* Mainz, Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum, Inv. Nr. B 00295

Evangelistar aus St. Maria ad Gradus

Alte Signatur: Hs 976; bekannt als Cod. Kautzsch 5 - Pergament - 99 Bl. (Bl. 1-2 Schmutzblätter; Bl. 85-99 neuzeitlich; vermutlich ein Blatt vor 3r verloren) - 36,1 x 27,5 cm - Mainz(?) - Anfang 14. Jh. (1311?), erweitert 16./17. Jh.

 

Schrift und Ausstattung

(Faszikel I, Grundbestand:) Große Textualis formata (Textura); rubriziert und mit roten Überschriften und Explicits. Sehr viele leere Seiten und Seitenreste. Jede Lesung wird von einer großen blau-roten Initiale eingeleitet, die in strengen geometrischen Formen Fleuronné mit flächigen Drachen- und Pflanzenornamenten verbindet, zumeist I des "In illo tempore". Dünne Fadenranken in den Ausläufern. In der Initiale zu >De sancta Trinitate< 46r einfacher Christuskopf, p. 56 in Initiale zu >In assumptione sancte marie virginis< Januskopf mit Judenhut.

 

Geschichte der Handschrift

Nach zeitgenössischem Explicit 84r aus dem Besitz von St. Maria ad Gradus in Mainz.

 

Literatur

Dahl, Johann Konrad: Alte Lectionarien und Codices Evangeliorum im Domstift zu Mainz befindlich, Manuskript o.J. (nach 1802), Nr. 3 (fol. 3v). [3v]

Kautzsch, Rudolf/Neeb, Ernst: Der Dom zu Mainz (Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Kreises Mainz. Bd. 2: Die kirchlichen Kunstdenkmäler der Stadt Mainz 1), Darmstadt 1919, S. 368-369.

Gündel, Christian: Der Mainzer Domschatz, Mainz 1962, S. 25.

Klauser, Theodor (Hrsg.): Das römische Capitulare Evangeliorum (Liturgiegeschichtliche Quellen und Forschungen 28), 2., um Verbesserungen und Ergänzungen vermehrte Aufl. (1. Aufl.: 1935), Münster i.W. 1972, S. CII, Nr. 178.

 

Abbildungen

Vorderdeckel [Gündel 1962, S. 25]

 

Einband

Einband im 19. Jh. mit grünem Leder und Seidenauskleidung des Vorderspiegels erneuert. Der gotische Vorderdeckel (38,6 x 30,1 cm; Inv. Nr. S 00295) wird gebildet von einer vergoldeten Silbertreibarbeit einer Kreuzigung Christi mit Maria und Johannes. Die Evangelistensymbole von Matthäus und Johannes in die Zwickel der überdachenden Arkade eingefügt. Durchbrochen gearbeitete Rahmung (heute über rotem Leder) mit Büstenbildern von Engeln und Heiligen vor blauem Emailgrund besetzt. Die Buckel auf den Ecken in der Form von Sonnenblüten gebildet. Die gleichen Buckel und eine große Blüte auch auf dem Leder der Rückseite. Die beiden Schließen mit Löwenkopfverzierung womöglich Ergänzungen (15. Jh.?). In den Details wie Inv. Nr. B 00296. Datierung: Vermutlich Beginn 14. Jh. oder früher, vielleicht für die Weihe von Liebfrauen am 12. September 1311 (die Datierung "um 1380" bei Kautzsch für den Deckel sicher nicht richtig).

 

Inhalt

Faszikel I - Bl. 1-84

3r-84r Festtagsevangelistar

- 3r-73r Temporale-Sanktorale beginnend mit der ersten Weihnachtsmesse. Heiligenfeste: Stephanus, Johannes Evangelista, Innocentes, (>In purificatione sancte Marie<), Johannes Baptista, Petrus und Paulus, >In commemoratione sancti Pauli<, Mariae Himmelfahrt, Mariae Geburt, Erzengel Michael, Allerheiligen, Martin, Andreas. - 48r-51r >De corpore christi<. - 62r-64r >In dedicatione ecclesie< zwischen Mariae Himmelfahrt und Michael.

- 73v-84r Commune sanctorum

Faszikel II - Bl. 85-99 - Kursive

85r-98r Festtagsevangelistar von St. Maria ad Gradus, reduzierte, z.T. auch modernisierte Neuschrift der mittelalterlichen Handschrift.
Beginnend mit der dritten Weihnachtsmesse. Wichtige Ergänzungen gegenüber dem älteren Buchteil: 86v-88r >In coena Domini< (einzige daneben verbliebene der Messen der Osterzeit: 88r-v >Dominica Resurrectionis<); 89v-90r >In festo S. Bonifacii<; 91r-95r >In festo SS. Corporis Christi< nun an vier Altären begangen. Kirchweih nun am Ende, nach Martin.

 

Permalink

http://www.hss-census-rlp.ub.uni-mainz.de/mz-ddm-inv-nr-b-00295

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