Gesangbuchbibliographie

Das großangelegte Projekt Gesangbuchbibliographie hat das Ziel, für Wissenschaft und interessierte Öffentlichkeit eine Datenbank sämtlicher gedruckter deutschsprachiger Gesangbücher bereitzustellen, die seit der Reformation bis heute erschienen sind.

1999 begann ein Wissenschaftsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Hermann Kurzke, Prof. Dr. Ansgar Franz und Prof. Dr. Stephan Füssel die bisher unbekannte Kultur- und Medienlandschaft der Gesangbücher zu erschließen.

Die Arbeiten und Reisen der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Hilfskräfte und vieler Korrespondentinnen und Korrespondenten wurden von 1999 bis 2008 durch die DFG finanziert.

Es folgten Projekte zur Erfassung freikirchlicher Gesangbücher, getragen durch die Universität Mainz und das Theologische Seminar Elstal, und zur Erfassung siebenbürgischer Gesangbücher, mit den Finanzmitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, des universitären Forschungsschwerpunktes Historische Kulturwissenschaften und einer institutionellen Unterstützung der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Rumänien. Softwarearbeiten wurden durch Stiftungsmittel am Gesangbucharchiv, den Verein Kultur, Liturgie, Spiritualität und die Johannes Gutenberg-Universität finanziell unterstützt.

Für die Datenerfassung wurden zahlreiche online zugängliche Bibliothekskataloge sowie Bibliographien und Sekundärliteratur ausgewertet, aber auch Karteikarten und Regale durchforstet. Die endgültige Aufnahme der Titel erfolgt – so weit möglich – nach Autopsie, also indem ein Exemplar in Augenschein genommen wurde. Zahlreiche Bibliotheken im Inland wurden aufgesucht. Außerdem wurden, meist durch Korrespondenten vor Ort, bedeutende ausländische Bibliotheken, etwa in Prag, und St. Petersburg, im Baltikum und in Ungarn erfasst, in denen sich deutschsprachige Gesangbuchbestände erhalten haben. Ein besonderer Schwerpunkt lag in Siebenbürgen. Aufnahmen in Nord- und Südamerika sind beabsichtigt.

Die Nutzer der Datenbank können nicht nur Titelblätter in exakter Übernahme des Originalwortlautes studieren, sondern sich auch über die Zahl der Lieder und ihre Ausstattung mit Noten in den jeweiligen Ausgaben informieren. Hinzu treten Angaben über den Umfang der Gesangbücher, denen nicht selten weitere religiöse Schriften, etwa Gebetbücher, angebunden waren. Für die buchwissenschaftliche Forschung interessant sind Angaben über Drucker, Verleger und Privilegien. Konfession und Urheber wurden möglichst ermittelt, die Vorreden werden angezeigt und teilweise ausgewertet. Der Bezug zu den Fachbibliographien und den virtuellen Verzeichnissen der deutschsprachigen Drucke des 16. und 17. Jahrhunderts wird über die Siglen hergestellt. Zum Inhalt eines Datensatzes gehören auch Literaturnachweise und Angaben zu den Abhängigkeitsverhältnissen der Gesangbücher untereinander, die aber wegen technisch bedingter Hindernisse noch nicht online recherchierbar sind.

Anfängliche Schätzungen gingen von einer Gesamtzahl von maximal 13.000 Titeln aus. Diese Erwartungen wurden bald von der Wirklichkeit übertroffen. Inzwischen enthält die Datenbank mehr als 29.000 Datensätze – und selbst damit sind noch nicht alle deutschsprachigen Gesangbücher erfasst. So bleibt das Projekt im Ausbau. In der Datenbank (als „work in progress") haben zahlreiche Einträge noch nicht die endgültige Form, sollen aber schon jetzt für Recherchen zur Verfügung stehen: unbearbeitete Datensätze, die nach und nach vervollständigt werden, Dubletten, unvereinheitlichte Fundortbezeichnungen (aufgelöst im Abkürzungsverzeichnis) oder Markierungen für Klärungsbedarf in den Feldern.

Die Umstellung auf ein neues Datenbankformat und die Integration in weitere Recherchewerkzeuge steht bevor, die in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Beat Föllmi, Université de Strasbourg, erfolgen wird. Weitere Bemühungen um Finanzierungsmöglichkeiten für die Fortführung des Projekts sind stetig im Gange. Unterstützung und Hinweise sind willkommen.

Für die Benutzung der Suchfunktion empfiehlt sich ein Blick auf die Hinweise zur Suche in der Datenbank.

Ansprechpartnerinnen: Dr. Elisabeth Fillmann (für den Zeitraum 1883 bis zur Gegenwart)
Dr. Heike Wennemuth (für den Zeitraum vom 16. Jahrhundert bis 1882)

Übersicht der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Projekts "Gesangbuchbibliographie".