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Zentralbibliothek: Wartungsarbeiten vom 2. bis 6. Juni

Vom 2. bis 6. Juni 2019 muss in den Benutzungsbereichen der Zentralbibliothek die Lüftungsanlage gereinigt und gewartet werden. In dieser Zeit werden Unruhe und Lärm nicht völlig zu vermeiden sein.

Außerdem stehen in dieser Zeit die Druck- und Kopierservice-Terminals in der ZB-Halle nicht zur Verfügung. Sie werden voraussichtlich im Laufe des 7. Junis wieder in Betrieb genommen.

Nicht ohne mein Grundgesetz oder: Bekenntnis zu einem Buch, das kaum einer gelesen hat

Jeder von uns kennt Art. 1 „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Aber ansonsten? Hand aufs Herz, könntet ihr alle Grundgesetzartikel aufzählen? Ich jedenfalls nicht. Dabei wirken sie sich auf unseren gesamten Alltag aus – auch auf den an der JGU. Wie sich anhand meiner eigenen Unilaufbahn – vom Studienstart bis zum Promotionsstudium – leicht zeigen lässt.

Vor 70 Jahren wurde ein Dokument unterzeichnet, das bis heute maßgeblichen Einfluss auf unser gesellschaftliches Miteinander in Deutschland hat. 70 Abgeordnete des Parlamentarischen Rates – darunter gerade mal vier Frauen – hatten acht Monate an seiner Ausarbeitung gefeilt. Die Rede ist vom Grundgesetz, der Grundlage der demokratischen Ordnung und Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. Man wollte aus den Fehlern der Weimarer Republik und den zwölf Schreckensjahren des NS-Regimes lernen: Die Bundesrepublik berief sich besonders auf die Wahrung der Menschenrechte, wollte sich als Teil der Weltgemeinschaft für Freiheit und Frieden einsetzen. Man stellte dem Grundgesetz daher 19 Grundrechte voran. Aber was hat das mit mir zu tun?

„Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen.“ (Art. 12 Abs. 1)

Grundgesetz - freie Wahl der AusbildungsstätteWährend meiner Schulzeit war mir schon früh klar, dass ich einmal studieren möchte. Nur was und wo stand zunächst noch nicht fest. Die Entscheidung lag ganz bei mir. Höchstens mein Abi-Schnitt hätte mir bei der Wahl des Studienfachs einen Strich durch die Rechnung machen können. Mein Kindheitstraum war es gewesen, Meeresbiologin zu werden. Dank Art. 12 Abs. 1 konnte ich Biowissenschaften an der TU Kaiserslautern studieren. Als ich aber merkte, dass ein naturwissenschaftlicher Studiengang doch nichts für mich ist, wechselte ich nach Mainz zum buch- und geschichtswissenschaftlichen Studium. Alles kein Problem, denn schon bei der Studienorts- und Berufswahl sichert uns das Grundgesetz Selbstbestimmung zu.

Das war jedoch nicht immer so, vor allem in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik: Zwar wurde bereits in der ersten Fassung des Grundgesetzes die Gleichberechtigung von Frauen und Männern verankert (Art. 3 Abs. 2). Frauen brauchten dennoch bis in die 1970er-Jahre eine Einwilligung ihres Vaters oder Ehemanns, um zu studieren. Im Sommersemester 1947 wurde an der JGU sogar für eine kurze Zeit eine Quote eingeführt, damit die Anzahl der weiblichen Studis einen gewissen Prozentsatz nicht überstieg. Aber auch meine männlichen Mitschüler konnten nach dem Abi nicht ohne Weiteres ins Studium ihrer Wahl durchstarten. Aufgrund von Art. 12a Abs. 1 mussten diejenigen, die nicht ausgemustert worden waren, zunächst zum Bund oder, falls sie von ihrem Kriegsdienstverweigerungsrecht (Art. 4 Abs. 3) Gebrauch gemacht hatten, den so genannten Zivildienst absolvieren.

„Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.“ (Art. 5 Abs. 3)

Schon mit der Einschreibung kam ich in den Genuss einer Reihe von Freiheiten, ohne dass es mir bewusst war. Die Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Lehre (Art. 5 Abs. 3) wirkt sich auch auf das Studium aus. Doch was bedeutet das konkret für meinen Studienalltag? Am Bologna-Prozess wurde immer wieder kritisiert, er habe zu einer „Verschulung“ der Studiengänge geführt. Trotzdem konnte ich Veranstaltungen im Rahmen der Studienordnung selbstbestimmt wählen. Art. 5 Abs. 3 ermöglichte mir sogar, meinen Schwerpunkt auf buchhistorische Themen zu setzen.

Informationsfreiheit, ForschungsfreiheitAufgrund der Lehrfreiheit konnten meine Dozierenden wiederum ihre Seminare frei gestalten und ihre Meinung frei äußern, solange sie nicht verfassungsfeindlich war. Der freie Zugang zu Informationen erlaubte mir umfangreiche Recherchen zu wissenschaftlichen Themen und war somit zentraler Bestandteil meines Studiums. Die Informationsfreiheit ließ zu, dass ich mich mit unterschiedlichen Perspektiven verschiedener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auseinandersetzte. So konnte ich einen eigenständigen wissenschaftlichen Standpunkt entwickeln. Die Forschungsfreiheit, last but not least, ist zudem Voraussetzung dafür, dass ich Fragestellung und methodisches Herangehen meiner Doktorarbeit unabhängig von politischer Wetterlage sowie Interessen Dritter wählen und dank der Meinungsfreiheit frei formulieren und publizieren kann.

„Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.“ (Art. 8 Abs. 1)

Grundgesetz - Meinungsfreiheit, Demonstrations- und VersammlungsrechtWenn wir Studierende mit dem Unisystem nicht zufrieden sind, können wir uns auf verschiedene Grundrechte berufen. Die Meinungsfreiheit ermöglicht uns Kritik zu äußern (Art. 5 Abs. 1); wir können uns auf das Demonstrations- und Versammlungsrecht berufen (Art. 8 Abs. 1); falls wir uns in unseren Grundrechten verletzt fühlen, steht uns sogar die Klage vor dem Bundesverfassungsgericht offen (Art. 19 Abs. 4). Ich selbst nahm beispielsweise 2009 am Bildungsstreik teil, um gegen die Missstände der Bachelor- und Masterreform zu protestieren. Des Weiteren berechtigt das Grundgesetz zur Bildung von Interessensgemeinschaften (Art. 9 Abs. 3). Für die Belange der Studis setzen sich u. a. die Fachschaften bzw. universitäre Gremien an der JGU ein. Dort können wir bspw. über Änderungen von Studienordnungen oder die Berufung von Professorinnen und Professoren mitbestimmen.

Durch das Wahlrecht (Art. 38 Abs. 2) beeinflussen wir auf Landes-, Bundes- sowie EU-Ebene die Bildungs- bzw. Wissenschaftspolitik. Dank dieser Politik konnte ich nicht nur in Rheinland-Pfalz gebührenfrei studieren, sondern auch die ersten beiden Jahre meiner Promotion durch die Stipendienstiftung Rheinland-Pfalz finanzieren. Leider wurden deren Stipendien mittlerweile eingestellt. Aber das ist ein anderes Thema... Apropos, am Sonntag stehen ja die Europawahlen an: Das Erasmus-Programm ermöglichte mir ein Auslandssemester in den Niederlanden. Eine der besten Erfahrungen meiner Unilaufbahn!

„Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit“ (Art. 2 Abs. 1)

Aber die Verfassung wirkt sich natürlich auch über den universitären Alltag auf unser Leben aus. Stelle Dir vor, du schaust gerade zu Hause, nach einem langen stressigen Uni-Tag, eine deiner Lieblingsserien an – und plötzlich steht die Polizei vor der Tür, um deine Wohnung auf den Kopf zu stellen. Art. 13 Abs. 1 verhindert das, selbst wenn dein letzter Tweet etwas zu offen und ehrlich gewesen sein sollte: „Die Wohnung ist unverletzlich.“ Zumindest so lange die Durchsuchung nicht richterlich angeordnet wurde, weil du wirklich Mist gebaut hast.

Persönlichkeitsentfaltung - Gilmore Girls, Parks and Rec, Game of ThronesDass gerade Gilmore Girls, Parks and Rec oder bspw. Game of Thrones zu meinen Lieblingsserien gehören, dafür kann das Grundgesetz natürlich nichts. Oder höchstens indirekt. Denn es sichert mir die freie Entfaltung der Persönlichkeit zu (Art. 2 Abs. 1). Das gilt übrigens auch für meine Vorliebe für Punk- und Post-Hardcore-Konzerte, deutsch- und englischsprachige Gegenwartsliteratur oder True-Crime-Dokus. Ich brauche keine Angst zu haben, deswegen benachteiligt zu werden.

Frei entfalten kann ich mich natürlich auch außerhalb der eigenen vier Wände. An der Uni können sich alle Angehörigen der JGU entsprechend ihrer Interessen, Überzeugungen oder Weltanschauungen verwirklichen – sofern sich das Ganze im Rahmen des Grundgesetzes bewegt. So gibt es zahllose politische, religiöse, kulturelle und sportliche Hochschulgruppen, in denen man sich einbringen kann. Art. 9 Abs. 1 des Grundgesetzes gibt uns das Recht, Vereine und Gesellschaften zu gründen, im Fall der Uni bspw. Flüchtlingsinitiativen, Studentenverbindungen, Unterstützungsvereine für Arbeiterkinder oder den Verein der Freunde der Universität.

Die Presse- und Meinungsfreiheit (Art. 5 Abs. 1) erlaubt es uns, über den Alltag an der Uni zu berichten und das auch mal kontrovers. Ein Beleg hierfür sind die verschiedenen Studierendenpublikationen. Das Recht auf individuelle Persönlichkeitsentwicklung hält uns gleichzeitig dazu an, tolerant gegenüber abweichenden Interessen, Einstellungen oder Lebensmodellen zu sein. So heißt es ebenfalls in Art. 3 Abs. 3 explizit, dass niemand „wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“ darf.

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ (Art. 3 Abs. 2)

Und was bringt die Zukunft? Nach Abschluss meiner Promotion werde ich erneut vor der Wahl stehen: Bleibe ich an der Uni oder werde ich mir einen Job in einem anderen Bereich suchen? Bei den Bewerbungsverfahren bin ich entsprechend des Grundgesetzes gegenüber identisch qualifizierten männlichen Mitbewerbern mindestens gleichgestellt. Dass wir in dem Punkt noch nicht am Ziel angekommen sind, sieht man z. B. an der unterschiedlichen Bezahlung von Frauen und Männern oder des Männerüberhangs in den Führungsetagen vieler Unternehmen. Aber auch in der Geschichte der JGU konnte lange Zeit von einer Gleichstellung von Frau und Mann in Wissenschaft und Lehre nur bedingt die Rede sein: Anders als heute, gab es in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens fast keine ordentlichen Professorinnen.

Gemacht für die Ewigkeit?

Demo für Europa in Frankfurt - wir sind viele, jeder einzelne von unsNichts hält länger als ein Provisorium – diese Alltagsweisheit greift auch beim Grundgesetz. Seine Mütter und Väter hatten vor 70 Jahren nicht damit gerechnet, dass es so lange Bestand haben würde. Ausgelegt für die Zeit bis zur deutschen Wiedervereinigung, ist es bis heute in Kraft als Fundament für ein Deutschland, das als „gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt“ dient. Bis auf die Zeit der RAF wurde unsere Verfassung auch noch nicht wirklich auf den Prüfstand gestellt, nicht zuletzt dank der anhaltenden stabilen wirtschaftlichen Lage.

Doch in den letzten Jahren sind in Deutschland Stimmen lauter geworden, die das Parteiensystem, die Meinungs- und Pressefreiheit, das Asylrecht und sogar die demokratische Grundordnung insgesamt in Frage stellen. Und auf globaler Ebene stellen Phänomene wie der Klimawandel, die Digitalisierung oder Flüchtlingsströme das Grundgesetz zusätzlich vor neue Herausforderungen. Wie kann es geschützt werden?

Die Antwort liefert die demokratische Grundordnung im Grunde selbst: Indem wir das Grundgesetz in jeder Lebenssituation, im Alltag wie bei Wahlentscheidungen, leben und verteidigen. Denn so lange das Grundgesetz nicht selbst im Sinne des Art. 146 durch eine andere Verfassung ersetzt wird, können die Grundprinzipien des Grundgesetzes auch nicht durch parlamentarische Mehrheiten geändert werden (sog. „Ewigkeitsklausel“, Art. 79 Abs. 3).

Also: Geht wählen!

 


 

Stefanie Martin ist Doktorandin der Buchwissenschaft. Sie arbeitet als Wissenschaftliche Hilfskraft im Universitätsarchiv und ist Mitarbeiterin der Bereichsbibliothek Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften

 

Veranstaltung „Fokus Universitätsgeschichte“

Der Forschungsverbund Universitätsgeschichte lädt Sie herzlich ein zur Veranstaltung:

Fokus Universitätsgeschichte
9. Mai 2019, 18:15 Uhr
in der Martinus-Bibliothek, Grebenstr. 8, 55116 Mainz

Nach mehrjähriger Pause sind zwei neue Bände zur Mainzer Universitätsgeschichte bei Mainz University Press in der Reihe "Beiträge zur Geschichte der Universität Mainz" erschienen.

Die Bände werden an diesem Abend durch den Autor bzw. die Herausgeber vorgestellt - mit anschließender Diskussion.

Wir freuen uns über Ihr Kommen!


Mit einem Bücherhaufen fing es an...
Geschichte der Universitätsbibliothek Mainz 1946–2011
Christian König
V & R unipress
ISBN 978-3-8471-0928-0
Preis: 35 €



Universitätsgeschichte schreiben
Inhalte – Methoden – Fallbeispiele
Livia Prüll, Christian George, Frank Hüther (Hg.)
V & R unipress
ISBN 978-3-8471-0966-2
Preis: 40 €

Neues Lernzentrum in der Bereichsbibliothek ReWi

Eröffnung am 24. April 2019, 13 Uhr:
Moderner, zeitgemäßer Lernort für Studierende

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) hat in den vergangenen 14 Monaten ein ambitioniertes Bauvorhaben realisiert: ein modernes, zeitgemäßes Lernzentrum in der Bereichsbibliothek Rechts- und Wirtschaftswissenschaften.

Konzipiert als Wohlfühlort mit Lounge-Charakter will der neue Lernort kreatives Arbeiten und zeitgemäße Lernformen in einladender, offener Atmosphäre fördern.

 

 

An diesem neuen Lernort stehen 150 zusätzliche Arbeitsplätze in einer zeitgemäßen Lernumgebung mit Raum für gemeinschaftliches Lernen zur Verfügung. Mehr als 70 dieser Plätze sind in offen gestalteten Würfeln insbesondere für studentische Zusammenarbeit in kleinen Lern- und Arbeitsgruppen konzipiert.

Das Lernzentrum ist montags bis samstags von 08:00 bis 22:00 Uhr, sonntags von 10:00 bis 22:00 Uhr geöffnet.

Psychotherapeutische Beratungsstelle: freie Kursplätze

Es sind noch Plätze frei für Kurse der Psychotherapeutischen Beratungsstelle:

  • Training sozialer Fertigkeiten
    4 Termine, donnerstags
    Start: 02.05.2019, 16:00 - 19:00 Uhr
  • Vorbeugen und Bewältigen depressiver Verstimmungen
    6 Termine, donnerstags
    Start: 02.05.2019, 15:00 - 17:30 Uhr
  • TSAK –Training für Studierende mit Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
    6 Termine, freitags
    Start: 03.05.2019, 09:30 - 12:00 Uhr
  • Achtsamkeit im Studium
    5 Termine, montags
    Start: 06.05.2019, 13:00 - 15:00 Uhr
  • Prokrastination erfolgreich bewältigen
    4 Termine, mittwochs
    Start: 08.05.2019, 17:00 - 19:15 Uhr

Am besten gleich anmelden!

Die Macht der Düfte

Liegt heut was in der Luft? Ein ganz besonderer Duft? Zum Beispiel nach Frühling?
2019 steht die Welt der Düfte im Mittelpunkt der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur. Der diesjährige Inhaber der Professur, Prof. Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt, ist Zellphysiologe an der Ruhr-Universität Bochum und forscht seit mehr als 20 Jahren zum Thema Düfte.

Was ist die Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur?

Die Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur wurde 2000 von den „Freunden der Universität Mainz e. V.“ als gemeinnützige Stiftung eingerichtet. „Die Stiftung hat […] zum Ziel, eine lebendige Verbindung zwischen Universität und Bevölkerung, zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu pflegen.“
Dazu werden herausragende Wissenschaftler und Repräsentanten des öffentlichen oder kulturellen Lebens an die Universität Mainz eingeladen, um eine Vorlesungsreihe zu halten, wie zum Beispiel letztes Jahr Prof. Münkler, der sich dem Thema Politische Theorie und Ideengeschichte gewidmet hat. In diesem Jahr liegt der Fokus hingegen auf etwas sehr Sinnlichem – der Macht der Düfte. Die uns bezaubern, aber auch einfach stinken können.

Wie funktioniert das Riechen?

Ich habe zwar keine „Supernase“ (also keinen besonders empfindlichen und geschulten Geruchsinn), aber ich kann den Frühling riechen – er weckt positive Gefühle in mir. Und das, obwohl er objektiv betrachtet hauptsächlich modrige und faulige Bestandteile enthält. Ganz anders der muffige Geruch in Sporthallenumkleiden, der mich an den Schulsportunterricht erinnert. Und das sind nicht nur positive Erinnerungen. 😉

Wir alle wissen: Düfte nehmen wir mit der Nase wahr. Genauer gesagt mit den Duftrezeptoren. Davon gibt es in der menschlichen Nase ca. 350 verschiedene, die jeweils nur auf einen Duft reagieren. Der eine reagiert auf Buttersäure, der andere auf Vanille. Kommt ein Vanillemolekül an einen Rezeptor für Vanille, wird ein Impuls ausgelöst, der in das Riechhirn gelangt. Dort werden die ankommenden Impulse verrechnet, gebündelt und weitergeschickt.

Düfte wecken Gefühle


Einer der Informationswege führt direkt zu den Hirnarealen, die für Emotionen und Erinnerungen zuständig sind. Hier erzeugen die Duftinformationen blitzschnell ein Gefühl: Je nach Vorerfahrung beispielsweise Freude, Angst oder auch Abscheu. Erinnerungen werden aktiviert: Wenn ich Vanille rieche, denke ich an die Weihnachtsfeste meiner Kindheit und die leckeren Vanillekipferl.

Armani hat mit Boi d`Encens einen Duft auf Weihrauchbasis kreiert, der ihn in seine Kindheit versetzt und an die Kirchgänge mit seiner Großmutter erinnert. Auch Prof. Hatt hat ein eigenes Parfüm entwickelt: Knowledge by RUB, das erste Parfüm einer Universität.

Die Reaktion auf einen Großteil von Gerüchen ist erlernt und nicht ererbt. Wie beim schon erwähnten fauligen Frühlingsduft, der eben duftet, und nicht stinkt, weil er uns an das Wiedererwachen der Natur erinnert und viele positive Assoziationen hervorruft.

Heilen durch Düfte

Wusstet Ihr, dass auch Tumore Duftrezeptoren haben und durch Duftstoffe beeinflusst werden können? Jede Körperzelle besitzt diese Rezeptoren. Sie dienen außerhalb der Nase nicht zum Riechen, sondern kontrollieren viele unterschiedliche Prozesse, zum Beispiel Zellwachstum, Hormonregulation und das Freisetzen von Botenstoffen. Ein Großteil davon ist noch nicht erforscht.

Prof. Hatt und sein Team haben entdeckt, dass Rezeptoren für Sandelholzduft in Hautzellen die Wundheilung beschleunigen können.
Zurzeit wird intensiv erforscht, ob die Rezeptoren neue Ansätze in der Krebstherapie ermöglichen. Tumore in der Blase reagieren zum Bespiel ebenfalls auf Sandelholz.

Lust auf mehr Infos über die Macht der Düfte?

Dann besucht die Vorlesungsreihe: Die Macht der Düfte: alles über das Riechen und wie es unser Leben bestimmt.

Wann? Ab dem 16.4.2019 jeweils dienstags von 18:15 Uhr bis ca. 20 Uhr

Wo? Recht und Wirtschaft I, Hörsaal RW 1, Jakob-Welder-Weg 9

Wer? Alle, die auf den richtigen Riecher kommen wollen.


Weiterlesen?

Das kleine Buch vom Riechen und Schmecken / Hanns Hatt

 


Hanna Forck
Hanna Forck arbeitet in der Zentralbibliothek der Johannes Gutenberg -Universität Mainz mit Menschen, Medien und Maschinen.

 

Trauer um ehemaligen Direktor der Universitätsbibliothek Mainz Dr. Johann Schubert

Dr. Johann Schubert, ehemaliger Direktor der Universitätsbibliothek Mainz

Die Universitätsbibliothek Mainz trauert um Dr. Johann Schubert, der am 24.02.2019 im Alter von 93 Jahren verstorben ist. Johann Schubert leitete die Universitätsbibliothek von 1972 bis 1987, nachdem er die Einrichtung bereits von 1965 bis 1967 als Referendar kennengelernt hatte. Seine berufliche Karriere führte ihn zunächst nach Frankfurt am Main, wo er in verschiedenen Rollen tätig war: zunächst als Leiter des Hessischen Gesamtkatalogs an der dortigen Stadt- und Universitätsbibliothek, dann als Leiter der Benutzungsabteilung sowie ab 1969 als stellvertretender Direktor.

Wir haben Johann Schubert viel zu verdanken. Er hat während seiner Amtszeit in Mainz wichtige Grundlagen für die Neuordnung und Modernisierung des Bibliothekswesens an der Johannes Gutenberg-Universität geschaffen. Seinem unermüdlichen Bemühen um organisatorische Verbesserungen und seinem Weitblick ist es zu verdanken, dass die Universitätsbibliothek trotz rasant steigender Studierendenzahlen, unzureichender finanzieller und räumlicher Ausstattung sowie struktureller Probleme den Herausforderungen gerecht werden konnte, die sich ihr im Zuge der Hochschulreform der 70er Jahren stellten.

Die Universitätsbibliothek Mainz, aber auch das deutsche Bibliothekswesen insgesamt, hat in Johann Schubert einen bedeutenden Protagonisten verloren. Wir werden ihn vermissen.

Chill mal – unsere Empfehlungen für die Weihnachtsferien

Wenn alle Geschenke überreicht, die Gans verputzt und die Flecken vom Schoko-Weihnachtsmann eingetrocknet sind, braucht es mehr als Espresso oder Grappa, um den Feiertagsmarathon gutgelaunt zu überstehen. Hier kommen Tipps unserer Blog-Redakteurinnen und -Redakteure, womit auch Dein Weihnachten zum Fest wird. Also: Pantoffeln an und ab aufs Sofa!

Wir wünschen eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch.



Filiz
Buchtipp: "Tausend strahlende Sonnen"
Der Nachfolger des Bestsellers "Kite Runner" erzählt die Geschichte von Mariam und Leila. Zwei Frauen, die allen Widrigkeiten zum Trotz, Verbündete werden und gemeinsam miterleben müssen, wie das Schicksal Afghanistans auch ihr Leben auf den Kopf stellt. Statt zu resignieren, werden sie, jede auf ihre Weise, zu Freiheitskämpferinnen.
Geballte Frauenpower, 50 Jahre afghanische Geschichte von der Monarchie bis zur Republik, vom Kommunismus über die Mudjahedin, der sowjetischen und der amerikanischen Intervention bis zur Taliban. Khaled Hosseini schafft es, Afghanistan ein Gesicht zu geben und jene Stimme zu verleihen, die viel zu oft im Kugelhagel untergeht.

Khaled Hosseini: Tausend strahlende Sonnen, Fischer Taschenbuch Verlag, 2015. ISBN: 978-3-596-52070-1


Markus
Buchtipp: "Mister Pip"
Um was geht es: eine Südseeinsel, die Jugend eines Mädchens, ein exzentrischer europäischer Lehrer, der den Kindern die Liebe zur Literatur näherbringt. So weit eine wunderbar einfühlsam erzählte Geschichte. Dann aber holt die Protagonisten der Krieg ein, es beginnt der Irrsinn des Hasses.
Was mir an diesem Buch gefällt: es erzählt eine Geschichte, die so einfach und zugleich auch so vielfältig ist. Es ist poetisch, kindlich erstaunt und ist dann wieder furchtbar brutal und roh. Und dahinter steckt die großartige Botschaft: Idealismus ist größer und dauerhafter als aller Schmerz.

Lloyd Jones: Mister Pip. Rowohlt, 2008. ISBN: 978-3-498-03229-6


Silke
Serientipp: "Life in Pieces"
Ihr möchtet lachen, entspannen und Euch vielleicht vom Weihnachtsstress mit der eigenen Familie ablenken? Dann ist diese Sitcom perfekt! Jede Folge besteht aus vier Kurzgeschichten und wird in rasantem Tempo erzählt. Es dreht sich dabei alles um die Großfamilie Short-Hughes, die ihre Alltagsprobleme sehr unterhaltsam bewältigt. Die Serie kommt dabei angenehmerweise ohne Einspiellacher aus und ist insgesamt hervorragend besetzt.

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(Foto: © 2016 Fox and its related entities. All rights reserved)


Steffi
Buchtipp: "The Hate U Give"
Die sechzehnjährige Starr wächst in zwei Welten auf: in der armen Nachbarschaft, in der sie lebt und der elitären Privatschule, auf die ansonsten fast nur Weiße gehen. Als sie Zeugin wird, wie ihr ältester Freund unschuldig von einem Polizisten erschossen wird, muss sie sich entscheiden, wie sie damit in der Öffentlichkeit umgehen wird.
Das Buch gibt einen nachhaltigen Eindruck davon, was es für schwarze Jugendliche in den USA heißt, tagtäglich der Polizeigewalt und Diskriminierung ausgesetzt zu sein. Die Geschichte ist super fesselnd geschrieben und wird mich so schnell nicht mehr loslassen. "The Hate U Give" ist definitiv eines der besten Bücher, das ich 2018 gelesen habe und bin schon sehr auf die Verfilmung gespannt, die bei uns im Januar anlaufen wird!

Angie Thomas: The Hate U Give. cbt, Verlagsgruppe Random House München, 2017. ISBN 978-3-570-16482-2


Stephan
Buchtipp: "Ein angesehener Mann"
Sam Wyndham, ein ehemaliger Scotland Yard-Ermittler, findet sich nach dem Ersten Weltkrieg in Indien wieder. Gerade einmal zwei Wochen in Kalkutta wird er schon in seinen ersten Fall verwickelt. Gemeinsam mit dem Sergeanten Surrender-Not muss er den Mord an einem britischen Beamten aufklären. Dabei führen die Spuren in die unterschiedlichsten Richtungen und auch die Hierarchien der Kolonialmacht müssen beachtet werden. Dies alles geschieht vor der Kulisse Kalkuttas im Jahr 1919 und ist so spannend geschrieben, dass ich mir schon den nächsten Band besorgt habe "Ein notwendiges Übel".

Abir Mukherjee: Ein angesehener Mann. Heyne, 2017. ISBN 978-3-453-42173-8


Manfred
Serientipp: Black Sails
Wer kennt das Buch "Die Schatzinsel" von Robert Louis Stevenson nicht? Diese Serie ist quasi die Vorgeschichte dazu.
1715. Das goldene Zeitalter der Piraten. Die Karibikinsel New Providence Island ist von entflohenen Sklaven, Gesetzlosen sowie Prostituierten bevölkert und wird von der Familie Guthrie kontrolliert. Der brutale Captain Flint und seine Piraten wollen sich dort zur Ruhe setzen – mit der Beute vom spanischen Schatzschiff Urca de Lima. Doch nicht nur die Flotte des britischen Imperiums wird für Flint zur Gefahr, sondern auch seine Konkurrenten wie die Piraten Charles Vane und Anne Bonny...
Alles drin, was das Piratenherz begehrt. 🙂 Eine gute Story, sehenswerte Action- und Schlachtszenen und auch ein oder zwei Prisen Erotik, vermischt mit historischen Fakten und Figuren.

DVD oder via STARZPLAY auf Amazon Prime Video Channels


Eva
Buchtipp: "Schüttel den Apfelbaum"
Kalle das Kitzelmonster, dem so langweilig ist, weil ihn niemand kitzeln will. Ein böser Bär, der den Hasen fangen will. Und der kleine Junge Tobias, der verzweifelt versucht, Ketchup aus der Flasche zu bekommen. Kitzeln, schütteln, klopfen. In diesem Mitmachbuch können die Kleinen selber aktiv werden – und haben eine große Freude dabei.
Dieses Buch durfte ich im letzten Jahr gefühlte tausend Mal durchblättern, denn Kinder haben ja bekanntlich Ausdauer. Und trotzdem kann ich es mir noch das tausendundeinste Mal ansehen. Es ist für die ganz Kleinen (etwa 2 Bis 4 Jahre), weckt aber auch das Kind im Erwachsenen. Bunte, sehr schöne Illustrationen runden das fröhliche Mitmachbuch ab.

Nico Sternbaum: Schüttel den Apfelbaum, Bassermann, 2017. ISBN 978-3-8094-3672-0


Steffi
Kinotipp: Astrid
Ob Ronja Räubertochter, Pippi Langstrumpf oder Kalle Blomquist: Astrid Lindgren hat zahllose meiner Kindheitshelden geschaffen. Bis heute gehört es zu meinen festen Weihnachtsritualen am 24. Dezember mittags Michel dabei zuzuschauen, wie er mal wieder seinen Kopf in die Suppenschüssel steckt und sich mit Knecht Alfred über die wirklich wichtigen Dinge im Leben unterhält. Wer sich für das Leben Lindgrens interessiert, dem kann ich sehr den Film Astrid empfehlen. Dort erfährt man mehr über die turbulenten Jahre der damals jungen Autorin.


Oli
Buchtipp: Das hier ist Wasser / This is Water. Anstiftung zum Denken
Moralreden unterm Weihnachtsbaum? Trau dich! Wer hier redet, hat was zu sagen. Scharfsinnig, auf den Punkt und dabei unverkrampft. Genau so, wie man sich die Vorlesungen seiner Professorinnen und Professoren wünscht. David Foster Wallace' Abschlussrede für Absolventen des Kenyon College ist aus gutem Grund mittlerweile ein Klassiker. Eine kleines, unscheinbares Büchlein mit einer großen, furiosen Rede gegen akademischen Dünkel, vorgefertigte Haltungen und das Erwachsenendasein auf Autopilot. Was es aber vor allem ist: Ein Augenöffner, ein Plädoyer fürs Geradeausdenken und dafür, sein Leben für kein Dogma der Welt aus der Hand zu geben. Auch wenn der Autor es später dann leider doch getan hat.

David Foster Wallace: Das hier ist Wasser / This is Water. Zweisprachige Ausgabe (Engl./Dt.), Kiwi, 2012. ISBN: 978-3-462-04418-8