Prof. Dr. Thomas Efferth – Vortragsexposé – Wintersemester 2016/2017

Themenschwerpunkt
″Zu Risiken und Nebenwirkungen …″ – Pharmazeutische Forschung, Markt und Verantwortung


Prof. Dr. Thomas Efferth
Leiter des Departments Pharmazeutische Biologie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Wie sanft ist grüne Medizin wirklich?
Nebenwirkungen und Vergiftungen durch Heilkräuter

Dienstag, 13. Dezember 2016, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)

Pflanzliche Arzneimittel und Heilkräuter werden gerne als "grüne Medizin" und daher nebenwirkungsarm und gut verträglich angesehen. Obwohl dies auf pflanzliche Arzneimittel hoher Qualität und mit offizieller Zulassung zutrifft, trifft dies nicht auf alle Produkte zu. Pflanzen produzieren bestimmte Stoffwechselprodukte (sekundäre Metabolite), welche vor Fraßbefall durch Insekten, Würmer oder Säugetiere schützen. Aufgabe pharmazeutischer Forschung ist es, hochwirksame Giftstoffe von medizinisch verwertbaren Stoffen zu unterscheiden. Ein zweiter Aspekt, welcher zu Vergiftungserscheinungen bei der therapeutischen Anwendung von Heilkräutern beitragen kann, betrifft unbeabsichtigte oder beabsichtige Verunreinigungen. Es können Kontaminationen auftreten durch Schwermetalle (Arsen, Blei, Cadmium, Mangan u. a.), Mikroben, Schimmelpilze, Radioaktivität etc. Beabsichtigte (kriminelle) Verfälschungen stellen z. B. Streckmittel dar, welche die Wirkung pflanzlicher Präparate herabsetzen, sowie der Zusatz synthetischer Medikamente, um die Wirkung von Heilkräutern zu verstärken. Wenn freiverkäufliche pflanzliche Produkte ohne Wissen des Arztes vom Patienten eingenommen werden, kann es zu unerwünschten Wechselwirkungen mit Standardmedikamenten kommen. In diesem Vortrag werden verschiedene Beispiele vorgestellt, z. B. Arzneimittelwechselwirkungen durch Johanniskraut, Lebertoxizität durch Kava Kava und Artesunate, Krebsentstehung und Nierenversagen durch Aristolochiasäure u. v. m. Ziel pharmazeutischer Forschung muss es sein, toxische Wirkungen aufzuklären und fragwürdige Produkte zu bannen, damit die in ihrer Mehrheit unbedenklichen pflanzlichen Präparate zum Nutzen der Patienten auch in Zukunft anwendbar bleiben.

Prof. Dr. Thomas Efferth ist seit 2009 Leiter des Departments Pharmazeutische Biologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 1990 promovierte er am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Er erhielt den Ludolf-Krehl-Preis der Südwestdeutschen Gesellschaft für Innere Medizin (1991), den Willmar-Schwabe-Preis der Deutschen Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoff-Forschung (2006), die Bürgermedaille der Stadt Heidelberg (2008), den CESAR Preis für translationale Krebsforschung (2011) und den theSCENTEDdrop Award (2015). Er leitete von 2005 bis 2009 eine Forschungsgruppe für Pharmazeutische Biologie am DKFZ, war außerplanmäßiger Professor an der Universität Heidelberg (2007–2009) und ist an mehreren Universitäten in China als Honorar-/Gastprofessor tätig. Efferth veröffentlichte mehr als 440 bei PubMed gelistete Arbeiten zu den Themen Krebsforschung, Pharmakologie und Naturprodukte (Hirschfaktor: 60; Zitierrate: >15.000) sowie das Lehrwerk "Molekulare Pharmakologie und Toxikologie" (Springer 2006). Zudem ist er an 30 wissenschaftlichen Journalen beteiligt und wissenschaftlicher Beirat der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft sowie vieler anderer Institutionen. Wissenschaftliche Arbeitsschwerpunkte sind die Tumorpharmakologie, Pharmakogenomik, die Entwicklung von neuen Optionen für die Behandlung und Diagnose von Krebs sowie die Forschung zu Naturstoffen.

Nächster Vortrag in dieser Reihe:
Prof. Dr. Gerhard Klebe
(Arbeitsgruppenleiter, Institut für Pharmazeutische Chemie und LOEWE-Zentrum für Synthetische Mikrobiologie, Philipps-Universität Marburg)
An Strukturen lernen: Wie die moderne Arzneistoffforschung heute neue Leitstrukturen entdeckt
Dienstag, 10. Januar 2017, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)