Die Jüdische Bibliothek an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

01.05.2017
Neu: Die bislang bekannten hebräischen Handschriften aus der Jüdischen Bibliothek sind nun digitalisiert und einsehbar unter dem Link:

Dokumentation zur Bibliothek im Steiner Verlag von Andreas Lehnardt. Näheres unter:

Seit ca. 1955 befinden sich in der Evangelisch-Theologischen Fakultät im Fachbereich 01 die Reste der jüdischen Gemeindebibliotheken aus Mainz. Erhalten sind vor allem Bestände aus der orthodoxen Gemeinde (Israelitische Religionsgesellschaft) und aus der liberalen Hauptgemeinde. Die Bücher befinden sich seit 1955 Leihgabe der jüdischen Gemeinde Mainz an die Johannes Gutenberg-Universität. 1938 wurden die Bücher beschlagnahmt, danach jedoch vernachlässigt. Viele Titel sind bereits nach 1946 an die neu gegründete Universität gekommen. Bei dem Bestand handelt es sich heute um eine Präsenzbibliothek, die ca. 5500 Bände umfasst, darunter seltene Hebraica und Judaica aus unterschiedlichen Gebieten. Eine Benutzung ist nach Vereinbarung mit Prof. Lehnardt möglich.

Die Geschichte der Bücher war lange nicht dokumentiert. Viele Titel lassen sich aufgrund von Vorbesitzervermerken zuordnen. Offenbar enthält der Bestand Nachlässe ehemaliger Gemeindemitglieder und Rabbiner aus Mainz . Erhalten sind u.a. Bücher aus dem Nachlass von Marcus Lehmann (1831-1890) und Siegmund Salfeld (1843-1926). Weitere Titel stammen aus den Beständen der Lehrerbibliothek der Jüdischen Bezirksschule Mainz, die 1942 geschlossen wurde. Neben deutschen, hebräischen und (wenigen) jiddischen Druckwerken gehören auch hebräische und deutsche Handschriften zu der Sammlung. Beschrieben wurden die meisten Handschriften von Rabbiner Ernst Róth im Verzeichnis orientalischer Handschriften in Deutschland VI, 2, Wiesbaden 1965, Nummer 260-290. Das von Salfeld veröffentlichte Memorbuch der Mainzer Gemeinde, welches sich vormals im Besitz der orthodoxen Gemeinde befand, wird heute in Bene Brak in Israel aufbewahrt. Andere Memorbücher befinden sich in Jerusalem und in New York. Mittlerweile konnten bei den Aufräumarbeiten weitere kleine Manuskripte aus der jüdischen Gemeinde Mainz gefunden werden. Zu den digitalisierten Handschriften siehe: https://gutenberg-capture.ub.uni-mainz.de/ubmzj

Im Rahmen eines Projekts unter Leitung von Professor Dr. Andreas Lehnardt wurden die Bestände neu aufgelistet und geordnet. Dank der finanziellen Unterstützung des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz, der Freunde der Johannes Gutenberg-Universität, der Denkmalstiftung, der LBS Mainz und des Wissenschaftsministeriums konnten besonders wertvolle Drucke restauriert werden. Die Erschließung der hebräischen Titel erfolgte dank einer Unterstützung der Rothschild Foundation Europe (London). Eine Publikation zu neueren Funden aus der Bibliothek befindet sich in Vorbereitung.

01.05.2017