Universitäten Mainz und Frankfurt starten gemeinsames afrikalinguistisches Forschungsprojekt zu Sprache und Migration im Rhein-Main-Gebiet

Kooperationsprojekt wird über Initiativfonds Forschung der Rhein-Main-Universitäten gefördert / Teilnehmerinnen und Teilnehmer für Studie gesucht

14.11.2018

GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG DER RHEIN-MAIN-UNIVERSITÄTEN

Die Afrikaforschung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und der Goethe-Universität Frankfurt startet das Kooperationsprojekt "Afrikaner*innen im Rhein-Main-Gebiet: Ein afrikalinguistisches Forschungsprojekt zu sprachlicher Integration". Das Vorhaben wird aus Mitteln des RMU-Initiativfonds Forschung gefördert. Mit dem Projekt will die Kooperation Afrikaforschung Rhein-Main, die im Mai 2016 von dem Universitäten Frankfurt, Mainz und Darmstadt gegründet wurde, einen wissenschaftlichen Beitrag zum hochaktuellen, politisch wie gesellschaftlich viel diskutierten Thema sprachlicher Integration leisten – und zwar aus dem spezifischen Blickwinkel der Afrikalinguistik. Dafür werden Juniorprof. Dr. Nico Nassenstein vom Institut für Ethnologie und Afrikastudien an der JGU und Prof. Dr. Axel Fleisch vom Institut für Afrikanistik der Goethe-Universität in Frankfurt untersuchen, wie sich Migrantinnen und Migranten aus Afrika in Deutschland neuen Sprachwirklichkeiten annähern und welche Vorstellungen sie von ihrer eigenen Sprache und der Zielsprache haben. "Zunächst werden wir Kolleginnen und Kollegen, die uns aus Forschungskontexten in West- und Zentralafrika vertraut sind, befragen. In einem nächsten Schritt möchten wir die Studie dann ausweiten und Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet ansprechen", erklärt Prof. Dr. Nico Nassenstein.

Eine Besonderheit des RMU-Kooperationsprojekts "Afrikaner*innen im Rhein-Main-Gebiet" ist, dass Afrikawissenschaftlerinnen und -wissenschaftler hier vor Ort und nicht auf dem afrikanischen Kontinent forschen. Im Mittelpunkt steht die Frage nach den Mechanismen, die über eine funktionierende oder scheiternde sprachliche Integration entscheiden. Sprachliche Integration wird in Europa typischerweise als vornehmlich abhängig vom erfolgreichen Erwerb der Zielsprache in ihrer Struktur verstanden. Tatsächlich findet Spracherwerb jedoch weitgehend in informellen Kontexten außerhalb des Klassenzimmers statt. Dieser spontane Spracherwerb, der oft mit kreativen Lernstrategien einhergeht und unerwartet erfolgreich sein kann, ist bislang kaum wissenschaftlich untersucht. Diesen Themen werden sich vor allem Dr. Sabine Littig von der JGU und Prof. Dr. Abdourahmane Diallo von der Goethe-Universität Frankfurt in den kommenden zwei Jahren widmen.

Gemeinsamer Bachelorstudiengang Afrikanistik

Die Mainzer und die Frankfurter Afrikanistik haben sich bereits im letzten Jahr erfolgreich an der damaligen Ausschreibung des RMU-Initiativfonds Lehre beteiligt. Auf dieser Basis planen die Universitäten Mainz und Frankfurt nun einen gemeinsamen Bachelorstudiengang Afrikanistik. Das Studienprogramm wird das Lehrangebot beider Universitäten in der Afrikanistik bündeln und vielseitige Themengebiete rund um die Afrikalinguistik und weitere Forschungszweige der Afrikaforschung umfassen. "Mit diesem länderübergreifenden Bachelorstudiengang können wir unseren Studierenden ein viel breiteres Spektrum an Sprachen und Inhalten bieten", so Prof. Dr. Axel Fleisch. Der neue Bachelorstudiengang verbindet sprachwissenschaftliche Expertise mit Themen der Soziolinguistik, Medienlinguistik, der linguistischen Anthropologie und Kommunikationswissenschaft, die im Lehrplan eine Rolle spielen werden.

Afrikaforschung Rhein-Main

Mit der Kooperation Afrikaforschung Rhein-Main bündeln die Goethe-Universität Frankfurt, die Johannes Gutenberg-Universität Mainz und die TU Darmstadt ihre Kräfte im Bereich der Afrikaforschung. Interdisziplinarität kennzeichnet diesen Verbund: Neben der Ethnologie und der Afrikaforschung beteiligen sich unter anderem die Ägyptologie, die Linguistik und die Literaturwissenschaften, die Geografie, die Botanik und die Wirtschaftswissenschaften. Dreh- und Angelpunkt der im Mai 2016 beschlossenen Kooperation Afrikaforschung Rhein-Main ist das Frankfurter Zentrum für Interdisziplinäre Afrikaforschung, kurz ZIAF.

RMU-Initiativfonds Forschung

Mit dem RMU-Initiativfonds Forschung stärken die Rhein-Main-Universitäten (RMU) ihre wechselseitige Vernetzung. Aus der letzten Ausschreibungsrunde mit insgesamt 49 Antragsstellern werden über die kommenden zwei Jahre sechs neue Forschungsansätze in der Afrikanistik, Bildungsforschung, Informatik, Meteorologie, Pharmazie und Wirtschaftspädagogik mit jeweils bis zu 100.000 Euro jährlich gefördert.

Die Rhein-Main-Universitäten (RMU)

Die Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Johannes Gutenberg-Universität Mainz und die Technische Universität Darmstadt bilden als renommierte Forschungsuniversitäten die RHEIN-MAIN-UNIVERSITÄTEN. Sie entwickeln ihre Partnerschaft seit über zehn Jahren und haben sie mit Abschluss einer Rahmenvereinbarung in 2015 zur strategischen Allianz ausgebaut.

Die drei Universitäten liegen in der Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main in großer räumlicher Nähe und bieten ein breites Fächerspektrum von der Medizin und den Naturwissenschaften über die Geistes- und Sozialwissenschaften bis hin zu den Ingenieurwissenschaften. Mit über 100.000 Studierenden und 1.440 Professuren kooperieren sie eng in Forschung, Studium und Lehre, der Förderung von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie dem Transfer in Wirtschaft und Gesellschaft.

Gemeinsam steigern die Universitäten mit der strategischen Allianz ihre wissenschaftliche Leistungsfähigkeit. Dazu nutzen sie ihre Komplementarität und bilden starke Forschungsverbünde. Sie verbessern gemeinsam ihre Studienangebote und stärken Wissenstransfer und Vernetzung mit der Gesellschaft. So gestalten sie Rhein-Main als integrierte Wissenschaftsregion – global sichtbar und international attraktiv.