Philosophie des Mittelalters


Die Philosophie im Kreis der sieben artes liberales. Darstellung aus dem "Hortus Deliciarum" der Herrad von Landsberg (Ende 12. Jahrhundert).


Philosophie des Mittelalters und ihre Wirkungsgeschichte

Die Professur befasst sich in Lehre und Forschung, interdisziplinär ausgerichtet, in historischer wie systematischer Perspektive mit dem Denken des lateinischen Mittelalters (ca. 500 bis 1500).

Das Zeitalter führt die antiken und spätantiken Bildungs- und Wissenschaftstraditionen produktiv weiter, indem sie diese unter sich verändernden Umständen mit Modellen christlicher Weltdeutung zu neuen Wissensganzheiten zusammenführt. Auf ihrer Grundlage führt die Rezeption der Philosophie des Aristoteles und insbesondere seiner Wissenschaftslehre im 13. Jahrhundert zur Etablierung des ‚scholastischen’, d.h. schulmäßigen Wissenschaftsverständnisses, das an den neu gegründeten Universitäten seinen institutionellen Ort findet.

v.l.n.r.: Mathis Donath, Pau Ruiz Bernat, Mathias Vollet, Stefan Seit, Julian Joachim, Marc Riegel; nicht abgebildet: Charlotte Roese und Edith Broggio.

Theorie und Theoreme des mittelalterlichen Denkens beeinflussen – bis heute – maßgeblich unser Wissenschaftsverständnis, unser Denken über die Natur, den Menschen und die menschliche Praxis. Sie haben nicht zuletzt die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Neuzeit auf die Antike Bezug nehmen konnte.

Im Rahmen der Professur kommt in Lehre und Forschung das philosophische Denken dieser Epoche als die entscheidende, kulturelle Kontinuität und Identität stiftende Brücke in den Blick, der sich nicht zuletzt die „Geburt Europas“ (J. LeGoff) verdankt. Ein besonderes Gewicht liegt auf der Rekonstruktion der Vermittlungs- und Transformationsprozesse, welche die anscheinend fest gefügten Epochen übergreifen und miteinander verbinden.