Fitness-Check – sportliche Leistungsfähigkeit von Kindern

Eine zusammenfassende Aussage des Ersten Deutschen Kinder- und Jugendsportberichts 2003 lautet: Für Jugendliche bis etwa zum 16. Lebensjahr ist Sport eine der wichtigsten Freizeitbeschäftigungen, für Kinder bis 12 Jahre sogar die wichtigste (Schmidt, Brettschneider & Hartmann-Tews, 2006). Und auch im aktuellen Dritten Deutschen Kinder- und Jugendsportbericht mit dem Untertitel „Kinder- und Jugendsport im Umbruch“ wird festgestellt, dass sich der Sport trotz erheblich verändernder gesellschaftlicher Rahmenbedingungen als ein erheblicher Kontinuitätsfaktor im Leben von Kindern und Jugendlichen erweist (Schmidt, Neuber, Rauschenbach, Brandl Bredenbeck, Süßenbach & Breuer, 2015).

Auf der anderen Seite existieren zahlreiche Studien, die einen Rückgang der motorischen Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen in fast allen Fähigkeitsbereichen dokumentieren. So sind Kinder und Jugendliche heute körperlich und motorisch weniger leistungsfähig als ihre Altersgenossen in den 70er, 80er und 90er Jahren. Die Zunahme des Straßenverkehrs, die Bevölkerungskonzentration in den Städten und die zunehmende Technologisierung des Alltags haben dazu beigetragen, dass sich Kinder heute anders und weniger bewegen als früher.

Trotz einer großen Vielfalt an Bewegungs- und Sportangeboten erhöht sich die Inaktivität der Kinder und Jugendlichen, die als gesundheitlicher Risikofaktor angesehen wird. Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass sich sportliche Aktivität oder die Partizipation an Sportangeboten positiv auf personale und soziale Ressourcen auswirkt, welche wiederum mit Entwicklungs- und Gesundheitsmerkmalen in Zusammenhang gebracht werden können.

Neben der Bewegungsförderung zum Ziel der gesundheitlichen Prävention und der Stärkung sozialer Kompetenzen gehört die wissenschaftlich fundierte Talentsuche und -förderung zu den gesamtgesellschaftlichen Aufgaben. Die Findung und Förderung talentierter Kinder mit dem Ziel, zukünftig sportliche Spitzenleistungen zu erreichen, ist u. a. aus folgenden Gründen von Bedeutung:

  • Vorbildfunktion für Kinder und Jugendliche
  • Gemeinsinnstiftende Wirkung auf regionaler Ebene
  • Stärkung des regionalen (Leistungs-)Sports
  • Imagebildung (Label „Sportregion“)

Angelehnt an den Fuldaer Bewegungs-Check (FBC) und dessen Vorbild, dem Düsseldorfer Modell der Bewegungs-, Sport- und Talentförderung wurde ein Konzept für Mainz entwickelt. Mit dem Fitness-Check, bestehend aus einer Basisdiagnostik zur Einschätzung der allgemeinen sportlichen Leistungsfähigkeit (Stufe 1) sowie der anschließenden differenzierteren Diagnostik und Beratung (Stufe 2), wird ein Beitrag sowohl zur Bewegungsförderung (Ziel: gesundheitliche Prävention und Stärkung sozialer Kompetenzen) als auch zur Talentsuche und -förderung geleistet. Während alle Kinder die erste Stufe absolvieren, die eine Stärken-Schwächen-Analyse beinhaltet, erfolgt in Stufe 2 eine Trennung in zwei Bereiche:

  1. Kindern mit sehr guten Testleistungen in Stufe 1 werden zu einer differenzierten Diagnostik ihrer sportlichen Leistungsfähigkeit eingeladen und anschließend gezielt in die Talentförderung überführt (Zielstellung: Talentfindung/-förderung).
  2. Kinder mit defizitären oder auffälligen Ergebnissen im basisdiagnostischen Test erhalten eine weitere Differenzialdiagnostik und werden entsprechend der Ergebnisse im Hinblick auf eine adäquate Bewegungsfördermaßnahme und/oder Ernährungsverhalten beraten (Zielstellung: Bewegungs- und Gesundheitsförderung).

Das Konzept wurde 2017 in Kooperation mit der Abteilung Kinderchirurgie der Universitätsmedizin Mainz (Univ.-Prof. Dr. Oliver Muensterer) und dem Landessportbund Rheinland-Pfalz (Abteilung Leistungssport) mit einer Untersuchung (Basisdiagnostik, Stufe 1) beim Kinderfestival begonnen. Dabei waren von den teilnehmenden Kindern folgende Stationen des Deutschen Motorik-Tests (DMT) zu absolvieren:

  • 20 Meter-Sprint
  • Balancieren Rückwärts
  • Seitliches Hin- und Herspringen
  • Rumpfbeuge
  • Liegestütz
  • Sit-ups
  • Standweitsprung

Ansprechpartner
Dr. Robert Collette
Christian Winter
Prof. Mark Pfeiffer