Die Macht der Düfte

Liegt heut was in der Luft? Ein ganz besonderer Duft? Zum Beispiel nach Frühling?
2019 steht die Welt der Düfte im Mittelpunkt der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur. Der diesjährige Inhaber der Professur, Prof. Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt, ist Zellphysiologe an der Ruhr-Universität Bochum und forscht seit mehr als 20 Jahren zum Thema Düfte.

Was ist die Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur?

Die Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur wurde 2000 von den „Freunden der Universität Mainz e. V.“ als gemeinnützige Stiftung eingerichtet. „Die Stiftung hat […] zum Ziel, eine lebendige Verbindung zwischen Universität und Bevölkerung, zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu pflegen.“
Dazu werden herausragende Wissenschaftler und Repräsentanten des öffentlichen oder kulturellen Lebens an die Universität Mainz eingeladen, um eine Vorlesungsreihe zu halten, wie zum Beispiel letztes Jahr Prof. Münkler, der sich dem Thema Politische Theorie und Ideengeschichte gewidmet hat. In diesem Jahr liegt der Fokus hingegen auf etwas sehr Sinnlichem – der Macht der Düfte. Die uns bezaubern, aber auch einfach stinken können.

Wie funktioniert das Riechen?

Ich habe zwar keine „Supernase“ (also keinen besonders empfindlichen und geschulten Geruchsinn), aber ich kann den Frühling riechen – er weckt positive Gefühle in mir. Und das, obwohl er objektiv betrachtet hauptsächlich modrige und faulige Bestandteile enthält. Ganz anders der muffige Geruch in Sporthallenumkleiden, der mich an den Schulsportunterricht erinnert. Und das sind nicht nur positive Erinnerungen. 😉

Wir alle wissen: Düfte nehmen wir mit der Nase wahr. Genauer gesagt mit den Duftrezeptoren. Davon gibt es in der menschlichen Nase ca. 350 verschiedene, die jeweils nur auf einen Duft reagieren. Der eine reagiert auf Buttersäure, der andere auf Vanille. Kommt ein Vanillemolekül an einen Rezeptor für Vanille, wird ein Impuls ausgelöst, der in das Riechhirn gelangt. Dort werden die ankommenden Impulse verrechnet, gebündelt und weitergeschickt.

Düfte wecken Gefühle


Einer der Informationswege führt direkt zu den Hirnarealen, die für Emotionen und Erinnerungen zuständig sind. Hier erzeugen die Duftinformationen blitzschnell ein Gefühl: Je nach Vorerfahrung beispielsweise Freude, Angst oder auch Abscheu. Erinnerungen werden aktiviert: Wenn ich Vanille rieche, denke ich an die Weihnachtsfeste meiner Kindheit und die leckeren Vanillekipferl.

Armani hat mit Boi d`Encens einen Duft auf Weihrauchbasis kreiert, der ihn in seine Kindheit versetzt und an die Kirchgänge mit seiner Großmutter erinnert. Auch Prof. Hatt hat ein eigenes Parfüm entwickelt: Knowledge by RUB, das erste Parfüm einer Universität.

Die Reaktion auf einen Großteil von Gerüchen ist erlernt und nicht ererbt. Wie beim schon erwähnten fauligen Frühlingsduft, der eben duftet, und nicht stinkt, weil er uns an das Wiedererwachen der Natur erinnert und viele positive Assoziationen hervorruft.

Heilen durch Düfte

Wusstet Ihr, dass auch Tumore Duftrezeptoren haben und durch Duftstoffe beeinflusst werden können? Jede Körperzelle besitzt diese Rezeptoren. Sie dienen außerhalb der Nase nicht zum Riechen, sondern kontrollieren viele unterschiedliche Prozesse, zum Beispiel Zellwachstum, Hormonregulation und das Freisetzen von Botenstoffen. Ein Großteil davon ist noch nicht erforscht.

Prof. Hatt und sein Team haben entdeckt, dass Rezeptoren für Sandelholzduft in Hautzellen die Wundheilung beschleunigen können.
Zurzeit wird intensiv erforscht, ob die Rezeptoren neue Ansätze in der Krebstherapie ermöglichen. Tumore in der Blase reagieren zum Bespiel ebenfalls auf Sandelholz.

Lust auf mehr Infos über die Macht der Düfte?

Dann besucht die Vorlesungsreihe: Die Macht der Düfte: alles über das Riechen und wie es unser Leben bestimmt.

Wann? Ab dem 16.4.2019 jeweils dienstags von 18:15 Uhr bis ca. 20 Uhr

Wo? Recht und Wirtschaft I, Hörsaal RW 1, Jakob-Welder-Weg 9

Wer? Alle, die auf den richtigen Riecher kommen wollen.


Weiterlesen?

Das kleine Buch vom Riechen und Schmecken / Hanns Hatt

 


Hanna Forck
Hanna Forck arbeitet in der Zentralbibliothek der Johannes Gutenberg -Universität Mainz mit Menschen, Medien und Maschinen.

 

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