Stellungnahme der Fachschaft Romanistik zum Plan, die Sprachkurse des Fremdsprachenzentrums nur noch kostenpflichtig anzubieten

Wenn man an der Universität Mainz Französisch, Spanisch und/oder Italienisch studieren möchte, muss man entweder ein anerkanntes Zertifikat (zum Beispiel DELF/DALF) vorweisen können (Niveau B1 mindestens) oder den Eingangstest zu Beginn jedes Semesters bestehen. Dieser orientiert sich ebenfalls am GER (Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen). Die Erfahrung hat gezeigt, dass besonders Italienisch und, je nach Herkunftsregion, auch Spanisch als Schulsprachen nach wie vor unterrepräsentiert sind. Das hat zur Folge, dass viele an einem Romanistik-Studium Interessierte die Kurse des Fremdsprachenzentrums nutzen, um sich auf ihr Wunsch-Fach vorzubereiten. Die Einführung einer Kostenpflicht würde die Leute bestrafen und abschrecken, die zu Schulzeiten nicht die Möglichkeit hatten, die Sprache(n) intensiv(er) zu lernen, sie dennoch aber studieren möchten. Die Anforderungen bei uns am Romanischen Seminar weiter herunterzusetzen, ist definitiv keine Option, da das Fachstudium keinen Sprachaufbau von Anfang an garantieren kann und sollte. Die Kurse des Fremdsprachenzentrums bilden dabei die optimale Brücke zwischen Schule und Fachstudium.

Auch gewinnen unsere Fächer immer wieder neue Studierende hinzu, die aufgrund eines am Fremdsprachenzentrum absolvierten Kurses zu einem Romanistik-Studium motiviert worden sind. Durch die Einführung einer Kostenpflicht wären wohl nur noch die Studierenden bereit, einen Kurs zu belegen, die es zwingend für ihren Studiengang brauchen. Leute, die gerade vom kostenfreien Angebot des Fremdsprachenzentrums angelockt werden, kämen nicht mehr in die Kurse. Und gerade diese Menschen sind die potentiellen Interessierten an unseren Studienfächern Französisch, Spanisch und Italienisch.

Kurz: Unser Seminar verdankt dem Fremdsprachenzentrum mitunter neue Studierende sowie Studierende mit den notwendigen Kenntnissen für ein Fachstudium. Gerade im Bereich der Italianistik, wo uns schon vor einigen Jahren die Sprachkurse, die wir glücklicherweise in Portugiesisch – wenn auch in gekürzter Form – noch haben, gestrichen wurden, träfe uns die Kostenpflicht sehr hart.

Soviel zur Notwendigkeit der Kostenfreiheit der Kurse für unsere Studienfächer. Es lässt sich jedoch auch aus universeller Perspektive gegen die Kostenpflicht argumentieren. So ist es uns als philologische Fachschaft völlig rätselhaft, wie man gerade im Fremdsprachenbereich den Rotstift (noch stärker!) ansetzen kann. Die Europäisierung unseres Landes und auch unserer Wissenschaftsregion – ich erinnere nur an die tollen bi- und trinationalen Studiengänge an unserer Universität – ist Realität, genauso wie der stetige Zuwachs an Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Die Möglichkeit, ohne Entgelt einen Sprachkurs zu besuchen, stellt für viele den Beginn oder die Fortführung eines (über-)europäischen Dialogs dar. Viele Studierende bereiten sich mit den Kursen auf eine durch und durch europäische Zukunft (im Arbeitsleben und privat) vor. Andere belegen Kurse zu Sprachen, die von vielen Einwanderern gesprochen werden, um im späteren Berufsleben für eine bessere Integration von und Verständigung mit Kolleg*innen, Kund*innen, Patient*innen, Schüler*innen etc. sorgen zu können. Die Kostenpflicht und damit die Schaffung eines Privilegs wäre ein völlig falsches Zeichen – ungerecht, nicht nachvollziehbar und vor allem kein Stück an der Realität der Sprachenvielfalt in unserem Land und unserer Region orientiert.

Dieser Artikel wurde am 6. Juni 2014 publiziert und unter Allgemein abgelegt.

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