondern greifbar und real. Zu sehen, wie sich Sprachmittlerinnen und Sprachmittler jeden Tag für ein demokratischeres, mehrsprachiges Parlament einsetzen, machte tiefen Eindruck auf mich und stärkte meine persönliche «Beziehung» zur EU. Denn auch wenn ich gerne mal in den Gesang der EU-Lobpreiserinnen und Lobpreiser einstimme, wenn es die Situation erfordert (z. B. bei populistischen Hirngespinsten wie „die EU will das deutsche Volk durch massive Migration ersetzen und islamisieren”), gehört es für mich genauso zum europäischen Gedanken, Selbstkritik zu üben, den europäischen Kolonialismus und Imperialismus aufzuarbeiten und demokratischere Institutionen einzufordern. Und natürlich: Sprachen zu lernen, damit wir weniger aneinander vorbeireden.

 

Eine Sprache ist nie genug

In Deutschland wäre ich natürlich nicht auf die Idee gekommen Niederländisch zu lernen, einfach weil mir bis dato der Bezug zu dieser Sprache gefehlt hat. Weder hatte ich einen niederländischsprachigen Freundeskreis, noch fand ich eine Band aus den Niederlanden oder Belgien besonders cool. Außerdem liegt Mons im französischsprachigen Teil Belgiens. Es brauchte letztendlich aber nur die Durchsage auf Niederländisch am Brüsseler Südbahnhof, dass der Zug nach Mons eine klitzekleine Verspätung von 20 Minuten haben werde. Völlig entzückt von dieser melodischen taal (niederländisch für Sprache), war die Müdigkeit mit einem Mal verflogen, die volle Blase vergessen und mein Rucksack federleicht. Und meine Begeisterung für das Niederländische sollte sich in den kommenden Monaten noch steigern. Nach einigem Hin und Her, so manch einer Stundenplanänderung später, konnte ich mich in einem Sprachkurs des Fachbereichs Dolmetschen und Übersetzen einschreiben. Und hierin bestand auch der einzige Haken an der Sache: Da der Fachbereich davon ausgeht, dass es sich bei den Studierenden in gewisser Weise um Sprachexpertinnen und Sprachexperten handelt und weil man in Belgien Niederländisch auch schon in der Schule lernen kann, gab es keinen Kurs für Anfängerinnen und Anfänger.

So fand ich mich in einer Gruppe hochmotivierter Studis wieder, die schon vor Kursbeginn auf Nederlands parlierten und die nichts sagende, scheu daher schauende Erasmusstudentin misstrauisch beäugten. Als die Dozentin uns mit den ersten Arbeitsaufträgen betraute, stellte ich erleichtert fest, dass das Niederländische die wohl einzige Sprache ist, die man als deutschsprachiges Wesen auch mit 0 Sprachkenntnissen entschlüsseln kann. Um die Sprache auch außerhalb des Klassenzimmers aufzusaugen, aber natürlich auch, um in Belgien rumzukommen, zog es mich mehr als einmal im Lauf des Jahres in den Norden des Landes.

 

Die Schöne und das Biest

Jede und jeder, ob Sprachstudi oder nicht, kennt das tolle Gefühl, wenn man sich in einer Fremdsprache, egal wie rudimentär man sie beherrscht, verständlich machen kann und das Gegenüber einen versteht. Aber mit jeder Sprache öffnet sich auch eine neue Tür zu einer anderen Kultur (Klischee sagt ihr? Es stimmt wirklich, probiert es einfach mal aus!). Im Falle des Niederländischen hieß das für mich, dass ich neben wunderbaren Dokus über Jan van Eyck auch in den Genuss kam, mir die fremdenfeindlichen und separatistischen Äußerungen der rechtsextremen flämischen Gruppierung Schild&vrienden unmittelbar und direkt reinziehen zu können. Aber irgendwas ist ja immer...

Bei meinem letzten Besuch in Brüssel hielt mich der Zeitungsverkäufer wahrscheinlich für verrückt, als ich mit breitem Lächeln und meiner ersten flämischen Zeitung in der Hand davon stakste. Das Lachen verging mir selbst dann nicht, als ich die Schlagzeile entziffert hatte: Bom barst in België door migratiepact: Hoe verder?* Denn in dem Moment war für mich vor allem eines wichtig: Ich verstand, was dort stand. Mein kleines, ganz persönliches Erfolgserlebnis war für Belgien bestimmt kein Highlight des letzten Jahres und auch keine Schlagzeile im De Standaard wert. Aber auch für mein Mons-Abenteuer gilt: In einer Sinfonie voller netter Kontakte, unvergesslicher Erfahrungen und glücklicher Momente sollte man nicht allein auf die wenigen schrillen und schrägen Töne hören. Press delete!

* Bombe platzt in Belgien über Migrationspakt: Wie geht es weiter?


Autorin Filiz Yildirim

Filiz Yildirim studiert Konferenzdolmetschen (Master) am Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft, Germersheim, mit der Sprachenkombination Deutsch, Französisch, Englisch. Sie schreibt regelmäßig für den Blog der Universitätsbibliothek.

 

Alle Jahre wieder kommt die Debatte

Einfach mal raus für ein Semester, weit weg. Oder zumindest ein kleines Stück: nach Belgien. Wo Import und Export so ausgeglichen sind wie die Menschen und es sich entspannter studieren lässt als in Germersheim oder Mainz. Echt? Kommt darauf an. Hier blogt Filiz aus Mons.

Seit Menschengedenken feiert Belgien am 6. Dezember den heiligen Sankt Nikolaus, Schutzpatron der Kinder und der Studis. Bis eine gewisse kokakola-Figur auch im Land der Fritten und des Bieres Einzug gehalten hat, bekamen alle artigen Kiddies am 6., und nicht am 24. Dezember, ihre feschen Eiphones, ääh... ihre Zuckerstangen, meine ich. Und damit am Sankt Nikolaus-Tag auch alle rechtzeitig die verdienten Gaben erhalten, steht dem Bärtigen stets sein Knecht Ruprecht zur Seite.

Je nach Region, in der er Sankt Nikolaus beim Verteilen der Geschenke hilft, trägt Knecht Ruprecht einen anderen Namen: etwa Hans Trapp im Elsass, Père Fouettard im frankophonen, Hans Muff im deutschsprachigen Teil Belgiens. Und da alles in Belgien per se kompliziert sein muss, ist in Flandern Nikolaus‘ linke Hand der Zwarte Piet.

Aus dem Niederländischen übersetzt, bedeutet Zwarte Piet so viel wie ‚Peter der Schwarze‘ oder ‚Schwarzer Peter‘. Diese Figur, die auch in den Niederlanden fest zur Nikolaustradition gehört, gerät seit 2011 alle Jahre wieder in die Schlagzeilen. Der Vorwurf: (un-)geschminkter Rassismus, denn der Zwarte Piet mit seinem schwarz gefärbten Gesicht, seinen überdimensionalen rot angemalten Lippen, seiner Afroperücke und seinen Creolohrringen, so die Kritikerinnen und Kritiker, sei das Relikt einer kolonialistisch-rassistischen Gesellschaft.

„Schwachsinn!“, rufen die Anhängerinnen und Anhänger des Brauches, Zwarte Piet sei schwarz, weil er als fleißiger Helfer auch durch die engsten Schornsteine kletterte, dabei ins Schwitzen komme, bis jeder Zentimeter seiner weißen Haut rußschwarz werde. Wenn dem so sei, werfen die Gegnerinnen und Gegner ein, warum dann diese von rassistischen Stereotypen geprägte Aufmachung des Zwarten Piets? Außerdem sei die Darstellung eines schwarzen, dümmlichen Knechtes, der einem weißen Dude diene, nichts anderes als rassistisch und verharmlose fremdenfeindliche Tendenzen, die vermehrt um sich griffen. 2016 einigte man sich in Belgien dann auf den Zwarte Piet Pakt: alles ist erlaubt, abgesehen von rassistischen Stereotypen. Das heißt, rußgeschwärzte Gesichter ja, komplett schwarz bemalte Antlitze nein!

Dieser Pakt hat sicherlich seinen Teil dazu beigetragen, dass es in Belgien meist bei Wortgefechten bleibt, während die Ankunft des Gespanns in den niederländischen Städten Tillburg und Rotterdam vor einigen Wochen zu mehreren Festnahmen geführt hat. In Eindhoven musste die Polizei gar eingreifen, als aufgebrachte Fans des FC Eindhoven Anti-Zwarte-Piet-Demonstrantinnen und -Demonstranten angriffen. An die Kinder, die hoffnungsvoll auf das neueste, mit Kobalt - abgebaut mit Hilfe von kongolesischen Kindern - gefüllte Eiphone warten, denkt dabei wohl niemand.

 


Autorin Filiz Yildirim

Filiz Yildirim studiert Konferenzdolmetschen (Master) am Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft, Germersheim, mit der Sprachenkombination Deutsch, Französisch, Englisch. Sie schreibt regelmäßig für den Blog der Universitätsbibliothek.

 

Wahlkampf à la belge

Einfach mal raus für ein Semester, weit weg. Oder zumindest ein kleines Stück: nach Belgien. Wo Import und Export so ausgeglichen sind wie die Menschen und es sich entspannter studieren lässt als in Germersheim oder Mainz. Echt? Kommt darauf an. Hier blogt Filiz aus Mons.

541 Tage ohne Regierung: Belgien ist das Land, das auch schon mal länger für die Regierungsbildung braucht als der Irak. Dementsprechend aufgeregt war ich angesichts der anstehenden Regionalwahlen am 14. Oktober. Sollte ich etwa hautnah miterleben dürfen, wie sich das belgische Bürokratiemonster auf Kommunalebene selbst zerfleischt? Auf meinem täglichen Fahrradparcours zur Uni (dass ich diese Zeilen schreibe, ist angesichts meines hier in Belgien gefährlichen Fahrradfahrerinnendaseins ein Wunder) lächeln mir die Monser Kandidatinnen und Kandidaten schon seit Wochen von Hochglanzplakaten entgegen. Wer aufmerksam die Listenplätze der Parteien studiert, der und dem fällt auf, dass sich Männer und Frauen auf ihnen abwechseln. Das ist dem „principe de la tirette“ geschuldet. Dieses Gesetz verpflichtet die Parteien, paritätische Listen zu erstellen. Der Star der Lokalpolitik in Mons ist aber ohne Zweifel Elio di Rupio. Der Mann mit der Fliege war von 2011 bis 2014 Premierminister des Königreichs Belgien und ist seit 2001, mit Unterbrechungen, nicht nur Sohn, sondern auch Bürgermeister der Stadt Mons.

 

Belgien – wählen ist hier Pflicht

Am Wahlsonntag bin ich schon früh wach, mein Herz klopft. Der erste Blick wandert zum Schreibtisch. Dort stapeln sich die Wahlbroschüren jeglicher Parteien – und Bewegungen natürlich – die heutzutage zum guten Ton aller Urnengangsveranstaltungen gehören. Mittlerweile kenne ich die Infoblätter alle auswendig, flatterten sie mir doch über die letzten Wochen pünktlich zum und aufs Frühstücksbrot ins Haus. Zugegeben, hin und wieder spielte ich mit dem Gedanken, es Onkel Vernon gleichzutun und den Briefschlitz der massiven Eingangstür zuzunageln (ich weiß auch nicht, warum ich neuerdings das Bedürfnis habe, meine Blogbeiträge mit Harry-Potter-Vergleichen zu spicken, siehe: Erasmus mit 25?). In schwachen Momenten dieser Art langte ich nach meinem Handy und zog mir schnell eine Demokratiekickoffrede auf DuTube rein, um mir die Wichtigkeit von politischer Partizipation durch Wahlzettelankreuzen wieder vor Augen zu führen. Apropos politische Partizipation: In Belgien ist die Ausübung dieses Rechts eine Pflicht und das seit 1893 (jedenfalls für das männliche Geschlecht). All jene, die am W-day im Königreich Belgien ihrer Bürgerinnen- und Bürgerpflicht nicht nachkommen, müssen damit rechnen, eine Strafe von 25 bis zu 50 Euro entrichten zu müssen. Verweigert man sich mehrmals der Stimmausübung, läuft man gar Gefahr, für einige Jahre von der Wahlliste gestrichen zu werden. Da verstehen die so sonst so zuvorkommenden Belgierinnen und Belgier eben keinen Spaß.

Nach einer schnell hinuntergestürzten Tasse Kaffee schmeiße ich mich in meinen schönsten Sonntagsmantel und begleite meine Mitbewohnerin zur Schule in der Nachbarschaft, die am diesem sonnengetränkten Sonntag als Wahllokal dient. Und tatsächlich, es bildet sich bereits um diese frühe Uhrzeit eine Schlange. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass die heiligen Stätten der Demokratie nicht im Dauerbetrieb sind und ihre Pforten schon um 13h schließen. Wer wo wählt, wird hier übrigens nach alphabetischer Zuordnung festgelegt und nicht etwa nach Wohnsitz, wie ich das aus heimischen Gefilden kenne. Meine Mitbewohnerin hatte also Glück, dass sich ihr Wahllokal direkt um die Ecke befindet.

 

Belgien 2019: ein unregierbarer Vielvölkerstaat?

Nach den langsam eintrudelnden Ergebnissen am Abend zeichnen sich drei Trends ab: Wallonien, also die französischsprachige Region, rückt weiter nach links, das niederländischsprachige Flandern weiter nach rechts und die Hauptstadt Brüssel wird grüner. Diese ideologischen Gräben veranlassen politische Beobachterinnen und Beobachter nicht mal 24h nach der Wahl dazu, sich zu fragen, ob mit Blick auf den Super-Wahl-Sonntag im Mai 2019, an dem auch eine neue Regierung gewählt wird, Belgien nicht wieder zum unregierbaren Vielvölkerstaat im Herzen Europas wird.

Abwarten und Bier trinken!

 

 


Autorin Filiz Yildirim

Filiz Yildirim studiert Konferenzdolmetschen (Master) am Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft, Germersheim, mit der Sprachenkombination Deutsch, Französisch, Englisch. Sie schreibt regelmäßig für den Blog der Universitätsbibliothek.

 

Meine erste Vorlesungswoche in Belgien oder wie ich von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen stolperte

Einfach mal raus für ein Semester, weit weg. Oder zumindest ein kleines Stück: nach Belgien. Wo Import und Export so ausgeglichen sind wie die Menschen und es sich entspannter studieren lässt als in Germersheim oder Mainz. Echt? Kommt darauf an. Hier blogt Filiz, live and direct aus Mons.

 

Sie ist die Schlüsselqualifikation unserer sich selbst in Frage stellenden Generation überhaupt. Sie gibt uns Halt und ist wie ein Fels in der Brandung. Jeder Lebenslauf, der heute etwas auf sich hält, erwähnt sie mindestens einmal unter all den zahllosen zweimonatigen Berufserfahrungen („Das unbezahlte 40-Stundenwoche Praktikum hat mir gezeigt, dass ich mich gut und gerne auch mal nur von Nudeln ernähren kann“):

Die interkulturelle Kompetenz!

Den Spagat zwischen zwei, drei Kulturen in unterschiedlichen Kontexten hinzubekommen und diesen Drahtseilakt wie eine Selbstverständlichkeit aussehen zu lassen, gehört, seit ich mich erinnern kann, zu meinem täglich Brot. Dementsprechend gelassen ging ich an mein ERASMUS-Semester in Belgien heran und rechnete, wenn überhaupt, mit Missverständnissen sprachlicher Natur: Das französische téléphone portable etwa nennt man hier GSM und der französische maire ist in Belgien ein bourgmestre.

 

Mein wunderschöner Weg zur Uni

Dolmetschseminare in Belgien sind also nonante-freie Zone, wer hätte das gedacht und warum wusste ich nichts davon?

Mein erster Fauxpas barg tatsächlich auch eine sprachliche Komponente in sich. Die Wallonen haben irgendwann, sicherlich aus Mitleid mit all den Fremden, die an der französischen Zählweise ab 70 verzweifelten, eine logischere und einfachere Façon des Zählens eingeführt und konnten sich somit der ewigen Dankbarkeit aller nachfolgenden Generationen Französischstudierender sicher sein. Im Laufe einer Konsekutivverdolmetschung in der ersten Woche tauchte die Jahreszahl 1991 auf. Entgegen all meiner hartantrainierten Reflexe zwang ich mich dazu, das belgische Pendant für 91, nonante et un, also Neunzig und eins, statt des Französischen quatre vingt onze, was so viel bedeutet wie 4x20 plus 11, zu benutzen. Landesspezifische Anpassung und so, ihr wisst schon.

Gerade war ich im Redefluss, klopfte mir innerlich selbst für meine Geistesgegenwart auf die Schulter, als ich jäh von meiner Dozentin unterbrochen wurde. „Non, non!“, rief diese entsetzt und schüttelte vehement den Kopf, während sich zehn weitere zu mir umdrehten und mich mit tiefem Unbehagen anschauten. Ich glaube, selbst meine Tischnachbarin ist hastig mit ihrem Stuhl um einige Zentimeter von mir weggerutscht, fast so, als wolle sie verhindern, dass die nonante et un auch von ihr Besitz ergreift. Ich ahnte, dass mein Vergehen dazu benutzt werden würde, ein Exempel zu statuieren. Und richtig: die Dozentin erklärte uns, dass wir uns, obwohl wir uns in Belgien befänden, an das Vokabular des Frankreich-Französisch halten müssten. Dolmetschseminare in Belgien sind also nonante-freie Zone, wer hätte das gedacht und warum wusste ich nichts davon?

 

Merke: Husten schützt vor Tadel nicht

Nur 24h später stand ich erneut unfreiwillig im Rampenlicht. Während der Verdolmetschung einer Kommilitonin überkam mich plötzlich ein starker Hustenreiz.

Dolmetschraum in Mons

Um sie nicht zu stören, blieb ich auf meinem Platz und unterdrückte den Husten für die nächsten Minuten. Sobald meine Kommilitonin fertig war, verließ ich so unauffällig wie möglich den Raum, um endlich aus vollem Leibe husten und mir die Tränen aus den Augen wischen zu können. Ich war der Ansicht, alles richtig gemacht und den Verlauf der Stunde nicht gestört zu haben. Ich schlich mich wieder an meinen Sitzplatz, lächelte der Dozentin freundlich zu und notierte unbehelligt Vokabeln, die bei der Besprechung der vorangegangenen Verdolmetschung fielen.

Nach der Stunde bat mich die Dozentin zu sich. „Ce comportement n’est pas toléré dans les universités en Belgique, mademoiselle“, tadelte sie mich. In Belgien dürften Studierende den Raum während des Unterrichts nicht verlassen. Das sei sehr unhöflich. In Notfällen ginge es mal, aber man müsste vorher um Erlaubnis bitten — auch wenn es sich um einen Hustenanfall handele. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Ich hatte doch tatsächlich gedacht, mich nach allen Regeln der (deutschen?) Kunst höflich verhalten zu haben. Eh bien, non!

 

Bei der Bise hört die Freundschaft auf

Nach all dem Trubel freute ich mich umso mehr auf einen kleinen belgischen Umtrunk mit ein paar Freunden. Als ich als Letzte zu der Gruppe stieß, entdeckte ich ein mir unbekanntes Gesicht. Freundlich wie ich nun mal so bin, streckte ich der Person einladend meine Hand entgegen. Eine unangenehme und plötzliche Kälte machte sich breit. Jegliches Gelächter in der Bar erstarb, die Gespräche verstummten. Dem Barkeeper entglitt ein Glas, das mit lautem Getöse und doch wie in Zeitlupe auf den Boden fiel. Er starrte mich unverhohlen an. Ich ließ meinen Blick langsam zu meiner immer noch ausgestreckten Hand wandern, als es mich jäh überkam. Wirklich Filiz? Das ist nun wirklich ein Anfängerfehler.


Autorin Filiz Yildirim

Filiz Yildirim studiert Konferenzdolmetschen (Master) am Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft, Germersheim, mit der Sprachenkombination Deutsch, Französisch, Englisch. Sie schreibt regelmäßig für den Blog der Universitätsbibliothek.

 

Erasmus mit 25?

Einfach mal raus für ein Semester, weit weg. Oder zumindest ein kleines Stück: nach Belgien. Wo Import und Export so ausgeglichen sind wie die Menschen und es sich entspannter studieren lässt als in Germersheim oder Mainz. Echt? Kommt darauf an. Hier blogt Filiz aus Mons.

 

Ich bin zu alt für den Scheiß!

Am Rande meiner Nerven und der Innenstadt der belgischen Metropole Mons (das andere Brüssel) warte ich auf meinen Flinksbus, der mittlerweile schon eine Stunde Verspätung hat und mich gar nicht mal so flink ("Ihre Fahrtzeit beträgt 18 1/2 Stunden, vielen Dank für Ihre Reservierung mit Flinksbus") zurück nach Karlsruhe bringen soll. Auf die Idee eine Direktverbindung Mons – Germersheim einzurichten, scheint, warum auch immer, bisher noch niemand gekommen sein. Es weht ein starker Wind und beim letzten Versuch, die einzig vorhandene Sitzmöglichkeit, die Bordsteinkante, in Anspruch zu nehmen, attackiert mich eine furiose Feuerameise. Ach ja, dann ist da noch diese unheimliche Gestalt, die so vertrauenserweckend aussieht wie einer der unzähligen Bösewichte in den Romanen Joanne K. Rowlings und mir unbedingt die Information entlocken möchte, wo meine nächtliche Reise denn hingehe.

 

Ich bin einfach zu alt für den Scheiß!

Zwischen Prüfungsvorbereitung und Abgabe der nächsten Hausarbeit hatte ich meine vertrauten vier Wände in der Pfalz für ganze 36 Stunden verlassen, um eine neue Bleibe für die nächsten sechs Monate hier in Mons zu finden. Mit meinem Rucksack hechte ich den gesamten Tag von Besichtigung zu Besichtigung, finde heraus, dass man Zweck-WGs hier "kot" nennt und das eigentlich nicht das ist, was ich suche. "Dooooch, doch, die Heizung funktioniert". "Normalerweise ist es hier aufgeräumter und die Herdplatten sauberer". "Lust auf ‘nen Joint?" Vor ein paar Jahren noch hätte mich das nicht gestört, oder? Und war nicht ich es, die meine Mitbewohnerinnen und Mitbewohner stets zu unzähligen WG-Partys animiert hatte? ("Filiz, wir hatten unsere Einweihungs-, Weltfriedens-, und Origamiparty doch schon letztes Semester!").

 

Ich bin einfach zu alt für den Scheiß!

Ich habe die Hoffnung schon fast aufgegeben, als ich bei Madame Dernier-Espoir klopfe, eine ältere Dame, die ich über eine Organisation für intergenerationelles Wohnen kontaktiert habe. Mir schlägt ein wunderbar angenehmer Blumenduft entgegen, aus dem Radio trällern die lieblichten Töne Joseph Jongens und die Küche strahlt mit Madame Dernier-Espoir um die Wette. Ich solle mich hier wie zu Hause fühlen und selbstverständlich stünde mir die hauseigene Privatbibliothek zu Studienzwecken zu Verfügung. Eine kleine Bitte hätte Madame Dernier-Espoir aber doch: Nach 23 Uhr herrsche in ihrem Hause Nachtruhe, ob das ein Problem für mich darstelle, erkundigt sie sich freundlich . "Mais nooon! Pas du tout!", höre ich mich erleichtert parlieren.

Ich bin wohl doch ERASMUS-Material.


Autorin Filiz Yildirim

Filiz Yildirim studiert Konferenzdolmetschen (Master) am Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft, Germersheim, mit der Sprachenkombination Deutsch, Französisch, Englisch. Sie schreibt regelmäßig für den Blog der Universitätsbibliothek.

 

Seine Exzellenz ist auch nur ein Mensch: Der Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate für Berlin in Germersheim

Man merkt an diesem Freitagmorgen, dass irgendwas anders ist am FTSK in Germersheim. Es stehen nicht nur imposant luxuriöse Fahrzeuge auf dem Campus, auch das babylonische Geschnatter in den Gängen scheint aufgeregter. Die von den angehenden Sprachgenies getragenen T-Shirts sehen gebügelter und die Schuhe sauberer aus als gewöhnlich. Folgt man dieser großen Menschentraube hinunter in den sogenannten Dolmetschkeller im Untergeschoss des Neubaus, entdeckt man den Grund für diesen Rummel:

Er trägt einen marineblauen Anzug, eine farblich abgestimmte Krawatte, ein blütenweißes Hemd und lächelt uns gewinnend an. Die Rede ist von Seiner Exzellenz Ali Al-Ahmed, dem Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in Berlin. Er wurde eingeladen, um im Rahmen der sogenannten Freitagskonferenz einen Vortrag zum Thema „From Tents to Skyscrapers“ (Vom Zelt zum Wolkenkratzer) zu halten. In den kommenden 90 Minuten versucht er, die rasante wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderung der Emirate über die letzten 50 Jahre nachzuzeichnen.

Die Germersheimer Freitagskonferenz: 90 Minuten babylonische Sprachvielfalt

Die Freitagskonferenz ist eine sprachübergreifende Lehrveranstaltung, die jeden Freitag im Semester von 11.20h bis 12.50h im Dolmetschraum I stattfindet. Sie soll den Studierenden im Master Konferenzdolmetschen (MA KD) ermöglichen, in einem authentischen Konferenzkontext ihre Dolmetschfähigkeiten zu üben und zu verbessern. Hierfür werden Rednerinnen und Redner zu unterschiedlichen Themen eingeladen. Im Idealfall findet jedes Semester mindestens eine Konferenz in jeder im Master angebotenen Sprache statt.

In der anschließenden Diskussion können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in allen vertretenen Sprachen Fragen stellen und Anmerkungen machen. Hierin sieht Rocco Pelaccia, ein italienischer Student, der seit dem Wintersemester 2017 im MA KD eingeschrieben ist, die eigentliche Herausforderung für die Dolmetschstudierenden: „Das ist immer ein zusätzlicher Stressfaktor für die Dolmetscherinnen und Dolmetscher, da sie während der Diskussion nie wissen können, auf welcher Sprache Fragen gestellt werden. Man kann sich also auch nach dem Ende des Vortrages noch nicht zurücklehnen. Im Gegenteil, hier muss man sehr konzentriert sein.“

Der Botschafter und die Russische Kabine

Adrenalinschübe garantiert

Das war auch bei einigen der an den Botschafter gerichteten Fragen der Fall: Die Konferenzsprache war Englisch. Das heißt, dass die englische Kabine die Präsentation des Botschafters aus dem Englischen ins Deutsche gedolmetscht hat. Die anderen Kabinen haben diese Verdolmetschung benutzt, um das Gesagte aus dem Deutschen ins Französische, Russische, Griechische, Italienische, Spanische, Niederländische und Polnische zu dolmetschen. Das nennt man Relais. Wenn das Publikum Fragen stellt, kann es aber dazu kommen, dass sich das Relais verschiebt: Wird eine Frage auf Französisch gestellt, muss die Französische Kabine diese ins Deutsche übertragen. Die Verdolmetschung wird dann beispielsweise von der Englischen Kabine genutzt, um die Frage ins Englische zu bringen, damit der Botschafter sie versteht und antworten kann. Es kann also große Adrenalinschübe verursachen, wenn man plötzlich in eine andere Sprachrichtung dolmetschen muss, als man es über die letzten 60 Minuten gewohnt war. „Aber so ist es auch im echten Berufsleben einer Dolmetscherin oder eines Dolmetschers“, stellt Rocco Pelaccia fachmännisch fest.

Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass die Diskussion thematisch in alle Richtungen gehen kann. So löcherte die interessierte Zuhörerschaft am Freitag den Botschafter mit Fragen zur Nuklearenergie in den Emiraten, zur Vielsprachigkeit seiner Kinder, zu seinem Botschafteralltag, aber auch zu den schwierigen Lebensverhältnissen der Gastarbeiter in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Obwohl Seine Exzellenz erst seit Mai 2016 Botschafter ist, verstand er es, sehr diplomatisch auf heikle Angelegenheiten einzugehen und stets einen Witz parat zu haben, um sich die Gunst des Raumes zu sichern.

Geschenke aus Berlin

Der Weg in die Herzen der Dolmetscherzunft

Witze und Wortspiele sind zwar der Dolmetscherin und des Dolmetschers Graus, aber Seine Exzellenz Ali Al-Ahmad gewann die Herzen der offiziellen Kabine spätestens, als er verkündete, als kleines Dankeschön für die Studis Geschenke aus Berlin mitgebracht zu haben. „Wow, dass die Redner der Freiko an die Dolmetscherinnen und Dolmetscher denken, ist bisher erst einmal vorgekommen seit ich am FTSK studiere“, erzählt mir Zwetelina Steinbach aufgeregt. Sie saß in der offiziellen Englischen Kabine und war dementsprechend dafür mitverantwortlich, dem Publikum eine Verdolmetschung ins Deutsche anzubieten.

Obwohl sie nach vielen Trockenübungen im Unterricht nun endlich mal einen „echten Botschafter“ verdolmetschen musste, war ihr keinerlei Nervosität anzumerken.

„Ich habe mich sehr intensiv auf den Vortrag vorbereitet, schließlich haben wir nicht jeden Freitag eine so hochranginge Persönlichkeit bei uns am Fachbereich. Aber es hat mir beim Dolmetschen auch geholfen, im Hinterkopf zu behalten, dass seine Exzellenz auch nur ein Mensch ist“.

Und trotzdem, ein klein wenig Stolz meine ich in ihrer Stimme ausmachen zu können. Zu Recht.

PS: Seid selbst mit dabei – alle Freitagskonferenzen findet ihr auf dem Youtube-Kanal des Fachbereichs in Germersheim.


Autorin Filiz Yildirim

Filiz Yildirim studiert Konferenzdolmetschen (Master) am Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft, Germersheim, mit der Sprachenkombination Deutsch, Französisch, Englisch. Sie schreibt regelmäßig für den Blog der Universitätsbibliothek.

 

Annalena Augustin oder das Bauchgefühl macht‘s

Wer sind die Neuen, die seit Semesterbeginn den Germersheimer Campus fluten? Wo kommen sie her, was führt sie an diesen bunten Fachbereich? In kurzen Interviews stellen wir euch in den kommenden Wochen eine Reihe von ihnen vor.

In einer Kleinstadt, wie Germersheim zu studieren, war für Annalena Augustin anfangs undenkbar. Die Neustudentin hatte nach dem Abitur erstmal einen dreimonatigen Sprachaufenthalt im spanischen Alicante gemacht und dort entdeckt, dass sie sich sehr gerne in einem internationalen Milieu bewegt. Was genau sie studieren wollte, wusste sie aber trotzdem nicht bei ihrer Rückkehr nach Deutschland. Sie begann ein FSJ, merkte jedoch schnell, dass das nichts für sie war. „Ich habe mich verloren gefühlt und mir immer wieder den Druck gemacht, dass ich doch jetzt auch mal anfangen müsste zu studieren, so wie meine ehemaligen Schulkameradinnen und -kameraden“. Im Rahmen eines Schnuppertages an der JGU, erfuhr sie vom sagenumwobenen Fachbereich 06. Getrieben von ihrer Leidenschaft für Fremdsprachen (Spanisch ist ihre Lieblingssprache!), setzte sie sich kurzerhand in den Zug, um sich die Fakultät zu Babel mal näher anzuschauen. „Anfangs hatte ich echt meine Zweifel in einer Kleinstadt zu studieren. Ich befürchtete, dass ich mich langweilen könnte“. Diese Unsicherheit verflog bei Annalena unmittelbar nach Ankunft in Germersheim. „Da war direkt dieses Bauchgefühl. Ja, hier kann ich studieren“.

Copyright: Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Foto: Stefan Sämmer

Dieses positive Gefühl bestätigte sich auch mit Beginn der Erstiwoche. Annalena hat zügig neue Leute kennengelernt, darunter auch viele Erasmusstudierende, so dass sie bereits in Genuss des heiß ersehnten „internationalen Feelings“ gekommen ist. Überraschend war allerdings doch, dass trotz Ersti-Lagerfeuer, eifrigem Kennenlernen und Entdeckunsgtouren der Unibetrieb pünktlich zum 16. April einsetzte. Keine Spur von pfälzischer Gemütlichkeit. „Wir wurden ins kalte Wasser geworfen und hatten direkt Hausaufgaben zu erledigen. Es gibt sogar Mitstudis, die nächste Woche ihre erste Präsentation halten müssen“. Annalena gesteht mir, dass sie in einigen Kursen eingeschüchtert war, als sie feststellte, dass nicht nur mittlerweile bekannte Gesichter im Raum saßen, sondern auch Studierende aus fortgeschrittenen Semestern. Zeit sich darüber zu viele Gedanken zu machen, scheint sie nicht zu haben:

„Ich weiß gar nicht, womit ich anfangen soll. Es gibt so viele tolle Freizeitangebote, ich hatte noch nicht die Möglichkeit, mir alle anzuschauen. Das ist überwältigend. Vielleicht lerne ich spontan Japanisch oder Portugiesisch, das scheinen viele Menschen hier auf dem Campus zu sprechen“.

Unser angeregtes Interview, das eigentlich mehr ein Gespräch ist, wird jäh unterbrochen, als eine Mitstudentin von Annalena sie zum Essen abholt. Einsam wird das kommende Semester sicherlich nicht für sie, denke ich mir, als ich den beiden hinterherblicke.

 


Autorin Filiz Yildirim

Filiz Yildirim studiert Konferenzdolmetschen (Master) am Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft, Germersheim, mit der Sprachenkombination Deutsch, Französisch, Englisch. Sie schreibt regelmäßig für den Blog der Universitätsbibliothek.

 

Dzhessi Pudaeva oder: Kleinstadt? So what!

Wer sind die Neuen, die seit Semesterbeginn den Germersheimer Campus fluten? Wo kommen sie her, was führt sie an diesen bunten Fachbereich? In kurzen Interviews stellen wir euch in den kommenden Wochen eine Reihe von ihnen vor.

Man sieht Dzhessi nicht an, dass sie gestern mit vollem Einsatz (bzw. Glas) an der Ersti-Kneipentour in Germersheim teilgenommen hat. Sie erzählt mir ganz ungezwungen von ihren bisherigen Eindrücken und ihren Erwartungen an das kommende Semester. Dzhessi Pudaeva studiert seit Beginn des Sommersemesters den Bachelor „Sprache, Kultur, Translation“ mit der Sprachenkombination Russisch, Deutsch, Englisch am Fachbereich 06 der JGU am Standort Germersheim. Um ihren Traum vom Übersetzungsstudium in Deutschland zu verwirklichen, hat sie ihr Pädagogikstudium in Russland nach dem dritten Semester abgebrochen.

Zwecks Anerkennung ihres russischen Schulabschlusses, hat sie für ein Semester am Mainzer Studienkolleg „Sprach- und Geisteswissenschaft“ studiert. Obwohl Dzhessi sehr gerne in der rheinlandpfälzischen Hauptstadt gelebt hat, entschließt sie sich, das Übersetzungsstudium in Germersheim zu beginnen. „Ich hätte auch nach Köln oder Leipzig ziehen können, aber ich wollte in Rheinland-Pfalz bleiben. Hier kenne ich schon einige Leute. Anfangs wusste ich gar nicht, dass das FTSK zur Universität Mainz gehört“.

Trotzdem sei es hier total anders, versichert sie mir. „Im Studienkolleg kamen fast alle Studierenden aus dem Ausland. Hier in Germersheim gibt es viele Deutsche unter meinen Kommilitoninnen und Kommilitonen. Das ist schon eine neue Erfahrung für mich“. Aber auch im Vergleich zum russischen Universitätssystem hat die Studentin bereits Unterschiede feststellen können: In Germersheim könne sie sich ihren Stundenplan und die zu belegenden Kurse selbst zusammenstellen, was in Russland nicht der Fall ist. „Ich mag es auch, dass ich in meinen Germersheimer Kursen nicht nur mit Erstis sitze, sondern auch mit Leuten aus höheren Semestern. Bei uns bleibt man während des gesamten Studiums mit den Studis aus dem gleichen Jahrgang zusammen“. Natürlich gäbe es auch den ein oder anderen Grammatikkurs hier, den man ihrer Ansicht nach ansprechender gestalten könnte.

Als ich Dzhessi auf ihre Pläne für das Semester anspreche, sprudelt es nur so aus ihr heraus. Mandarin wolle sie unbedingt lernen. Aus dem Kulturangebot des AStAs hat sie sich einen Kurs für Anfänger herausgesucht. Außerdem hat sie vor, auch vom abwechslungsreichen Sportprogramm zu profitieren: Leichtathletik hat es ihr besonders angetan. Sicherlich wird Dzhessi einige Herausforderungen in ihrem ersten Semester am FTSK meistern müssen. Anders als dass für einige andere Erstis der Fall ist, macht sie sich hingegen wenig Sorgen, in einer Kleinstadt wie Germersche zu leben: „Ich bin ein Mensch der auch gut in einer kleineren Stadt leben und studieren kann“.

 


Autorin Filiz Yildirim

Filiz Yildirim studiert Konferenzdolmetschen (Master) am Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft, Germersheim, mit der Sprachenkombination Deutsch, Französisch, Englisch. Sie schreibt regelmäßig für den Blog der Universitätsbibliothek.

 

Germersheim ist kein Mainzer Vorort

Wo JGU draufsteht, ist auch JGU drin?

Germersheim ist nicht Mainz. Sicher, das Hauptgebäude könnte aus demselben architektonischem Guss stammen, wie so manches Bauungetüm auf dem Mainzer Campus und Jogustine kann in der Pfalz genauso unkooperativ sein wie im Rheinland. Trotzdem. Germersheim ist nicht Mainz. Mainz ist nicht Germersheim. Und das in unterschiedlicher Hinsicht.

Hier sitze ich nun in einer schallisolierten Kabine. Die Luft kann schnell stickig werden. Eine Frauenstimme dröhnt aus den Kopfhörern, die ich mir nur über ein Ohr gezogen habe. Ich suche nach den richtigen Wörtern, nach der richtigen Nuance. Und das muss schnell gehen. Sehr schnell. Unaufhaltsam fährt die Stimme fort: "Heute erinnern wir, Franzosen und Deutsche gemeinsam, an das, was hier geschah". "Aujourd’hui nous, Français et Allemands… ähem commémorons ensemble ce qui a eu lieu ici", höre ich mich sagen, fast ganz Frank-Walter-Steinmeier-like.

Nach etwa 20 Minuten lege ich die Kopfhörer ab und verlasse die Dolmetschkabine 12 am Fachbereich 06 der JGU. Mein Puls beruhigt sich wieder.

 

Germersheimer Eigenheiten

Copyright: Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Foto: Stefan Sämmer

Seit einigen Monaten studiere ich nun schon am Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft (FTSK) den Master Konferenzdolmetschen, habe Hörsäle gegen Dolmetschräume eingetauscht und auch sonst hat sich an meinem Studienalltag viel verändert. Man sitzt nicht mehr so oft in der Bibliothek, sondern im Sprachlabor, in dem man so genannte Stundenbänder nacharbeiten kann. Man liest weniger Wälzer, dafür jeden Tag Zeitung, auch den Wirtschaftsteil, in möglichst allen Arbeitssprachen.

Auch am FTSK werden Vorlesungen und Seminare angeboten, aber mein Studienschwerpunkt liegt auf dem Dolmetschen. Eine typische Dolmetschstunde folgt immer dem gleichen Muster: Wir erhalten eine kurze Einführung in das Thema der zu verdolmetschenden Rede, gehen in die Kabine, geben unser Bestes, versuchen uns zu behaupten, angesichts aberwitziger Wortspiele, Zahlenkolonnen und Wörter, die eigentlich nichtssagend sind. Anschließend werden wir abgehört. Manchmal kommt es vor, dass wir über Begrifflichkeiten diskutieren oder darüber, wie wir Kulturspezifika am Besten in die Zielsprache übertragen.

Copyright: Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Foto: Stefan Sämmer

Es ist ein sehr praxisorientierter Master, der viel Disziplin und Eigeninitiative verlangt, denn das Dolmetschen lernt man nicht im Unterricht, sondern durch kontinuierliches Üben zu Hause. Das Lernen in Lerngruppen wird wärmstens empfohlen. Es hilft, am Ball zu bleiben und gestaltet das Lernen angenehmer. Schnell versteht man, Dolmetschen ist Teamwork. Dementsprechend knüpft man schneller Kontakt, schließt einige Freundschaften, die restlichen Studierenden aus dem Master kennt man mittlerweile mindestens vom Sehen. Untertauchen, sein eigenes Ding machen, wie es der manchmal etwas unübersichtliche Betrieb auf dem Mainzer Campus erlaubt, erweist sich im kleinen Germersheim als schwierig. Es ist auch gar nicht ratsam, denn wie ich schnell festgestellt habe, braucht man neben einem dicken Fell auch Freunde, um dem ständigen Bewertungsdruck und dem Feedback der Dozentinnen und Dozenten gewachsen zu sein.

 

Und welche Sprachen studierst du?

Germersheimer Gespräche unterscheiden sich auch von jenen, die ich aus Mainz gewohnt bin. Wenn wir unter den letzten schwachen Strahlen der Herbstsonne nach dem Unterricht beisammensitzen, drehen sich unsere Gespräche oft, einige würden sagen zu oft, ums Dolmetschen. Da fällt es schwerer, das Studium Studium sein zu lassen, als es in Mainz der Fall ist. Manchmal beschleicht mich das Gefühl, unter einer gläsernen, kunterbunten Kuchenglocke zu leben. In einem Mikrokosmos, in dem wir sehr viel über Sprachen in sehr vielen Sprachen sprechen und in dem beim ersten Kennenlernen immer gefragt wird: "Und welche Sprachen studierst du?". Das kann anstrengend sein.

 

Das Germersheimer Geheimrezept

Diese Abgeschirmtheit lässt sich auch darauf zurückführen, dass man, anders als in Mainz, nicht mit anderen Studienfächern als den drei vertretenen (B.A Sprache, Kultur, Translation, MA Konferenzdolmetschen, MA Translation) in Berührung kommt. In der Germersheimer Mensa brütet niemand über einem Algebrabuch oder dem Schönfelder, beim Unisport kommt man nicht mit Studis der Theologie, der Biologie oder den Sozialwissenschaften zusammen.

Einerseits ist das sehr schade, andererseits herrscht am FTSK gerade deswegen eine sehr besondere Atmosphäre, weil wir alle mindestens eine Leidenschaft teilen, jene für Sprachen und andere Kulturen. Ich möchte auch nicht mehr auf das Privileg verzichten, durch die Uni zu streifen und dabei so viele unterschiedliche Sprachen zu hören.

Mainz ist nicht Germersheim. Germersheim ist nicht Mainz. Nicht besser, nicht schlechter. Anders.

 


Autorin Filiz Yildirim

Filiz Yildirim studiert Konferenzdolmetschen (Master) am Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft, Germersheim, mit der Sprachenkombination Deutsch, Französisch, Englisch. Sie schreibt regelmäßig für den Blog der Universitätsbibliothek.

 

Do’s and Don’ts zum Studienstart

 

Heute ist für viele Erstsemestlerinnen und Erstsemestler der erste Tag an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. An dieser Stelle spare ich mir, als alte Häsin, meine Beileidsbekundungen und gebe euch lieber einen nützlichen Ratgeber mit an die Hand, der euch sicher durch die bevorstehenden turbulenten Zeiten bringen wird.

 

Vorab ist es vielleicht ganz gut, sich klar zu machen, dass vor euch auch schon andere durch die ehrwürdigen Hallen der Universität wandelten und sich dabei zu Beginn genau so unsicher gefühlt haben, wie so manch eine oder einer unter euch.

 

Aller Anfang ist schwer. Do: Tief durchatmen!

Am Studialltag und der Institution Uni hat sich natürlich sehr viel verändert. Hättet ihr euch vor 50 Jahren, also 1967, eingeschrieben, wärt ihr nicht am höchstkomplizierten Einrichten eines Druckkontos gescheitert, sondern vielleicht sogar schon an der Immatrikulation selbst, Bafög gab es damals nämlich noch nicht und dementsprechend kostspieliger war das Studium in diesen Zeiten also. Dass das Bafög allerdings auch so seine Nachteile hat und noch weit davon entfernt ist, auf gerechte Art und Weise die Studienfinanzierung für möglichst viele Studis sicherzustellen, ist allseits bekannt. Trotzdem: Falls du zu den Auserkorenen gehörst und dich daher durch den ganzen Papierkram kämpfen musst, denk immer daran, dass es das wert ist. Du wirst sehen, dass man sich im Laufe des Studiums eine umfassende Expertise in Sachen Bafög aneignet und man mit jedem Verlängerungsantrag routinierter wird.

1967: Feierliche Immatrikulation an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
1967: Feierliche Immatrikulation an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Und was den Akt der Einschreibung selbst angeht, habt ihr es heute deutlich einfacher als jene Studienanfängerinnen und Anfänger, die 1967 nicht um den ganz großen Auftritt herumgekommen sind. Zwar nicht à la Harry Potter mit sprechendem Hut und so, aber bis Ende der 60er Jahre gehörte es zum guten Ton in der rheinlandpfälzischen Hauptstadt, die neuen Mitglieder des Campusvolks bei einer feierlichen Immatrikulation im Großen Saal des Kurfürstlichen Schlosses mit einem Festakt offiziell in der akademischen Gemeinschaft willkommen zu heißen. Zu den Programmpunkten gehörten etwa der Einzug des Lehrkörpers, Musikeinlagen des Mainzer Collegium Musicum und der für die Neuankömmlinge wohl ergreifendste Teil: die feierliche Verpflichtung der Neuimmatrikulierten.

 

Gestern Vietnam, heute Syrien. Do: Redet miteinander!

Abseits von Prunk und Fanfaren, in den mehr oder weniger ansehnlichen Toilettenräumen auf den Gängen unterwegs zur nächsten Veranstaltung, oder wo auch immer, blieb und bleibt Platz für Gespräche an der Uni, die nicht zwangsläufig auf dem Lehrplan stehen. Als Ersti bietet es sich insbesondere an, deine Mitstudis in Gespräche zu verwickeln und euch auszutauschen. Vor 50 Jahren drehten sich viele Diskussionen um den immer verheerender werdenden Vietnamkrieg, die nicht aufgearbeitete Nazivergangenheit der vorigen Generation und die, in den Augen vieler Studierender, hetzerisch berichtende „Springerpresse“. Der Schock über die Ermordung des Berliner Studenten Benno Ohnesorg saß noch immer tief. Natürlich finden auch weiterhin, wie 1967, eben jene weltpolitischen Themen Eingang in unsere universitäre Blase und zwingen uns, uns mit dem Krieg in Syrien, dem Erstarken verfassungsfeindlicher Positionen im gesellschaftlichen Diskurs und den vielen sozialen Ungerechtigkeiten in der Republik auseinanderzusetzen.

 

„Im Staat mündig, in der Universität ein bevormundetes Kind“. Do: Engagier dich!

Neben den Diskussionen bringen sich auch viele Studierenden selbst ein, um an den vielen Baustellen unserer Gesellschaft mitwirken zu können. Auch an der Uni. Jetzt nicht unbedingt bei der Neubepflasterung des Unieinganges sondern im übertragenen Sinne. Schau dich doch mal bei deiner Fachschaft um, bring dich im AStA ein oder gestalte eine der unzähligen Hochschulgruppen in Mainz mit. Ganz nebenbei kannst du hier natürlich Kontakte knüpfen, aus denen vielleicht sogar Freundschaften entstehen.

Das vergangene Sommersemester war von Protesten seitens der Studierenden geprägt gewesen, die auch hochschulpolitisch mehr Mitbestimmung gefordert hatten, etwa durch studentische Repräsentation im Senat, dem höchsten Entscheidungsgremium der Uni. Diesen Wunsch, mündiger Teil in einer demokratischen Bildungseinrichtung zu sein, hatten auch schon die Studenten und Studentinnen vor 50 Jahren. Persönlich angegriffen fühlten sich daher einige unter ihnen durch die Worte des Mainzer Rektors Professor Adolf Adam in der Hochschulbeilage der Mainzer Allgemeinen Zeitung anlässlich seiner Amtseinführung zum Beginn des Wintersemesters 1967/68:

„Diese Partnerschaft [zwischen Rektor und Studis] bedeutet jedoch nicht, daß jeder gleiche Funktionen und Entscheidungsbefugnisse besitzt. Eine allseitige Gleichmacherei wäre Utopie und müßte der Sache der Universität und in erster Linie den Studenten schaden.“

Wohl gänzlich verscherzt hatte es sich der neue Rektor mit den angehenden Mainzer Akademikerinnen und Akademikern aber vor allem durch seine Aussage ein paar Zeilen weiter unten. Hier sprach er jungen Menschen im Allgemeinen ab, den nötigen „Sachverstand, Erfahrung und Überblick“ zu haben, um sich hochschulpolitisch einzubringen, denn:

„Wer aber wollte bestreiten, daß der junge Mensch zwischen zwanzig und fünfundzwanzig sowohl in Wissenschaftsfragen wie auch im Bereich menschlicher Erfahrung noch ein Lernender ist und ihm das später mögliche Potential an Sachverstand, Erfahrung und Differenzierungsvermögen jetzt noch nicht zugewachsen ist.“

Wer heute als Lernender oder Lernende an die Uni Mainz kommt, findet im Vergleich zu 1967 und dank der 68er-Bewegung demokratisierte Strukturen vor und hat zahlreiche Mitbestimmungsmöglichkeiten, auch auf institutioneller Ebene. Was Rektor Adam wohl sagen würde, wenn er wüsste, dass heute 8 Studierende als stimmberechtigte Mitglieder des Senats im höchsten Gremium der Universität sitzen und über unirelevante Sachverhalte mitentscheiden?

 

Trillerpfeifen und Transparente. Do: Den Protest auf die Straße bringen!

Wer das Semester gut ausgestattet beginnen möchte, sollte sich auch mit Transparenten und Trillerpfeifen eindecken. Die machen sich immer gut bei Sitzblockaden gegen Erhöhung des Semesterbeitrags und schlechtes Mensaessen. Eure Kommilitoninnen und Kommilitonen von 1967 können ein Lied davon singen. So protestierten sie etwa gegen die Notstandsgesetze, gegen den Krieg in Vietnam oder die Anbiederung der BRD an das autokratische Schahregime des Irans.

 

Traditionen sind wichtig. Do: An der Kneipentour teilnehmen!

Es gibt auch andere Gepflogenheiten, die es sich fortzuführen lohnt, denn Traditionen sind schon was Tolles, also auf jeden Fall, wenn es um die Ersti-Kneipentour geht. Passt hier nur auf, den Anschluss an die Gruppe nicht zu verlieren. Denn wenn ihr euch plötzlich zwischen mit Säbel hantierenden und komischen Mützen tragenden Studis wiederfindet, muss das nicht zwangsweise an überhöhtem Alkoholkonsum liegen. Es gibt sie noch – diese Studentenverbindungen, die mit ihren Ritualen aus der Zeit gefallen zu sein scheinen.

Da man sich ja auch mal bei den älteren Jahrgängen umhören kann, wie die ihre Zeit als Erstis überstanden haben, haben wir im Universitätsarchiv uns noch zusätzliche Gedanken gemacht, uns an unsere Ersti-Zeit zurückerinnert. Wenn ihr die Do’s beherzigt seid ihr zwar schon fast Uniprofis, doch hier noch ein paar Dinge die ihr besser bleiben lasst.

 

Don’t!

Deine Tischnachbarin beim Ersti-Frühstück mit „wertes Fräulein, könnten Sie mir bitte die Butter reichen“, ansprechen. Unter Rektor Adam noch völlig normal, heute eher uncool.

Gekauftes Lehrbuch nach Klausur mit Unschuldsmiene in der Campusbuchhandlung  zurückgeben und trotz kunterbunt markierter Passagen und Kaffeeflecken behaupten, man habe es ja gar nicht benutzt – das sei schon so gewesen. Ein Klassiker.

Deinen Ehemann um Erlaubnis bitten, dich an der Universität immatrikulieren zu dürfen. Das ist sooo 1967.

Nein, man belegt einfach keine Vorlesung um acht Uhr morgens – es sei denn diese ist klausurrelevant oder bei einem Professoren wie Walter Holsten, den hält man sich lieber mal warm. (Warum, könnt ihr hier lesen).

Ach ja, Life hack: Fragen wie "Müssen wir das für die Klausur noch wissen?" mögen auch die nettesten Dozierenden nicht.

Gibt’s sonst noch etwas zu wissen? Ne Menge, aber deswegen bist Du ja hier.

 

Viel Spaß beim Studieren!

 


Autorin Filiz Yildirim

Filiz Yildirim studiert Geschichte und Französisch Bachelor of Arts im Mainz-Dijon-Studiengang. Sie arbeitet zurzeit als Hilfswissenschaftlerin im Universitätsarchiv und schreibt dort hauptsächlich Beiträge zur Reihe "68er in Mainz".