AG Migration & Diaspora

Team: Anton Escher, Gregor Arnold, Tobias Boos, Matthias Gebauer, Marie Karner, Johannes Mücke, Andoniaina Raharimalala, Eva Riempp

Mit der Globalisierung gehen die zunehmende Technisierung der Kommunikation, zum Beispiel durch Facebook, Skype und Twitter, sowie die erhöhte physische Mobilität von Menschen einher. Personen, aber auch Praktiken, Zeichen und Symbole, sind in ständiger Bewegung und zirkulieren über nationalstaatliche Grenzen hinweg. Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien begünstigen daher die Bildung von sozialen Ordnungen, wie Diasporagemeinschaften sowie andere globale Gemeinschafts­formen, die quer zur nationalstaatlichen Ordnung liegen. Sie verändern das Zusammenleben der Mitglieder dieser Gemeinschaften und deren Migrationsbewegungen grundlegend.

Im Fokus der Arbeitsgruppe „Migration&Diaspora“ stehen die theoretische und empirische Auseinander­setzung mit den Konzepten Diaspora, transnationale Migration, globale Gemeinschaft, Mobilität und den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien. Diaspora wird als eine globale Gemeinschaft verstanden, deren Mitglieder durch enge emotionale Beziehungen transnational miteinander verbunden sind. Das Zusammen­gehörigkeitsgefühl ihrer Mitglieder basiert dabei auf einer als gemeinschaftlich konstruierten Herkunft. Die Analyseebene ist die Diasporagemeinschaft, wobei ihre internen Beziehungen sowie ihre Einbettung in nationale Gesellschaften im Forschungsfokus stehen.

Der regionale Schwerpunkt der empirischen Arbeiten liegt in der Erforschung von Migrationsbewegungen und Diasporagemeinschaften aus den Gebieten Syrien, Libanon, Israel, West Bank und Gaza. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts finden umfangreiche Migrationsbewegungen aus diesen Gebieten statt, die ihre Richtung mehrfach wechselten. Aus diesem Grund leben heute in nahezu allen Teilen der Welt Mitglieder von Gemeinschaften aus diesen Gebieten, weshalb die Arbeitsgruppe ihre empirischen Arbeiten weltweit durchführen.

Theoretische Ziele
Es wird eine enge Definition des auch außerhalb der Wissenschaft inflationär verwendeten Begriffs Diaspora erarbeitet. Dabei werden die Differenzen und Anknüpfungspunkte mit den Konzepten transnationale Migration und globale Gemeinschaft herausgearbeitet.

Neue Konzepte im Bereich Migration, Mobilität, Kultur und Gemeinschaft aus verschiedenen Disziplinen werden auf ihre Kompatibilität mit dem Begriff Diaspora überprüft. Besonders die Kommunikations­wissenschaften werden hierbei berücksichtigt.

Empirische und methodische Ziele
Neue Methoden werden entwickelt, die die Wechselwirkungen zwischen Diaspora-gemeinschaften und modernen Informations- und Kommunikations­technologien erfassen.

Es werden Methoden und Kriterien erarbeitet, die eine Unterscheidung verschiedener Diasporagemein­schaften erlaubt und dabei nicht auf den Nationalstaat oder auf Ethnizität als vorgegebene Kategorien zurückgreifen. Bei den Forschungsarbeiten werden die Mechanismen der Genese, Reproduktion und des Zerfalls von Diasporen ausfindig gemacht.

Gesellschaftliche Ziele
Die Wechselwirkungen zwischen den Mitgliedern einzelner Diaspora­gemeinschaften und den nationalstaatlichen Ordnungen werden untersucht. Es werden positive und negative Rückkopplungen herausgearbeitet und Möglichkeiten für ein konstruktives Zusammenleben aufgezeigt.

 

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