Geistliches Wunderhorn

Des Knaben Wunderhorn heißt die berühmte Sammlung alter deutscher Lieder, die Achim von Arnim und Clemens Brentano 1805 bis 1808 in Heidelberg herausgegeben haben. Brentano soll später auch ein Geistliches Wunderhorn geplant haben. Sein Gedanken aufnehmend, möchte dieses Buch Kirchenlieder und geistliche Lieder einer aufgeklärten Öffentlichkeit als Kulturgut attraktiv machen, zu einem Zeitpunkt, da die Weitergabe der christlichen Überlieferung auf eine bisher nicht gekannte Schwundstufe reduziert scheint. Fünfzig Lieder, darunter Es kommt ein Schiff geladen und Es ist ein Ros entsprungen, Morgenglanz der Ewigkeit und O Haupt voll Blut und Wunden, Wer nur den lieben Gott läßt walten und Stille Nacht, werden in kritisch geprüften Fassungen ediert, ihre poetische und musikalische Struktur wird erläutert und ihr Schicksal erzählt.
Die Sammlung enthält Lieder katholischer und evangelischer Tradition. Der wichtigste Prüfstein war hierbei die poetische und musikalische Qualität.
Geistliches Wunderhorn. Große deutsche Kirchenlieder. Herausgegeben, vorgestellt und erläutert von Hansjakob Becker, Ansgar Franz, Jürgen Henkys, Hermann Kurzke, Christa Reich und Alex Stock. Verlag C.H. Beck München, 2. Auflage 2003. 568 Seiten mit beigelegter CD, 39.90 €

3. Auflage 2009, Taschenbuch ohne CD

Pressestimmen

"Hier ist nicht der Platz, all die Namen zu nennen, die das Wunderhorn zu einem Schatz machen. Es gehört in die Bibliothek nicht nur der Kulturfrömmler, sondern in die Hand eines jeden, der Literatur schätzt. Denn es lässt den Urgrund ahnen, aus dem das Schöne und Dunkle, das Tröstliche und Verstörende aller großen Kunst herrührt, jenes Unnennbare, das mit dem Wort Gott unzureichend beschrieben ist und auch vom standhaftesten Rationalisten nur als Wunder erfahren werden kann."
Evelyn Finger, Die Zeit, 13.12.2001

"... in ästhetisch ausgesprochen gediegener und schöner Gestaltung ... ein wissenschaftlich überaus fundiertes Unternehmen ... Aber dieses Buch, das die Kirchenlieder und Geistlichen Lieder nicht einer Glaubensgemeinde, sondern 'einer aufgeklärten Öffentlichkeit als Kulturgut attraktiv machen' will, gehorcht anderen, strengeren Maßstäben. Es ist die textpoetische und musikalische Qualität der Lieder, die den Ausschlag gab für die Auswahl in dem Band. Unter den Textdichtern finden sich immerhin die Größten: Paul Gerhardt, Friedrich Spee, Klopstock, Novalis, Bonhoeffer; zu den Komponisten gehören Johann Sebastian Bach und Franz Schubert. Das Wort von der 'Intimgeschichte des Christentums', die hier geschrieben wurde, scheint nicht übertrieben."
Wolfgang Schreiber, Süddeutsche Zeitung, 5.12.2001

"Zu ihrer Lied-Auswahl kann man die Autoren nur beglückwünschen. Zweifellos gehören viele der Lieder zu den schönsten und bekanntesten: 'Es kommt ein Schiff', 'Es ist ein Ros entsprungen', 'Wer nur den lieben Gott lässt walten', 'Ich steh an deiner Krippen hier' und 'O Haupt voll Blut und Wunden'. Aber auch 'Der Mond ist aufgegangen' und 'Geh aus mein Herz und suche Freud', die ihren Platz auch außerhalb des Gottesdienstes behaupten, finden sich darunter. Kriterium für die Aufnahme ins Wunderhorn: die poetische und musikalische Qualität.
Die einzelnen Essays zu den einstimmig dokumentierten Liedsätzen loten die Tiefenschichten der Lieder aus. Die Autoren klären über Textversionen und Entwicklungen einzelner Liedstrophen auf, sie beleuchten die theologischen Hintergründe und frömmigkeitsgeschichtlichen Wurzeln. Sie übersetzen Bilderwelt und Metaphernreichtum der Liedtexte und analysieren - wenn auch eher sparsam - musikalische Details."
KKL, Katholische Kirchenzeitung, 6. Januar 2002