* Mainz, Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum, Inv. Nr. B 00324

Niedersächsisches Evangeliar des Mainzer Domschatzes

Alte Signatur: Hs 974; bekannt als Cod. Kautzsch 1 - Pergament - 230 Bl. - 21,3 x 16,7 cm - Niedersachsen (Umkreis Corvey) - letztes Jahrzehnt 10. Jh. (nach Kuder 11. Jh., 2. Jahrzehnt)

 

Schrift und Ausstattung

Karolingische Minuskel, Capitalis rustica für Überschriften (bei den Vorreden und im Evangelientext) und rote Unziale für die meisten Seitentitel. Angabe der Vergleichsstellen in den Seitenspalten. Text zeitnah korrigiert. Nach Hoffmann zwei Hauptschreiber: A: 1v-5v Z. 11, 17r-82v Z 8 "qua"; B: 5v Z. 14-7v Z. 2, 82v Z. 8 "mensura"-112v, 114r-171r, 172r-228v Z. 14. Diese beiden aus einem unbekannten Skriptorium, jedoch ungefähr gleichzeitige Mainzer Einträge sowie der Schluss des Capitulare evangeliorum 228v Z. 15-229v von der Mainzer Hand C.

Buchschmuck: 9r-14v zwölfteilige Folge von Kanontafeln (einfache, aber buntfarbige Architekturrahmungen mit Bogenreihen); 16v ganzseitiges Evangelistenbild Matthäus; 75v (untere Hälfte) Evangelistenbild Markus; 76r gold-silberne I-Initiale; 113r ganzseitiges Evangelistenbild Lukas; 113v silberne QM-Initialligatur; 171v Evangelistenbild Johannes.

 

Geschichte der Handschrift

Nach Kenntnis von Johann Konrad Dahl aus dem Stift St. Stephan in Mainz. Wahrscheinlich schon gegen 1000 in Mainz für den Bildschmuck und das Capitulare evangeliorum des Evangeliars Den Haag, Koninklijke Bibliotheek, Ms. 135 F 10 als Anregung bzw. Vorlage verwendet.

 

Literatur

Dahl, Johann Konrad: Alte Lectionarien und Codices Evangeliorum im Domstift zu Mainz befindlich, Manuskript o.J. (nach 1802), Nr. 5 (fol. 2v). [2v]

Kautzsch, Rudolf/Neeb, Ernst: Der Dom zu Mainz (Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Kreises Mainz. Bd. 2: Die kirchlichen Kunstdenkmäler der Stadt Mainz 1), Darmstadt 1919, S. 366.

Gouw, Jacobus Leonardus van der: Un evangéliaire de Laon à Nimègue, in: Scriptorium 11, 1957, S. 31-36.

Usener, Karl Hermann: Ein Mainzer Reliquiar im Bayerischen Nationalmuseum, in: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst 3. F. 8, 1957, S. 57-64, hier Anm. 9 S. 61-62.

Gündel, Christian: Der Mainzer Domschatz, Mainz 1962, S. 10.

Storm, Ursula: Die Bronzetüren Bernwards zu Hildesheim, Diss. Berlin 1966, S. 84-87.

Buddensieg, Tilmann: Zur ottonischen Buchmalerei und Elfenbeinskulptur in Sachsen, in: Frieda Dettweiler/Herbert Köllner/Peter Anselm Riedl (Hrsg.): Studien zur Buchmalerei und Goldschmiedekunst des Mittelalters. Festschrift für Karl Hermann Usener, Marburg a.d. Lahn 1967, S. 93-115, hier S. 112, Anm. 38.

Klauser, Theodor (Hrsg.): Das römische Capitulare Evangeliorum (Liturgiegeschichtliche Quellen und Forschungen 28), 2., um Verbesserungen und Ergänzungen vermehrte Aufl. (1. Aufl.: 1935), Münster i.W. 1972, S. LII, Nr. 184.

Lauer, Rolf: Mainzer Buchmalerei in der Willigiszeit, in: Wilhelm Jung (Hrsg.): Tausend Jahre Mainzer Dom (975-1975). Werden und Wandel (Ausst.-Kat. Mainz 1975), Mainz 1975, S. 58-69, Nr. 23.

Bauer, Gerd: Corvey oder Hildesheim? Zur ottonischen Buchmalerei in Norddeutschland, Diss. Hamburg, 2 Bde., Hamburg 1977, Nr. 30-31.

Hoffmann, Hartmut: Buchkunst und Königtum im ottonischen und frühsalischen Reich (Schriften der Monumenta Germaniae Historica 30,III), 2 Bde., Stuttgart 1986, S. 243.

Lauer, Rudolf Ferdinand [Rolf]: Studien zur ottonischen Mainzer Buchmalerei, Diss. Bonn 1974, Bonn 1987, S. 172-174, 283 (zum Kreuz des Einbands auch S. 185-187).

Brandt, Michael/Eggebrecht, Arne (Hrsg.)/wiss. Beratung: Schuffels, Hans Jakob: Bernward von Hildesheim und das Zeitalter der Ottonen (Ausst.-Kat. Hildesheim 1993), 2 Bde., Hildesheim/Mainz 1993, Nr. IV-5 (Ulrich Kuder); (zum Kreuz auch Nr. IV-6 [Rolf Lauer]).

 

Abbildungen

16v [Gündel 1962, S. 10]

16v [Ausst.-Kat. Hildesheim 1993, S. 155; in Farbe]

Kreuz vom Einband [Ausst.-Kat. Hildesheim 1993, S. 156; in Farbe]

 

Einband

Auf dem ehemals roten Samt des Holzeinbands war das Domschatzkreuz in vergoldeter Silbergravur (Inv. Nr. S 1974) angebracht. 1975 abgelöst.

 

Inhalt

Vier Evangelien mit drei (von vier) allgemeinen und den vier besonderen Vorreden, Breviaria, Canones und Capitulare evangeliorum.

- 1r mit Papier beklebt, bis auf Einträge und Stempel leer.

- 1v-3r Plures fuisse.

- 3r-5r Novum opus.

- 5r-v Sciendum etiam.

- 5v-6r Argumentum zu Matthäus.

- 6r-7r Breviarium zu Matthäus.

- 9r-14v Canones.

- 15r-16r leer.

- 16v-72v Matthäus-Evangelium (Textanfang auf Schriftrolle des gemalten Evangelisten).

- 73r-v Argumentum zu Markus.

- 73v-75v Mitte Breviarium zu Markus.

- 76r-109r Markus-Evangelium.

- 109v-110r Argumentum zu Lukas.

- 110v-112v Breviarium zu Lukas.

- 113v-169v Lukas-Evangelium.

- 169v-170r Argumentum zu Johannes.

- 170r-171r Breviarium zu Johannes.

- 171v-215v Johannes-Evangelium (Textanfang auf Schriftrolle des gemalten Evangelisten).

- 216r-229v Capitulare evangeliorum.

 

Permalink

http://www.hss-census-rlp.ub.uni-mainz.de/mz-ddm-inv-nr-b-00324

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