Laufende Forschungsprojekte von Marion Plien

Filmisch imaginierte Geographien in den Wahrnehmungen Jugendlicher

 

„Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.“(Alexander Freiherr von Humboldt (1769 - 1859))

 

Filmemacher wollen auf gesellschaftliche Belange aufmerksam machen (AITKEN 1991: 108) und ihre Perspektive  zu sehen geben. Dazu erzählen sie Geschichten in Bild und Ton. Diese spielen an Orten und in Landschaften, die aber nur scheinbar lebensweltlichen Ausschnitten der Erdoberfläche entsprechen. Vielmehr besteht ihre Aufgabe darin, die Message des Filmemachers audio-visuell erfahrbar zu machen. So möchte Iñárritu in BABEL (2006) beispielsweise  kein differenziertes Marokko-, Mexiko- und Japanbild zeigen, sondern das für das westliche Publikum Fremde dieser Länder inszenieren, um zu verdeutlichen,  dass eine sinnstiftende globale Kommunikation unmöglich ist.

Beim Zuschauer führt die Rezeption dieser filmisch imaginierten Geographien zu gelenkten ökologischen und gesellschaftlichen Umwelterfahrungen (AITKEN und ZONN 1994: 69) und zur Ausbildung von gesellschaftlich geteilten (Welt)Anschauungen [, die ferner zu einem Bestandteil materiell-sozialer Praktiken werden].  Für Jugendliche, in deren Lebenswelten Spielfilme in quantitativer und qualitativer Hinsicht eine herausragende Rolle spielen (siehe dazu auch die Ergebnisse der KIM- und JIM-Studie 2013), leisten diese Umwelterfahrungen einen Beitrag zu ihrem Sozialisations- und Enkulturationsprozess.

Es gibt eine Vielzahl an Studien zum Einfluss von Spielfilmen auf die Sozialisation Jugendlicher, die einen Einblick darüber geben wie die Persönlichkeitsentwicklung sowie die gesellschaftliche Sozialisation durch die Rezeption von filmischen Narrationen eine Unterstützung und Beeinflussung erfährt. Allerdings fehlen Arbeiten, die sich mit dem Einfluss filmisch imaginierter Geographien auf die Wahrnehmungen Jugendlicher und damit mit der geographischen Sozialisation beschäftigen.

Das Ziel der Forschungsarbeit ist es den Einfluss von filmischen Geographien auf die imaginären Geographien von Jugendlichen zu untersuchen.

 

Literatur:

AITKEN, S. A. und L.E. ZONN (1994): Re-Presenting the Place Pastiche. In: AITKEN, S. A. und L.E. ZONN (Hrsg.): Place, Power, Situation and Spectacle. A Geography of film. London: 69-100.

AITKEN, S.A. (1991): A transactional Geography of the Image-Event: the Films of Scottish Director, Bill Forsyth. In: Transactions of the Institute of British Geographers, Band 16: 105-118.