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Ohne Schranken: Bibliotheksbereich Georg Forster-Gebäude und Zentralbibliothek

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Campuspfade. Geschichten hinter den Namen

 

Foto: Thomas Hartmann

Teil 2: Hanns-Dieter-Hüsch-Weg

Friedrich von Pfeiffer, Jakob Welder, Johann-Joachim Becher und Colonel Kleinmann? Du fragst dich, woher die Straßennamen auf dem Campus kommen? Dann bist du hier genau richtig. Hier erfährst du die Hintergründe zu den Namensgebern, aber auch Tipps und Tricks zu deinem Studium.

Heute…

… der Hanns-Dieter-Hüsch-Weg. Bild: Daniel Fröb

Alle wollen nach Mainz! Oder etwa nicht?

Wolltest du eigentlich gar nicht in Mainz studieren? Waren andere Universitäten auf deiner Wunschliste weiter oben? Falls ja, dann teilst du vermutlich das Schicksal von unzähligen Studenten vor dir. Einer von ihnen war Hanns Dieter Hüsch. Er suchte nach dem Ende des 2. Weltkriegs einen Studienplatz in der Nähe seiner Heimatstadt Moers. Daher standen die Universitäten Köln und Bonn ganz oben auf seiner Liste. Doch diese waren, wie es Hüsch später selbst ausdrückte, „hoffnungslos ausverkauft“. Aber alles der Reihe nach. Fangen wir erstmal von vorne, also bei seiner Geburt, an.

 

Hüschs Familie? Inzucht und Trinksucht!

Am 6. Mai 1925 beginnt die Geschichte von Hanns Dieter Hüsch. Und sie hätte kaum einen schlimmeren Prolog finden können. Denn seine Geburt löste eine Familienfehde aus. So attestierte die Familie seiner Mutter Adele der des Vaters Heinrich jahrtausendlange Inzucht. Diese wiederum erwiderten, dass Adele „am Zapfhahn großgezogen wurde“ und aus einer Familie von Trinksüchtigen stamme. Was sich wie eine niederrheinische Version von Romeo und Julia anhört, hatte einen tragischen Hintergrund: Hüschs Füße standen bei der Geburt exakt 180 Grad nach hinten und in der Achse 90 Grad nach innen und daher suchten beide Familien die Schuld jeweils bei der anderen. Unzählige Operationen musste Klein-Hanns Dieter über sich ergehen lassen. Seine Kindheit verbrachte er aus diesem Grunde weitestgehend isoliert von anderen Kindern. In den Wirren des 2. Weltkriegs erlangte er im Februar 1943 das Abitur und studierte anschließend auf Wunsch seines Vaters ein Semester lang Medizin in Gießen, ehe der Krieg dies unmöglich machte.

 

Die Akte Hüsch. Quelle: Universitätsarchiv Mainz (Best. 91 Nr. 4144).

Hüschs Zweifel. Letzter Ausweg Mainz.

Als der Krieg vorbei war und die ersten Universitäten ihren Betrieb wiederaufnahmen, bewarb sich Hüsch, wie oben erwähnt, erfolglos in Bonn und Köln. Er sah sich bereits ein Leben als mittlerer Beamter in seiner Heimatstadt Moers führen, als Freunde von ihm erfuhren, dass in Mainz eine neue Universität öffne. Sie erkannten die Chance und überredeten Hüsch, mit nach Mainz zu kommen. Begleitet von seinen Freunden, aber in erster Linie von Zweifeln, machte er sich auf den Weg nach Mainz „an das andere Ende der Welt“. Diesmal meinte es das Schicksal gut mit Hüsch und so erhielt er noch am selben Tag die Zusage für den gewünschten Studienplatz. Damit gehörte er zu den rund 1200 studentischen Pionieren der Johannes Gutenberg-Universität.

 

Hüschs Suche. Wohnungen in Mainz.

Noch am Tag seiner Ankunft in Mainz fand Hüsch eine Wohnung in Mainz-Bretzenheim. Dies war in Anbetracht der Wohnungsknappheit in Mainz nach den Zerstörungen des 2. Weltkriegs keine Selbstverständlichkeit. 30 Reichsmark musste Hüsch für seinen Schlafplatz bezahlen, denn um viel mehr dürfte es sich nicht gehandelt haben.

Achtung! Die Wohnungen gerade für Studenten sind in Mainz noch immer knapp und die Mieten sind dementsprechend hoch. Willst du eine eigene kleine Wohnung mieten (ca. 30 qm), zahlst du aktuell durchschnittlich etwa 13,50 € pro qm und Monat. Die günstigere Alternative ist eine Wohngemeinschaft. Bist du WG-tauglich? Falls ja, findest du hier vielleicht die passende WG.

 

Hüschs Anpassung. Mainzer Dialekt.

Während sich die Wohnungssuche schnell erledigt hatte, gab es eine weitere Herausforderung für den Zugezogenen: „Als ich zum erstenmal in einer Straßenbahn in Mainz saß und von der Stadt nach Bretzenheim fuhr, da verstand ich „werklisch“ kein Wort, ich dachte, ich bin auf einem anderen Kontinent, nicht nur in einem anderen Land, sondern in einer anderen Welt.“

TIPP: Hast du auch Probleme, dich mit den Einheimischen zu verständigen? Für den ersten Einblick ins Meenzerische findest du hier ein paar Vokabeln. Hat dich das noch nicht abgeschreckt, dann schau dir doch dieses Buch in der Zentralbibliothek mal an.

 

Hüschs Studien? Versuche!

Hüsch begann sein Studium mit dem Ziel Dramaturg bzw. Opernregisseur zu werden. Literaturgeschichte, Theaterwissenschaften und Philosophie schienen daher die richtige Studienwahl für ihn zu sein. In den Proseminaren und Vorlesungen war der junge Student jedoch selten zu finden. Lediglich die Feature-Vorlesung von Gehrke und Kühn mit dem Titel „Picasso in uns“ besuchte er gerne und regelmäßig. Beide Dozenten müssen einen großen Unterhaltungswert besessen haben, denn sie „wechselten sich manchmal satzweise oder sogar wortweise ab und sprachen manchmal kurze Passagen synchron zusammen“. Diese Vorlesung blieb aber die Ausnahme und schon bald besuchte Hüsch gar keine Lehrveranstaltungen mehr.

Textauszug:
„Mein Vater denkt
Ich werde Studienrat
Deutsch Englisch Französisch
In Wahrheit
Schlendere ich nur
Durch die langen Gänge der Universität
Von Flügel A bis Flügel B
Und Flügel C bis Flügel D
Immer im Kreise
Vorbei an vielen Räumen
Manchmal bleibe ich stehen und horche
Jemand spricht
Aha Anglistik I

So bin ich oft stundenlang
Von einer Tür zur anderen gegangen
Monatelang
Habe Stimmen und Klopfen und Scharren
Gehört
Selbst die wichtigen Proseminare
Habe ich nicht besucht

In der Mensa denkt jeder
Alle haben es begriffen
Nur ich nicht

[…]

Mein Vater denkt
Ich werde Studienrat
Deutsch Englisch Französisch
Alles vergessen.“

Fortan studierte er lieber das Leben. Das Leben der Studenten, das kleinbürgerliche Leben und das Stadtleben. Daraus schöpfte er seine Inspiration für erste Gedichte und Chansons. Doch es genügte Hüsch nicht diese zu verfassen, er wollte sie vortragen. Und so nutze er jedes verwaiste Klavier um seine Stücke einem kleinen Kreis von Studenten vorzuspielen.

 

Hüschs Körper? Unmuskulös!

Durch seine spontanen Auftritte fiel Hüsch auch den Machern des Mainzer Studenten-Kabarett „Die Tol(l)eranten“ auf. Diese baten Hüsch zur Fastnachts-Kampagne 1948 Teil ihrer Truppe zu werden. Hüsch sagte „Ja“ und führte beim Stück „Der B(r)ettl-Student“ seine selbstironische Ballade „Ich bin ja so unmuskulös“ mit großem Erfolg auf.

Textauszug:
„[…] Ich bin ja so unmuskulös,
Wie kommt denn, wie kommt denn, wie kommt denn dös?
Immer, wenn ich starke Männer sehe,
Sag ich zu mir streng, gestehe:
Du bist nun mal kein Mann vom Format des Turnvater Jahn.
Wenn du mal stirbst, dann kräht nach dir, dann
Kräht nach dir kein Hahn;
Denn nur in gesunden Körpern haust auch ein gesunder Geist.
Ich möchte so gerne einen Mann verkörpern
Der wie Siegfried und Achill
Etwas Großes leisten will.
Aber ich, aber ich, aber ich hab keinen Mut,
denn mir fehlen alle Tropfen Kämpferblut.
Immer, wenn ich mich im Spiegel sehe,
Sag ich unter Tränen mir, gestehe:
Du bist so unmuskulös.

Dieserhalb sind mir auch alle Frauen bös.
Die erste sagt, ich hätte keine Heldenbrust.
Die zweite sagt, wenn sie mich sieht: hab keine Lust!
Die dritte sagt: Ich sähe ja so kindisch drein,
Und so leb ich ganz allein.
[…]“

 

Hüschs Liebe? Marianne!

Und so lebte er ganz allein… bis zum Fastnachtsdienstag 1949. An diesem Tag forderte ihn eine junge Studentin zum Tanzen auf. Sie hieß Marianne Lüttgenau und studierte im ersten Semester Germanistik an der JGU. Obwohl er beim Tanzen aufgrund seiner Behinderung keine gute Figur abgab, blieb Marianne zunächst den ganzen Abend und anschließend sogar ihr ganzes Leben bei ihm. 1951 heiratet das Paar und die Geburt der Tochter Anna vervollständigte das Glück. Wäre da nur nicht diese finanzielle Not gewesen. Also entschloss sich Hüsch 1951 das Studium abzubrechen, um sich voll auf das Geldverdienen konzentrieren zu können.

TIPP: Du trägst dich auch mit dem Gedanken das Studium abzubrechen? Die JGU hat hilfreiche Links zusammengestellt, die dir bei der Entscheidung helfen.

 

Hüsch-Plakat zum Universitätsjubiläum von 1977. Quelle: Universitätsarchiv

Hüschs Kariere? Ausgezeichnet!

Fortan verdiente er sich als Rundfunkmoderator, Schauspieler, Schriftsteller, Synchronsprecher und nicht zuletzt als Kabarettist. Sein erstes Soloprogramm mit dem Titel „Das literarische Klavier“ brachte er 1954 auf die Bühne. Insgesamt präsentierte Hüsch in über 50 Bühnenjahren etwa 70 eigene Soloprogramme. Oft zeichnete er darin ein lebensnahes und gleichsam lustiges Bild vom Milieu (kleinbürgerlich) und der Region (Niederrhein), aus der er stammte. Bestes Beispiel hierfür ist dieser Auftritt. Mit seinen Programmen tingelte Hüsch durch ganz Deutschland, doch sein Lebensmittelpunkt blieb vorerst Mainz. Hier feierten in der Regel seine Stücke Premiere und hier wurde er immer wieder mit Auszeichnungen geehrt. 1972 wurde ihm der erste Deutsche Kleinkunstpreis vom Mainzer unterhaus verliehen. Fünf Jahre später wurde Hanns Dieter Hüsch im Rahmen der Feierlichkeiten zum 500-jährigen Jubiläum der Universität Mainz zum Ehrenbürger der Universität ernannt. 1982 wurde er abermals mit dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet.

 

 

TIPP: Etwas Kultur gefällig? Neben dem unterhaus bieten auch die Junge Bühne Mainz, die Mainzer Kammerspiele und das Staatstheater Mainz gelungene Unterhaltung. Während die ersten beiden Spielstätten Ermäßigungen für Studenten anbieten, kannst du beim Staatstheater als eingeschriebener Student der JGU ab drei Tage vor einer Vorstellung eine kostenlose Eintrittskarte für das jeweilige Stück erhalten (ausgenommen sind Premieren und Sondervorstellungen).

 

Unnachahmlich Hüsch! Quelle: Universitätsarchiv Mainz. Foto. Reiner Wierick (1990).

Hüschs Abschied...

1985 begann für Hüsch die Zeit des Abschiedes. Sechs Tage nach seinem 60. Geburtstag musste Hüsch von seiner Frau Marianne Abschied nehmen. Sie erlag am 11. Mai gegen 10 Uhr in Anwesenheit ihres Mannes und ihrer Tochter einem Krebsleiden. Ihre letzte Ruhestätte fand Marianne Hüsch auf dem Bretzenheimer Friedhof. Dieser Verlust veranlasste Hüsch sich 1988 nun auch aus Mainz zu verabschieden: „ich bin von Mainz weggegangen [… ] weil […] meine Frau gestorben [war], mit der ich 34 Jahre verheiratet war nach einer sehr schweren, schweren Krankheit und dann habe ich auf einmal festgestellt, dass dieses Mainz, oder dieser Vorort Bretzenheim, indem ich gelebt habe, in einem kleinen Reiheneckhaus, das der für mich kein zuhause mehr war. D.h. der Mensch war weg, das Haus stand zwar mit allen vier Wänden, mit allen Möbeln und drum und dran, aber der Mensch war weg.“ (aus: "Zu Gast bei Hanns Dieter Hüsch"). Ihn zog es den Rhein abwärts nach Köln. Dort lernte er seine zweite Frau Christiane Rasche kennen, die er 1991 heiratete.

 

 

Hüschs Stern auf dem Walk of fame des Kabaretts. Foto: Daniel Fröb

Hüschs Ende? Wir sehen uns wieder!

Die letzten Jahre Hüschs waren geprägt von Krankheiten. 1998 wurde bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert. 1999 kehrte er nochmal auf die Bühne zurück. Im Jahr 2000 folgte seine Abschiedstournee „Wir sehen uns wieder“. Im November 2001 erlitt Hüsch einen Schlaganfall, der fortan alle weiteren Auftritte Hüschs in der Öffentlichkeit verhinderte. Auch bei der Enthüllung seines Sterns auf dem Mainzer Walk of fame des Kabaretts am 27. April 2005 konnte er nicht mehr teilnehmen. Am 6. Dezember desselben Jahres starb er in Windeck-Werfen. Sein Grab befindet sich in seiner Heimatstadt Moers.

 

Hüschs Weg? Hanns-Dieter-Hüsch-Weg!

Im Mai 2006 würdigte die JGU ihren Ehrenbürger, indem sie die neu fertiggestellte Verbindungstraße zwischen Ackermannweg und Bentzelweg nach dem „Schwarzen Schaf vom Niederrhein“ benannte. Seit diesem Datum fristet der Hanns-Dieter-Hüsch-Weg ein recht ruhiges Leben, denn vor Ort befindet sich aktuell mit dem Translational Animal Research Center (TARC) nur ein fertiggestelltes Gebäude. Doch neben dem TARC herrschen zurzeit heftige Bautätigkeiten. Hier entsteht aktuell das 42 Millionen € teure BioZentrum I. Ab Sommer 2018 sollen hier auf einer Fläche von 4.700 Quadratmetern die Biologen der Universität ihre neue Heimat finden. Bei den Ausgrabungen stießen die Bauarbeiter auf Fundamente der römischen Wasserleitung (aquaeductus). Diese versorgte das römische Mainz (Mogontiacum) mit frischen Quellwasser aus Finthen (ad Fontes). Die Steine wurden durch die Denkmalpflege in Augenschein genommen und verbleiben an Ort und Stelle (in situ). Zu sehen sein werden die Steine auf dem Grundstück und im Gebäude des BioZentrums allerdings nicht.

Die hinterlassen, die Römer! Bild: https://www.campus-digital-mainz.de/

TIPP: Interessierst du dich für das römische Mainz? Dann schau dir doch mal das Isis- und Mater Magna-Heiligtum in der Römerpassage oder das Museum für Antike Schifffahrt beim Cinestar an. Beide Einrichtungen kosten keinen Eintritt!

 

Dein Weg, sofern du tatsächlich an der JGU studierst, hat dich ebenso nach Mainz geführt, wie einst Hanns-Dieter-Hüsch. Und falls du wirklich nicht in Mainz studieren wolltest, dient dir seine Geschichte vielleicht als Mutmacher. Vielleicht lernst du ja auch die Stadt lieben und die Liebe in der Stadt kennen. Und ganz vielleicht kannst du ja auch eines Tages sagen, dass dein „Weg nach Mainz ein ganz wichtiger und ein ganz wertvoller gewesen“ und „dieses Mainz wirklich [dein] zweites zu Hause geworden [ist].“

 

Du willst mehr von und über Hanns Dieter Hüsch lesen?

 


Daniel Fröb
Daniel Fröb studierte Geschichte und Publizistik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Im Sommersemester 2017 schloss er dieses Studium ab. Er ist Mitarbeiter der Universitätsbibliothek Mainz.

Bibliotheksbereich Georg Forster-Gebäude und Zentralbibliothek ohne Schranken

Lasst Euch nicht von den Sicherungsgates zwischen Bibliotheksbereich Georg Forster-Gebäude und der Zentralbibliothek abschrecken: Diese Gates sind deaktiviert. Es können also Bücher aus dem GFG-Bestand an Arbeitsplätzen der ZB genutzt werden - und umgekehrt.

Um Chaos zu vermeiden, bitte die Bücher wieder in den jeweiligen Bereich zurückbringen, spätestens zum Ende der Öffnungszeit. Danke!

Do’s and Don’ts zum Studienstart

 

Heute ist für viele Erstsemestlerinnen und Erstsemestler der erste Tag an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. An dieser Stelle spare ich mir, als alte Häsin, meine Beileidsbekundungen und gebe euch lieber einen nützlichen Ratgeber mit an die Hand, der euch sicher durch die bevorstehenden turbulenten Zeiten bringen wird.

 

Vorab ist es vielleicht ganz gut, sich klar zu machen, dass vor euch auch schon andere durch die ehrwürdigen Hallen der Universität wandelten und sich dabei zu Beginn genau so unsicher gefühlt haben, wie so manch eine oder einer unter euch.

 

Aller Anfang ist schwer. Do: Tief durchatmen!

Am Studialltag und der Institution Uni hat sich natürlich sehr viel verändert. Hättet ihr euch vor 50 Jahren, also 1967, eingeschrieben, wärt ihr nicht am höchstkomplizierten Einrichten eines Druckkontos gescheitert, sondern vielleicht sogar schon an der Immatrikulation selbst, Bafög gab es damals nämlich noch nicht und dementsprechend kostspieliger war das Studium in diesen Zeiten also. Dass das Bafög allerdings auch so seine Nachteile hat und noch weit davon entfernt ist, auf gerechte Art und Weise die Studienfinanzierung für möglichst viele Studis sicherzustellen, ist allseits bekannt. Trotzdem: Falls du zu den Auserkorenen gehörst und dich daher durch den ganzen Papierkram kämpfen musst, denk immer daran, dass es das wert ist. Du wirst sehen, dass man sich im Laufe des Studiums eine umfassende Expertise in Sachen Bafög aneignet und man mit jedem Verlängerungsantrag routinierter wird.

1967: Feierliche Immatrikulation an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
1967: Feierliche Immatrikulation an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Und was den Akt der Einschreibung selbst angeht, habt ihr es heute deutlich einfacher als jene Studienanfängerinnen und Anfänger, die 1967 nicht um den ganz großen Auftritt herumgekommen sind. Zwar nicht à la Harry Potter mit sprechendem Hut und so, aber bis Ende der 60er Jahre gehörte es zum guten Ton in der rheinlandpfälzischen Hauptstadt, die neuen Mitglieder des Campusvolks bei einer feierlichen Immatrikulation im Großen Saal des Kurfürstlichen Schlosses mit einem Festakt offiziell in der akademischen Gemeinschaft willkommen zu heißen. Zu den Programmpunkten gehörten etwa der Einzug des Lehrkörpers, Musikeinlagen des Mainzer Collegium Musicum und der für die Neuankömmlinge wohl ergreifendste Teil: die feierliche Verpflichtung der Neuimmatrikulierten.

 

Gestern Vietnam, heute Syrien. Do: Redet miteinander!

Abseits von Prunk und Fanfaren, in den mehr oder weniger ansehnlichen Toilettenräumen auf den Gängen unterwegs zur nächsten Veranstaltung, oder wo auch immer, blieb und bleibt Platz für Gespräche an der Uni, die nicht zwangsläufig auf dem Lehrplan stehen. Als Ersti bietet es sich insbesondere an, deine Mitstudis in Gespräche zu verwickeln und euch auszutauschen. Vor 50 Jahren drehten sich viele Diskussionen um den immer verheerender werdenden Vietnamkrieg, die nicht aufgearbeitete Nazivergangenheit der vorigen Generation und die, in den Augen vieler Studierender, hetzerisch berichtende „Springerpresse“. Der Schock über die Ermordung des Berliner Studenten Benno Ohnesorg saß noch immer tief. Natürlich finden auch weiterhin, wie 1967, eben jene weltpolitischen Themen Eingang in unsere universitäre Blase und zwingen uns, uns mit dem Krieg in Syrien, dem Erstarken verfassungsfeindlicher Positionen im gesellschaftlichen Diskurs und den vielen sozialen Ungerechtigkeiten in der Republik auseinanderzusetzen.

 

„Im Staat mündig, in der Universität ein bevormundetes Kind“. Do: Engagier dich!

Neben den Diskussionen bringen sich auch viele Studierenden selbst ein, um an den vielen Baustellen unserer Gesellschaft mitwirken zu können. Auch an der Uni. Jetzt nicht unbedingt bei der Neubepflasterung des Unieinganges sondern im übertragenen Sinne. Schau dich doch mal bei deiner Fachschaft um, bring dich im AStA ein oder gestalte eine der unzähligen Hochschulgruppen in Mainz mit. Ganz nebenbei kannst du hier natürlich Kontakte knüpfen, aus denen vielleicht sogar Freundschaften entstehen.

Das vergangene Sommersemester war von Protesten seitens der Studierenden geprägt gewesen, die auch hochschulpolitisch mehr Mitbestimmung gefordert hatten, etwa durch studentische Repräsentation im Senat, dem höchsten Entscheidungsgremium der Uni. Diesen Wunsch, mündiger Teil in einer demokratischen Bildungseinrichtung zu sein, hatten auch schon die Studenten und Studentinnen vor 50 Jahren. Persönlich angegriffen fühlten sich daher einige unter ihnen durch die Worte des Mainzer Rektors Professor Adolf Adam in der Hochschulbeilage der Mainzer Allgemeinen Zeitung anlässlich seiner Amtseinführung zum Beginn des Wintersemesters 1967/68:

„Diese Partnerschaft [zwischen Rektor und Studis] bedeutet jedoch nicht, daß jeder gleiche Funktionen und Entscheidungsbefugnisse besitzt. Eine allseitige Gleichmacherei wäre Utopie und müßte der Sache der Universität und in erster Linie den Studenten schaden.“

Wohl gänzlich verscherzt hatte es sich der neue Rektor mit den angehenden Mainzer Akademikerinnen und Akademikern aber vor allem durch seine Aussage ein paar Zeilen weiter unten. Hier sprach er jungen Menschen im Allgemeinen ab, den nötigen „Sachverstand, Erfahrung und Überblick“ zu haben, um sich hochschulpolitisch einzubringen, denn:

„Wer aber wollte bestreiten, daß der junge Mensch zwischen zwanzig und fünfundzwanzig sowohl in Wissenschaftsfragen wie auch im Bereich menschlicher Erfahrung noch ein Lernender ist und ihm das später mögliche Potential an Sachverstand, Erfahrung und Differenzierungsvermögen jetzt noch nicht zugewachsen ist.“

Wer heute als Lernender oder Lernende an die Uni Mainz kommt, findet im Vergleich zu 1967 und dank der 68er-Bewegung demokratisierte Strukturen vor und hat zahlreiche Mitbestimmungsmöglichkeiten, auch auf institutioneller Ebene. Was Rektor Adam wohl sagen würde, wenn er wüsste, dass heute 8 Studierende als stimmberechtigte Mitglieder des Senats im höchsten Gremium der Universität sitzen und über unirelevante Sachverhalte mitentscheiden?

 

Trillerpfeifen und Transparente. Do: Den Protest auf die Straße bringen!

Wer das Semester gut ausgestattet beginnen möchte, sollte sich auch mit Transparenten und Trillerpfeifen eindecken. Die machen sich immer gut bei Sitzblockaden gegen Erhöhung des Semesterbeitrags und schlechtes Mensaessen. Eure Kommilitoninnen und Kommilitonen von 1967 können ein Lied davon singen. So protestierten sie etwa gegen die Notstandsgesetze, gegen den Krieg in Vietnam oder die Anbiederung der BRD an das autokratische Schahregime des Irans.

 

Traditionen sind wichtig. Do: An der Kneipentour teilnehmen!

Es gibt auch andere Gepflogenheiten, die es sich fortzuführen lohnt, denn Traditionen sind schon was Tolles, also auf jeden Fall, wenn es um die Ersti-Kneipentour geht. Passt hier nur auf, den Anschluss an die Gruppe nicht zu verlieren. Denn wenn ihr euch plötzlich zwischen mit Säbel hantierenden und komischen Mützen tragenden Studis wiederfindet, muss das nicht zwangsweise an überhöhtem Alkoholkonsum liegen. Es gibt sie noch – diese Studentenverbindungen, die mit ihren Ritualen aus der Zeit gefallen zu sein scheinen.

Da man sich ja auch mal bei den älteren Jahrgängen umhören kann, wie die ihre Zeit als Erstis überstanden haben, haben wir im Universitätsarchiv uns noch zusätzliche Gedanken gemacht, uns an unsere Ersti-Zeit zurückerinnert. Wenn ihr die Do’s beherzigt seid ihr zwar schon fast Uniprofis, doch hier noch ein paar Dinge die ihr besser bleiben lasst.

 

Don’t!

Deine Tischnachbarin beim Ersti-Frühstück mit „wertes Fräulein, könnten Sie mir bitte die Butter reichen“, ansprechen. Unter Rektor Adam noch völlig normal, heute eher uncool.

Gekauftes Lehrbuch nach Klausur mit Unschuldsmiene in der Campusbuchhandlung  zurückgeben und trotz kunterbunt markierter Passagen und Kaffeeflecken behaupten, man habe es ja gar nicht benutzt – das sei schon so gewesen. Ein Klassiker.

Deinen Ehemann um Erlaubnis bitten, dich an der Universität immatrikulieren zu dürfen. Das ist sooo 1967.

Nein, man belegt einfach keine Vorlesung um acht Uhr morgens – es sei denn diese ist klausurrelevant oder bei einem Professoren wie Walter Holsten, den hält man sich lieber mal warm. (Warum, könnt ihr hier lesen).

Ach ja, Life hack: Fragen wie "Müssen wir das für die Klausur noch wissen?" mögen auch die nettesten Dozierenden nicht.

Gibt’s sonst noch etwas zu wissen? Ne Menge, aber deswegen bist Du ja hier.

 

Viel Spaß beim Studieren!

 


Autorin Filiz Yildirim

Filiz Yildirim studiert Geschichte und Französisch Bachelor of Arts im Mainz-Dijon-Studiengang. Sie arbeitet zurzeit als Hilfswissenschaftlerin im Universitätsarchiv und schreibt dort hauptsächlich Beiträge zur Reihe "68er in Mainz".

 

Campuspfade. Geschichten hinter den Namen

 

Wegweiser am Campus
Foto: Thomas Hartmann

Teil 1: Jakob-Welder-Weg

Friedrich von Pfeiffer, Jakob Welder, Johann-Joachim Becher und Colonel Kleinmann? Du fragst dich, woher die Straßennamen auf dem Campus kommen? Dann bist du hier genau richtig. Hier erfährst du die Hintergründe zu den Namensgebern, aber auch Tipps und Tricks zu deinem Studium.

Heute…

Der Jakob-Welder-Weg
… der Jakob-Welder-Weg. Foto: Daniel Fröb

 

Jakob-Welder-Weg? Wo soll der sein?

Die meisten Studierenden werden den Campus das erste Mal über eben jenen Jakob-Welder-Weg betreten haben, ohne sich dessen bewusst gewesen zu sein. Bist du z. B. bei deinem ersten Besuch an der Uni vom Hauptbahnhof mit der neuen Mainzelbahn zur Haltestelle „Universität“ gefahren? Falls ja, dann gehörst du dazu! Der Jakob-Welder-Weg beginnt nämlich an der „wunderschönen“ Betonwüste, die seit kurzem den Eingang zur Universität bildet.

 

Wo bekomme ich Kippen her? Jakob-Welder-Weg 1.

In den Arkaden am Vorplatz bekommt man fast alles, was das Studierendenherz begehrt. Hier gibt es frischen Kaffee und belegte Brötchen in Werner’s Backstube, Zigaretten beim Tabak-Landenberger oder Lese- bzw. Lernstoff in der Campus Buchhandlung Mainz. Wenn du deine Seminar-, Bachelor- oder Masterarbeit fachgerecht drucken lassen möchtest, bist du bei den freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Copyline Mainz sicher an der richtigen Adresse.

 

Die verrückte Büste! Forum universitatis.

Geht man weiter durch den ersten Torbogen der ehemaligen FLAK-Kaserne, grüßt einen die Büste von Johannes Gutenberg an ihrem angestammten Platz. Zu Beginn des Sommersemesters 2015 war dies jedoch anders. Der Sockel war leer. Lies die ganze Geschichte hier.

Guess who’s back!
Guess who’s back! Foto: Thomas Hartmann

Ob Gutenberg tagein und tagaus auf den Jakob-Welder-Weg blickt, ist jedoch nicht ganz klar. So scheint der Weg auf bestialische Art und Weise durch das „Forum universitatis“ in zwei Teile zerstückelt worden zu sein. Erst hinter dem zweiten Torbogen beginnt abermals der bemitleidenswerte Weg. Dort befindet sich das Gebäude der Rechts-und Wirtschaftswissenschaften mit der Anschrift Jakob-Welder-Weg 9.

 

Wo bekomme ich eine „Erstitüte“? Das ReWi.

In dem blau akzentuierten Gebäude haben die Erstsemester unter euch am Mittwoch, den 11. Oktober 2017 um 11:00 Uhr die Möglichkeit durch den Präsidenten der JGU, Herr Univ.-Prof. Dr. Georg Krausch begrüßt zu werden. Hier richtet er im Hörsaal RW 1 das Wort an die Erstis. Lasst Euch diese Veranstaltung nicht entgehen, denn im Anschluss an die Veranstaltung verteilt der AStA im Foyer die sogenannten „Ersti-Tüten“.

ACHTUNG: Die „Ersti-Tüten“ sind auch bei höheren Semester sehr beliebt und daher schnell vergriffen.

 

Was brauche ich für mein Studium? Die UB.

Die wichtigste Karte, neben dem Semesterticket, ist für jeden Studierenden die Studicard. Diese erhaltet ihr u. a. an der Ausleihtheke in der Halle der Zentralbibliothek im Jakob-Welder-Weg 6. Wenn du eingeschriebene/r Studierende/r an der Universität bist, benötigst du dafür 5,- €uro, eine Studienbescheinigung und einen gültigen Lichtbildausweis. Die StudiCard dient gleichzeitig auch als Bibliotheksausweis. So ausgestattet kannst du Bücher ausleihen, an den Geräten der Uni kopieren, scannen und drucken sowie in den Einrichtungen des Studierendenwerks bargeldlos bezahlen.

 

Wo kann ich so richtig lernen? Das GFG.

Direkt neben die Zentralbibliothek schmiegt sich seit 2013 das Georg Forster-Gebäude an. Dort sind die Institute für Erziehungswissenschaften, Soziologie, Politikwissenschaft und Publizistik beheimatet. Solltest du keinen dieser Institute angehören, bietet dir das quietschgrüne Gebäude trotzdem einiges. In der Mensa im Erdgeschoss kannst du dich unter anderem mit kleinen Snacks oder Getränken eindecken. Im Sommer verfügt die Mensa überdies über Sitzmöglichkeiten im Freien. Sind diese belegt, kannst du problemlos auf die großzügige Sitzlandschaft vor dem GFG ausweichen. Hier findet sich eigentlich immer ein Plätzchen. Des Weiteren verfügt das GFG über eine der schönsten Bereichsbibliotheken der Universität.

ACHTUNG: Gerade im Sommer sind die Plätze in der Bereichsbibliothek GFG schnell restlos belegt! Solltest Du nicht zwingend auf die Bücher vor Ort angewiesen sein, dann findest Du auch woanders einen Platz zum Lernen (andere Bibliotheksstandorte, Gruppenarbeitsräume im GFG, ...).

 

Was geht sonst noch? Das Philo.

Wiederum in direkter Nachbarschaft schließt sich das Philosophicum an. Das Philo zählt zu den bekanntesten Gebäuden auf dem Campus. Anfang 2015 wurde eine defekte Tür des Philos zum viralen Hit. Unter dem Hashtag #technikeristinformiert konnte die ganze Netzgemeinde am Schicksal der Tür teilhaben. Was dabei genau vor sich ging, kannst du hier nochmal nachschauen. Die Tür ermöglicht mittlerweile wieder den Zugang zum alten Teil (I) des Philosophicums und damit zu den Hörsälen mit der Kennung P. Auch eine Bereichsbibliothek hält das Gebäude bereit. Im Philsophicum findet sich nicht jeder gleich zurecht. Was du dort wo findest, erfährst du hier.

Tipp: Im Hörsaal P1 finden regelmäßig kulturelle Veranstaltungen von und für Studierende statt. Darunter zählen Konzerte der Musiker des SinfOrMa und Aufführungen der Schauspieler von Musical Inc. Infos und Karten für diese Events erhältst du in der Regel im großen Flur des Philosophicums.

 

Wo spielt die Musik? Die HFM.

Zwischen dem P1 und dem GFG erstrahlt die Schule des Sehens. Auf der anderen Straßenseite des Jakob-Welder-Wegs hält sich nach wie vor die alte Chemie mit den Hörsälen HS 20 und 21. Den Abschluss dieses Bereiches markiert das Philophicum II. Der dieses Jahr fertiggestellte Neubau hält Büros für die Fachbereiche Sozialwissenschaften, Medien und Sport (FB 02), Philosophie und Philologie (FB 05), Geschichts- und Kulturwissenschaften (FB  07) sowie für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zentrums für Lehrerbildung (ZfL) bereit.

Ey, da müsste Musik sein…
Ey, da müsste Musik sein… Foto: Thomas Hartmann

Überquert man nun die Straßenkreuzung, tragen nur noch die Gebäude auf der rechten Seite die Adresse Jakob-Welder-Weg. Dort fällt auch gleich ein symmetrischer Bau auf. Die Hochschule für Musik befindet sich darin. Das Gebäude komplettiert mit seiner Bereichsbibliothek das Bibliotheksquartett im Jakob-Welder-Weg.

Tipp: Stehst du auf den Klang von alten Schallplatten? Dann besuch doch mal die Bibliothek der Hochschule für Musik. Hier kannst du nicht nur alte Schallplatten ausleihen, sondern auch direkt vor Ort abspielen.

 

Wo bewegt sich was? Der Hörsaal RW I.

Im Jakob-Welder-Weg bewegt sich etwas. Und zwar die Bilder. Im Jahr 2014 drehte der SWR ein Portrait über den Weg. Des Weiteren strahlt der SWR einmal im Jahr den “UniTalk” aus dem zum Fernsehstudio umgebauten Hörsaal RW I aus. Moderator Fritz Frey durfte dabei schon u.a. 2014 den Publizisten Roger Willemsen (†2016), 2015 den Late Night Pionier Harald Schmidt und zuletzt 2017 den Satiriker Jan Böhmermann und damit die journalistische Elite interviewen.

ACHTUNG: Die Karten für diese Veranstaltungen sind kostenlos und werden vom AStA verteilt. Auch hier gilt: Wer zuerst kommt… Willst du noch Karten bekommen, musst du also früh aufstehen, denn zuletzt waren die Karten in kürzester Zeit vergriffen.

 

TIPP: Wusstest du schon, dass die Universität selbst ein Medienzentrum hat, bei dem Studierende Kameras plus Equipment, Schnittplätze und sogar ein TV-Studio kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen können? Die Räumlichkeiten des Medienzentrums befinden sich zwar überwiegend nicht auf dem Campus, sondern oberhalb des Mainzer Hauptbahnhofs (Ausgang West) im Medienhaus in der Wallstraße 11. Doch einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Medienzentrums haben ihre Büroräume im Untergeschoss des Philosophicums I und gehören damit zum Jakob-Welder-Weg.

 

Ist das Kunst oder kann das weg? Der öffentliche Raum.

Bist du kunstbegeistert? Sagt dir der Namen Banksy etwas? Dann mach‘ die Augen auf im Jakob-Welder-Weg. Ob es sich bei Graffiti um Kunst, also Streetart, handelt, darum streiten sich ja bekanntlich die Geister. Aber im Jakob-Welder-Weg findet sich das ein oder andere gelungene Stencil. Wenngleich diese sehr ungern von der Hochschulleitung gesehen werden. Ungleich gewollter kommen dagegen die Plastiken daher. Direkt am Wiederbeginn des Weges befindet sich die Plastik „Ohrmuschel I+II“ von Gernot Rumpf aus dem Jahre 1992. Im weiteren Verlauf des Weges finden sich weitere Kunstwerke im öffentlichen Raum.

Vor der „Schule des Sehens“ bildet die Bronzefigur eines Mädchens mit dem benachbarten „Mann mit Pferd“ vor dem Philosophicum ein interessantes Pärchen. Der von Reinhold Petermann 1968 geschaffene „Mann“ fristete jedoch jahrzehntelang ein einsames Dasein. Erst in diesem Sommer bekam er Gesellschaft in Form des von Frau Univ.-Prof. Dr. Elisabeth Gateff gestifteten Mädchens. Etwas versteckt zeigen sich „Zwei zum Flug ansetzende Schwäne“. Diese von Hubert Fridberg geschaffene Bronzefigur befindet sich zwischen dem Gebäude der Kernchemie und dem Gebäude der Biochemie Genetik im hinteren Teil des Weges. Im Philosophicum I vor dem Hörsaal P5 können darüber hinaus Indische Bronzefiguren aus der Sammlung von Ursula Walter bestaunt werden.

Der „Mann mit Pferd“ trifft auf Christoph Schlingensief
Der „Mann mit Pferd“ trifft auf Christoph Schlingensief. Foto: Thomas Hartmann

 

Und wer war jetzt eigentlich Jakob Welder?

In dem oben verlinkten Kurzbeitrag vom SWR wird an Studierende auf der Straße und im Hörsaal RW 1 die Frage gerichtet: „Wer war eigentlich Jakob Welder?“. Viele Studenten zeigten sich ahnungslos, andere pfiffig. So gab einer an: „Der Namensgeber von der Straße“. Ein weiterer Student konnte mit Hilfe seines Laptops zumindest ergoogeln, dass es sich bei Jakob Welder um den ersten Rektor der (alten) Mainzer Universität handelt. Tatsächlich ist über Jakob Welder auch nicht viel mehr bekannt. Die meisten Informationen über seine Person hat Walter Menn in seiner Schrift „Der erste Rektor der Universität Mainz“ zusammengetragen.

Nach Menn wurde Welder um 1435 in Siegen geboren. Der Familienname Welter/Welder war in Siegen kein Unbekannter. Einige Bürgermeister von Siegen trugen im 15. Jahrhundert diesen Namen und waren aller Wahrscheinlichkeit nahe Verwandte von Jakob Welder. Erschwerend zur Einordnung Welders kommt hinzu, dass ein weiterer Jakob Welder (d.Ä.) ebenfalls aus Siegen und in Mainz tätig war. Dieser verstarb jedoch schon 1465. Die Eltern von Jakob Welder (d.J.) sind nicht bekannt. Bezeugt ist, dass Jakob Welder am 17. Juni 1453 das Grundstudium an der Universität zu Köln aufgenommen hat. Bereits ein Jahr später im November erlangte er das Bakkalaureat (Bachelor). Seit April 1456 lehrte er als Magister an der Artistenfakultät. Neben dieser Lehrtätigkeit studierte er Theologie. Dieses Studium schloss er 1467 mit dem Bakkalaureus und 1469 mit dem Bakkalaureus formatus ab. Anschließend erlangte er den Grad eines Doktors und etwa 1471 den eines Professors.

1473 wechselte er an die neugegründete Universität Trier und hielt am 16. März den Eröffnungsgottesdienst in der Domkirche zu Trier. Im folgenden Jahr zählte Welder zu einem Ausschuss, der die Satzungen der Universität aufstellte. Spätestens im Januar 1475 hatte Welder die Universität Trier wieder verlassen. Anschließend nahm er eine Professur in Heidelberg an, die er aber nie wirklich ausübte. Menn geht davon aus, dass Welder spätestens ab 1473 Kanoniker und ab 1476 Dekan am Stift St. Peter in Mainz gewesen sei. Wenn Welder aber bereits ab 1473 Ämter in Mainz ausübte, spricht einiges dafür, dass er in engem Austausch mit dem Mainzer Kurfürst und Erzbischof Diether von Isenburg gestanden hatte, von diesem über die Gründung der Mainzer Universität informiert gewesen war und aufgrund dieser Perspektive nicht in Heidelberg lehrte.

Knod,-Gustav.-De-Moguntia-litterata-commentationes-historicae,-cura-et-opera-Henrici-Knodt. WelderSchließlich eröffnete die alte Mainzer Universität am 1. Oktober 1477 seine Pforten. Die erste Rektorwahl fiel, wie bereits erwähnt, auf den Theologen. Wann die Wahl stattfand und wie lange Welder dieses Amt ausführte, ist nicht bekannt. Der mögliche Zeitraum des Rektorats von Welder umfasst die Jahre 1477-1479. 1480 folgte direkt oder indirekt der Mediziner Peter von Viersen als Rektor. Am 18. Mai 1483 verstarb Welder. Er sei von seinen Schülern (Discipulis) hochgeschätzt (singulariter observaretur) und von den Mainzer Bürgern (Civitatis Incolis) geliebt (ameretur) worden. Testamentarisch hinterließ er der Universitätsbibliothek (librariam Universitatis) Mainz 22 Bücher (Libros xxii) und gilt somit als ihr Mitbegründer. Daher ist es nur folgerichtig, dass sich im Jakob-Welder-Weg gleich mehrere Bibliotheksstandorte befinden.

TIPP: Noch nicht genug? Das Buch von Walter Menn über Jakob Welder kann in den Bereichsbibliotheken GFG und Philosophicum gelesen und aus dem Magazin der ZB bestellt werden.

 


Daniel Fröb
Daniel Fröb studierte Geschichte und Publizistik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Im Sommersemester 2017 schloss er dieses Studium ab. Er ist Mitarbeiter der Universitätsbibliothek Mainz.